Hutchinsonit

Mineral aus der Gruppe der Sulfosalze From Wikipedia, the free encyclopedia

Hutchinsonit (IMA-Symbol Hut[1]) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ mit der idealisierten chemischen Zusammensetzung TlPbAs5S9[3] und damit chemisch gesehen eine sulfidähnliche Verbindung aus Thallium, Blei, Arsen und Schwefel, die strukturell zu den Sulfosalzen gehört.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Hutchinsonit
Reichhaltiges Hutchinsonit-Aggregat mit tief dunkelroten, prismatischen Kristallen aus der Quiruvilca Mine, Peru (Größe: 4,5 cm × 4,4 cm × 2,2 cm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Hut[1]

Chemische Formel
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfide und Sulfosalze
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

II/D.03 – Anhang
II/E.13-045[2]

2.HD.45
03.08.06.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m2/m2/m[6]
Raumgruppe Pbca (Nr. 61)Vorlage:Raumgruppe/61[4]
Gitterparameter a = 10,79 Å; b = 35,39 Å; c = 8,14 Å[4]
Formeleinheiten Z = 8[4]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 1,5 bis 2 (VHN = 170 kg/mm2)[5]
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,6 bis 4,7; berechnet: 4,58[5]
Spaltbarkeit gut nach {010}[5]
Bruch; Tenazität muschelig; spröde[5]
Farbe Scharlachrot bis tief Kirschrot mit starken roten Innenreflexen,[5] auch schwarz[2]
Strichfarbe Bitte ergänzen!
Transparenz undurchsichtig, durchscheinend in dünnen Splittern[5]
Glanz Diamantglanz bis schwacher Metallglanz[5]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 3,078[7]
nβ = 3,176[7]
nγ = 3,188[7]
Doppelbrechung δ = 0,110[7]
Optischer Charakter zweiachsig negativ
Achsenwinkel 2V = 37° (gemessen), 36° (berechnet)[7]
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Hutchinsonit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt parallel der c-Achse [001] nadelige bis prismatische Kristalle bis etwa einen Zentimeter Größe mit einem diamantähnlichen bis metallischen Glanz auf den Oberflächen. Im Allgemeinen ist das Mineral undurchsichtig und von scharlachroter bis fast schwarz wirkender, tiefkirschroter Farbe mit starken roten Innenreflexen. In dünnen Splittern ist es rot durchscheinend.

Mit einer Mohshärte von 1,5 bis 2 gehört Hutchinsonit zu den weichen Mineralen, das ähnlich wie das Referenzmineral Gips mit dem Fingernagel ritzen lässt.

Etymologie und Geschichte

Namensgeber Arthur Hutchinson, 1932

Im Sommer 1903 war der britische Mineraloge Richard Harrison Solly (1851–1925) zu Besuch im Binntal im Schweizer Kanton Wallis, als im dortigen Steinbruch Lengenbach ein bisher unbekanntes Mineral entdeckt wurde. Es trat dort eng vergesellschaftet mit Sartorit und Rathit in dem weißen kristallinen Dolomitgestein zutage. Weiteres Material wurde dort im November desselben Jahres und 1904 gefunden.

Solly konnte durch seine Analysen des Materials bestätigen, dass es sich dabei um ein neu entdecktes Mineral handelte und benannte es nach dem britischen Mineralogen Arthur Hutchinson (1866–1937).

Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum national d’histoire naturelle (MHN, Museum) Paris unter der Inventarnummer 104.1161 und im Natural History Museum (NHM) in London (hier ohne dokumentierte Inventarnummer) aufbewahrt.[8][9]

Da der Hutchinsonit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Hutchinsonit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hutchinsonit lautet „Hut“.[1]

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hutchinsonit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung „Komplexe Sulfide (Sulfosalze)“, wo er gemeinsam mit Hatchit, Imhofit, Livingstonit, Lorándit, Vrbait und Wallisit im Anhang zur „Silberspießglanz-Gruppe“ mit der Systemnummer II/D.03 und den Hauptmitgliedern Benjaminit, Pearceit, Polybasit, Smithit, Stephanit und Trechmannit steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer II/E.13-045. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Sulfosalze (S : As,Sb,Bi = x)“, wo Hutchinsonit zusammen mit Edenharterit, Grumiplucit, Jentschit, Livingstonit, Lorándit, Richardsollyit, Simonit, Tvalchrelidzeit, Vaughanit, Vrbait und Weissbergit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer II/E.13 bildet.[2]

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hutchinsonit in die neu definierte Abteilung „Sulfosalze mit SnS als Vorbild“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Thallium (Tl)“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 2.HD.45 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hutchinsonit die System- und Mineralnummer 03.08.06.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort der Abteilung „Sulfosalze“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Sulfosalze mit dem Verhältnis 1 < z/y < 2 und der Zusammensetzung (A+)i (A2+)j [ByCz], A = Metalle, B = Halbmetalle, C = Nichtmetalle“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 03.08.06.

Kristallstruktur

Hutchinsonit kristallisiert in der orthorhombischen Raumgruppe Pbca (Raumgruppen-Nr. 61)Vorlage:Raumgruppe/61 mit den Gitterparametern a = 10,79 Å; b = 35,39 Å und c = 8,14 Å sowie 8 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]

Bildung und Fundorte

Hutchinsonit bildet sich durch hydrothermale Vorgänge in Dolomitgesteinen. Als Begleitminerale können neben Sartorit und Rathit unter anderem noch Auripigment, Bernardit, Chabournéit, Edenharterit, Erniggliit, Getchellit, Hatchit, Jentschit, Pyrit, Realgar, Sicherit, Sphalerit, Stalderit auftreten.[5]

Als seltene Mineralbildung konnte Hutchinsonit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher nur wenig mehr als 10 Vorkommen dokumentiert sind.[11] Seine Typlokalität im Binntaler Steinbruch Lengenbach ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Deutschland[11] ist die bis 1954 betriebene Grube Segen Gottes, genauer die dortigen Schächte „Gänsberg“ und „Schafsbuckel“ mit Blei-Zink-Vererzungen im Grubenfeld Kobelsberg bei Wiesloch in Baden-Württemberg.[12]

Weitere Fundorte liegen unter anderem in der Volksrepublik China (Anhui, Hubei, Yunnan), im Iran, auf der japanischen Insel Hokkaidō, in der peruanischen Region La Libertad und der russischen Oblast Swerdlowsk (Ural).[11]

Siehe auch

Literatur

  • R. H. Solly: Some new minerals from the Binnenthal, Switzerland. In: Mineralogical Magazine. Band 14, 1905, S. 72–82 (englisch, rruff.info [PDF; 463 kB; abgerufen am 23. September 2025]).
  • Y. Takéuchi, Subrata Ghose, W. Nowacki: The crystal structure of hutchinsonite, (Tl,Pb)2As5S9. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 121, 1965, S. 321–348 (englisch, rruff.info [PDF; 1,4 MB; abgerufen am 1. Oktober 2025]).
  • Y. Matsushita, Y. Takéuchi: Refinement of the crystal structure of hutchinsonite, TlPbAs5S9. In: Zeitschrift für Kristallographie. Band 209, 1994, S. 475–478 (englisch, rruff.info [PDF; 631 kB; abgerufen am 1. Oktober 2025]).
Commons: Hutchinsonite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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