Hydrozinkit
Mineral aus der Gruppe der Carbonate
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Hydrozinkit, auch unter der bergmännischen Bezeichnung Zinkblüte bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ (ehemals „Nitrate, Carbonate und Borate“) mit der chemischen Zusammensetzung Zn5[(OH)6|(CO3)2][4] und damit chemisch gesehen ein basisches Zinkcarbonat, genauer ein Zinkcarbonat mit zusätzlichen Hydroxidionen.
| Hydrozinkit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Hznc[1] |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Carbonate (und Verwandte) |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
Vb/B.01 V/C.01-100 5.BA.15 16a.04.01.01 |
| Ähnliche Minerale | Calcit, Aragonit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | monoklin |
| Kristallklasse; Symbol | monoklin-prismatisch; 2/m[5] |
| Raumgruppe | C2/m (Nr. 12)[4] |
| Gitterparameter | a = 13,62 Å; b = 6,30 Å; c = 5,42 Å β = 95,8°[4] |
| Formeleinheiten | Z = 2[4] |
| Zwillingsbildung | Kontaktzwillinge nach {100}[6] |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 2,5[6] |
| Dichte (g/cm3) | gemessen: 4,00; berechnet: 4,01[6] |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach {100}[6] |
| Bruch; Tenazität | muschelig; sehr spröde[6] |
| Farbe | farblos, weiß, grau, gelblich, braun, rosa, grün |
| Strichfarbe | weiß |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend[7] |
| Glanz | Perlenglanz, Seidenglanz, matt oder erdig in massigen Aggregaten |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα = 1,630[7] nβ = 1,642[7] nγ = 1,750[7] |
| Doppelbrechung | δ = 0,120[7] |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = 40°[7] |
| Weitere Eigenschaften | |
| Chemisches Verhalten | in Säuren unter CO2-Abgabe löslich |
| Besondere Merkmale | unter UV-Licht hellblaue bis violette Fluoreszenz[6] |
Hydrozinkit kristallisiert im monoklinen Kristallsystem, entwickelt aber nur selten tafelige Kristalle bis etwa 6 mm Größe, die nach der c-Achse [001] gestreckt sind. Meist findet er sich in Form von stalaktitischen, trauben- bis nierenförmigen oder pisolithischen Mineral-Aggregaten sowie als erdige oder kreideähnliche bis derbe Massen. Die Aggregatformen zeigen auf den Oberflächen entsprechend meist einen perlmutt- bis seidenähnlichen Glanz oder sind erdig matt.
In reiner Form ist Hydrozinkit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterfehlern oder polykristalliner Ausbildung erscheint er jedoch meist durchscheinend weiß und kann durch Fremdbeimengungen eine graue, gelbliche, braune, rosa oder grüne Farbe annehmen. Bei oolithischen Aggregaten treten zudem auch konzentrisch verschiedene Farbzonen auf.
Etymologie und Geschichte
Erstmals gefunden wurde Hydrozinkit bei Bad Bleiberg im Bezirk Villach-Land in Österreich. Seinen heutigen Namen erhielt das Mineral 1853 durch Gustav Adolf Kenngott[8] in Anlehnung an dessen chemische Zusammensetzung mit die Zink- und Hydroxidionen. Zuvor wurde das Mineral aufgrund seiner an den Schachtwänden auftretenden krustigen Überzüge oder Ausblühungen meist als Zinkblüte (auch Zinkblüthe) bezeichnet. Geprägt wurde dieser Begriff 1808 von Dietrich Ludwig Gustav Karsten.[9]
Da der Hydrozinkit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Hydrozinkit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Hydrozinkit lautet „Hznc“.[1]
Ein Aufbewahrungsort für das Typmaterial des Minerals ist nicht dokumentiert.[10]
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Hydrozinkit zur Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Aurichalcit, Azurit, Loseyit, Malachit und Rosasit in der „Azurit-Hydrozinkit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/B.01 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/C.01-100. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Hydrozinkit zusammen mit Aurichalcit, Azurit, Brianyoungit, Chukanovit, Georgeit, Glaukosphärit, Kolwezit, Loseyit, Malachit, Mcguinnessit, Nullaginit, Parádsasvárit, Pokrovskit, Rosasit, Sclarit und Zinkrosasit die „Azurit-Rosasit-Reihe“ mit der Systemnummer V/C.01 bildet.[11]
Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[12] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Hydrozinkit in die Abteilung „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Co, Ni, Zn, Mg, Mn“ zu finden, wo es zusammen mit Aurichalcit die „Aurichalcit-Hydrozinkitgruppe“ mit der Systemnummer 5.BA.15 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Hydrozinkit die System- und Mineralnummer 16a.04.01.01. Das entspricht ebenfalls der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate – Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO3)2Zq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16a.04.01.
