Hundsmühlen
Ortsteil der Gemeinde Wardenburg
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Hundsmühlen ist eine rund 3400 Einwohner zählende Ortschaft in der Gemeinde Wardenburg im Landkreis Oldenburg.
Hundsmühlen Gemeinde Wardenburg | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 53° 6′ N, 8° 11′ O | |
| Höhe: | 6 m ü. NHN | |
| Einwohner: | 3443 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Postleitzahl: | 26203 | |
Lage von Hundsmühlen in Niedersachsen | ||
Geographie


Hundsmühlen liegt in einer Geestlandschaft im Kreuzungsbereich von Hunte und Lethe. Im Osten grenzt Hundsmühlen jenseits der Hunte an eine Marschebene, hinter der sich der Oldenburger Stadtteil Kreyenbrück befindet. Im Norden wird der Ort durch den Küstenkanal begrenzt, an den sich der Oldenburger Stadtteil Eversten anschließt. Westlich und südlich war Hundsmühlen ursprünglich von ausgedehnten Moorflächen umgeben, die bis etwa 1930 trockengelegt wurden. Westlich liegt heute Südmoslesfehn, südlich das Nachbardorf Tungeln.
Geschichte
Erste Erwähnungen und mittelalterliche Zerstörungen
Der Ortsname leitet sich von Hunoldes Molen ab, einer Wassermühle, die im 14. Jahrhundert an der am Ort vorbeifließenden Lethe stand. Die Mühle war damals Eigentum der Ritter von Everse, heute Eversten. Als Johannes von Everse seine Tochter Almode in das Kloster Blankenburg gab, sicherte er den dort ansässigen Schwestern des Predigerordens vertraglich einen jährlich zu zahlenden Geldbetrag oder eine entsprechende Menge Weizen aus der Mühle zu.[2]
Ein Vorwerk mit dem Namen „Hunoldesmohlen“ wird bereits 1310 in der historischen Überlieferung des Klosters Blankenburg erwähnt. Im Jahr 1401 errichtete Graf Dietrich von Oldenburg an dieser Stelle ein Festes Haus. Dieses wurde im Jahr 1454 mitsamt des Dorfes im Zuge einer Fehde durch die Truppen von Münster zerstört und niedergebrannt.[3][4]
Nach dem Wiederaufbau wurde das Vorwerk 1498 Graf Otto von Oldenburg († 17. Februar 1500), einem jüngeren Sohn von Gerhard von Oldenburg, als Apanage übertragen. Nach dem Tod des jungen Grafen in der Schlacht bei Hemmingstedt diente das Vorwerk der Versorgung des Oldenburger Hofes mit Nahrungsmitteln. Im Jahr 1536 überließ Graf Anton I. seiner Ehefrau Sophie Hundsmühlen als Morgengabe. Bereits zwei Jahre später wurde die Burg während einer erneuten Fehde mit dem Bistum Münster niedergebrannt. Sie wurde anschließend nicht wieder aufgebaut. Von der ehemaligen Burg sind heute keine baulichen Überreste erhalten.[4][5]
Hundsmühlen und die Torfwirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert
1754 wurde die Wassermühle aufgrund ihres schlechten Zustandes aufgegeben und wegen Besitzstreitigkeiten weiter stromaufwärts, südwestlich von Wardenburg, neu gebaut.[6] Das alte Wappen der ursprünglichen Mühle ist dort angebracht worden und bis heute zu sehen.[7][8]
In Hundsmühlen gewann die Torfstecherei zunehmend an wirtschaftlicher Bedeutung. Zur Versorgung der Stadt Oldenburg mit Torf wurde 1790 mit dem Bau der Hundsmühler Vehnkanäle begonnen. 1824 stammte etwa ein Drittel des von Oldenburg verbrauchten Torfes aus Hundsmühlen.[9][10]
Von 1876 bis 1878 wurde die Hunte ab Tungeln nach Westen verlegt und an den Ortsrand von Hundsmühlen geführt. Die letzten rund 300 Meter verliefen dabei im Bett der Lethe bis unmittelbar vor deren ursprüngliche Mündung in die Hunte. Zwischen 1878 und 1881 entstand im Hundsmühler Weg eine Zugbrücke, deren Baukosten sich auf 6.000 Mark beliefen. Der Kanal besaß zu dieser Zeit eine Sohlenbreite von neun Metern und eine Wassertiefe von 1,50 Metern.[11]
Das zwischen Hundsmühlen, Südmoslesfehn und Achternmeer gelegene Wittemoor wurde nach dem Erwerb des Gutes durch Herzog Peter Friedrich Ludwig planmäßig entwässert und für den Torfabbau weiter erschlossen. Dadurch entwickelte sich die Torfstecherei in der Folgezeit zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweig der Region.[10][12]
Entwicklung ab dem 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert entwickelte sich Hundsmühlen zunehmend weiter. Um 1930 entstanden an der Achternmeerer Straße neue Gebäude. 1935 wurde Hundsmühlen zur geschlossenen Ortschaft der Gemeinde Wardenburg erklärt. Die Hunoldstraße war zu dieser Zeit eine von Eichen gesäumte Klinkerstraße in Richtung Oldenburg.[13] In dieser Zeit wurde auch der Küstenkanal zwischen Hunte und Ems fertiggestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Hundsmühlen durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen stark an.