Kristallstruktur
Hydrozinkit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/m (Raumgruppen-Nr. 12) mit den Gitterparametern a = 13,62 Å; b = 6,30 Å; c = 5,42 Å und β = 95,8° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[4]
Eigenschaften

Gelegentlich zeigt Hydrozinkit unter UV-Licht eine bläuliche Fluoreszenz.
Bildung und Fundorte
Hydrozinkit entsteht als Verwitterungsprodukt aus Zinksulfiden und Zinkspat (Smithsonit) vorwiegend in den Oxidationszonen von Zinklagerstätten als Massen oder Krusten. Kristalle werden selten gefunden. Hydrozinkit wird, obwohl auf vielen Mineralienproben vorhanden, nicht beachtet oder häufig mit einem üblicheren Mineral wie Calcit oder Aragonit verwechselt. Begleitminerale sind neben den genannten unter anderem Aurichalcit, Cerussit, Hemimorphit, Sphalerit und Willemit sowie das Eisenoxidgemenge Limonit.[6]
Als häufige Mineralbildung ist Hydrozinkit an vielen Orten anzutreffen, wobei weltweit bisher rund 1200 Vorkommen[14] dokumentiert sind (Stand 2026). Außer an seiner Typlokalität bei Bad Bleiberg trat das Mineral im Bezirk Villach-Land noch in verschiedenen, teilweise alten Bergwerken und Gruben sowie in angrenzenden Bezirken in Kärnten wie Hermagor, Klagenfurt, Sankt Veit an der Glan, Spittal an der Drau und Völkermarkt auf. Weitere bekannte Fundstätten liegen unter anderem in Nieder- und Oberösterreich, im Salzburger Land, der Steiermark, Tirol und Vorarlberg.
In Deutschland fand sich Hydrozinkit bisher vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, aber auch an verschiedenen Orten in anderen Bundesländern.
In der Schweiz kennt man das Mineral bisher von einigen Fundstätten in den Kantonen Graubünden, Tessin, Waadt und Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Ägypten, Algerien, Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Grönland, Guatemala, Indien, Iran, Irland, Isle of Man, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Namibia, Norwegen, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Saudi-Arabien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tadschikistan, Thailand, Tschechien, Tunesien, Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (England, Schottland, Wales), den Vereinigten Staaten von Amerika und Vietnam.[15]
- Stengeliger Hydrozinkit aus Sclaigneaux, Belgien (Sichtfeld 7 mm)
- Hydrozinkit auf Serpierit aus der Herzog Juliushütte, Niedersachsen, Deutschland (Sichtfeld 1,5 mm)
Verwendung
Hydrozinkit kann zwar bis zu 60 % Zink[5] enthalten, allerdings lohnt sich ein wirtschaftlicher Abbau nur bei lokaler Anhäufung des Minerals.
Siehe auch
Literatur
- William Phillips: An Elementary Introduction to Mineralogy. Hrsg.: Henry James Brooke, William Hallows Miller. Longman, Brown, Green, and Longmans, London 1852, S. 684, Zinkblüthe (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 15. April 2026]).
- Adolf Kenngott: Das Mohs’sche Mineralsystem, dem gegenwärtigen Standpunkte der Wissenschaft gemäss. Verlag und Druck von Carl Gerold & Sohn, Wien 1853, S. 26–27, V. Geschlecht: Zink-Baryte. Hydrozinkit (digitale-sammlungen.de [abgerufen am 15. April 2026]).
- Subrata Ghose: The crystal structure of hydrozincite, Zn5(OH)6(CO3)2. In: Acta Crystallographica. Band 17, 1964, S. 1051–1057, doi:10.1107/S0365110X64002651 (englisch).
- Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 547.
- Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie (= Dörfler Natur). Edition Dörfler im Nebel-Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 978-3-89555-076-8, S. 123.
Weblinks
- Hydrozinkit. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung
- IMA Database of Mineral Properties – Hydrozinkite. In: rruff.net. RRUFF Project (englisch).
- Hydrozincite search results. In: rruff.net. Database of Raman spectroscopy, X-ray diffraction and chemistry of minerals (RRUFF) (englisch).
- American-Mineralogist-Crystal-Structure-Database – Hydrozincite. In: rruff.net. (englisch).