Zu Ostern 1950 wurde in Hundsmühlen ein neues Schulgebäude eingerichtet, die Grundschule besteht dort bis heute. Bis dahin besuchten Kinder aus Hundsmühlen die Schulen in Tungeln oder Eversten.[14][15] Die bis heute bestehende Kanalbrücke nahe des Hundsmühler Krugs wurde 1955 eingeweiht.[16]
Im Jahr 2010 feierte Hundsmühlen eine 700-Jahr-Feier, die der Ortsverein ausrichtete.[17]
Religion
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Hauptverkehrsadern Hundsmühlens sind die in Nord-Süd-Richtung durch den Ort führende Hunoldstraße sowie die in diese Straße einmündende Diedrich-Dannemann-Straße. Die Hunoldstraße führt im Norden am Küstenkanal über die Hundsmühler Straßenbrücke nach Oldenburg (Stadtteil Eversten) und geht im Süden in die nach Tungeln führende Hundsmühler Landstraße über. Die Diedrich-Dannemann-Straße ist benannt nach einem Wardenburger Bürgermeister (1906–1933) und Abgeordneten im Reichstag und im Oldenburgischen Landtag (DVP / DNVP), der zuletzt in Hundsmühlen gewohnt hat, und führt parallel zum Küstenkanal nach Südmoslesfehn. Eine wichtige Nebenstraße ist die Achternmeerer Straße, welche durch das ehemalige Moor nach Achternmeer führt.
Hundsmühlen wird durch die Stadtbuslinie 314 der Oldenburger Verkehr und Wasser GmbH halbstündig angefahren. Seit 2008 wird diese Linie vorrangig von Solo-Erdgasbussen der VWG-Tochtergesellschaft Nordbus sichergestellt.
Eine Besonderheit in Hundsmühlen ist die Tatsache, dass ein Teil des Ortes telefonisch über die Oldenburger Vorwahl erreichbar ist, postalisch jedoch über die Wardenburger Postleitzahl.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Mit dem Wachstum nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich auch das öffentliche Leben im damals noch ländlich geprägten Hundsmühlen. 1952 gründete sich der Ortsverein Hundsmühlen, welcher sich für kulturelle und gesellschaftliche Belange engagiert und beispielsweise das traditionelle Osterfeuer organisiert.[18][19]
1949 wurde die Grundschule Hundsmühlen errichtet, welche 1973 um eine Turnhalle und 1985 um einen Neubau erweitert wurde. Zu Beginn des Schuljahres 2022/23 besuchten 216 Schülerinnen und Schüler[20] aus Hundsmühlen und dem Nachbarort Tungeln die Grundschule. 1948 wurde der Hundsmühler Turnverein gegründet[21]. Er ist mit etwa 1.100 Mitgliedern[22] einer der größten Sportvereine im Landkreis Oldenburg. Gemeinsam mit dem SV Moslesfehn und dem SV Tungeln besitzt er an der Diedrich-Dannemann-Straße eine große Sporthalle. Darüber hinaus befindet sich in unmittelbarer Nähe, ebenfalls in der Diedrich-Dannemann-Straße in Hundsmühlen, der Judo-Club Achternmeer-Hundsmühlen e. V. Dieser Verein mit mehr als 1400 Mitgliedern verfügt über ein Budo- und Gesundheitszentrum sowie über ein eigenes Fitness-Studio.
Ein im Stil des Klassizismus errichtetes Herrenhaus stellt das im 19. Jahrhundert erbaute Gut Hundsmühlen am südlichen Ortsausgang dar. Dieses Gebäude beherbergte bis 1999 die Kinder- und Jugendbibliothek und war bis vor kurzem ein Bildungszentrum der LEB (Ländliche Erwachsenenbildung Niedersachsen).
Das als Veranstaltungszentrum beliebte ehemalige Dorfgemeinschaftshaus wird seit Anfang 2016 vom Hundsmühler Turnverein als Sportstätte genutzt.
Persönlichkeiten
- Sophie Anne Dorothea von Hinüber (1730–1803), Äbtissin des Klosters Walsrode
- Diedrich Dannemann (1874–1933), Politiker (DNVP, später NSDAP)
- Robert Dannemann (1902–1965), Politiker (NSDAP, später FDP)
- Erwin Fritzsche (1907–2007), Gewerkschafter und NS-Verfolgter
