Hélène Pastor

monegassische Immobilienunternehmerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Hélène Pastor (geboren am 31. März 1937 in Monaco; gestorben am 21. Mai 2014 in Nizza) war eine monegassische Geschäftsfrau, die einer in der Immobilienbranche erfolgreichen Familie entstammt.

Ihr Vermögen wurde 2014 auf etwa 12 Milliarden Euro geschätzt. Zum Zeitpunkt ihres Todes stand sie an der Spitze von einem Dutzend monegassischer Aktiengesellschaften mit etwa 80 Mitarbeitern und einem Besitz von etwa 1200 Wohnungen und Grundstücken. Ihre beiden Kinder, Gildo und Sylvia, hielten jeweils 5 % und die restlichen 90 % gehörten Hélène Pastor.[1]

Sie wurde am 6. Mai 2014 beim Verlassen des Krankenhauses L'Archet in Nizza zusammen mit ihrem Fahrer niedergeschossen und erlag zwei Wochen später ihren Verletzungen.

Familie und Privatleben

Hélène Pastor kam 1937 in Monaco als Tochter von Emile Louise Briant[2] und Gildo Pastor zur Welt.[3]

Gründer der Dynastie war Hélènes Großvater Jean-Baptiste Pastor. Dieser war früher Steinmetz und verließ in den 1880er Jahren sein Heimatland Italien, um sich in Monaco niederzulassen. Hier gründete er das Tiefbauunternehmen J.B. Pastor & fls. Hélènes Vater Gildo Pastor nutzte dann den Immobilienboom der Nachkriegszeit und baute das Familienunternehmen so erfolgreich aus, dass er zum reichsten Mann von Monaco wurde.[4] Er ließ Hunderte von Wohnungen bauen und vermieten, die nach seinem Tod im Jahr 1990 zwischen Hélène und ihren beiden Brüdern Victor und Michel aufgeteilt wurden.

Hélènes älterer Bruder Victor Pastor war Immobilienentwickler und Gründer der Familiengesellschaft Groupe Pastor.[5] Der jüngere Bruder Michel Pastor war auch erfolgreicher Unternehmer,[6] bekannt auch als bedeutender Kunstsammler und Honorarkonsul von Peru in Monaco.[7] Von 2004 bis 2008 war er außerdem Präsident des AS Monaco.[8]

Hélène Pastor war zweimal verheiratet und zweimal geschieden.[9] Aus ihrer ersten Ehe ging 1961 eine Tochter hervor, Sylvia Ratkowski.[10] In ihrer zweiten Ehe mit Claude Pallanca, einem bekannten Zahnarzt aus Monaco, der auch Honorarkonsul Russlands war, bekam sie 1967 den Sohn Gildo Pallanca-Pastor.[11] Auch er ist Immobilienentwickler in Monaco und Eigentümer sowie Geschäftsführer von Venturi.

Mordanschlag

Am Abend des 6. Mai 2014 verließ Hélène Pastor das Krankenhaus L'Arche[12] in Nizza, wo sie ihren Sohn Gildo besucht hatte, der wegen eines Schlaganfalls behandelt wurde. Als sie in ihren schwarzen Minivan, der von ihrem Chauffeur Mohamed Darwich gefahren wurde, einstieg, wurden beide aus nächster Nähe mit einem Jagdgewehr beschossen. Mohamed Darwich starb am 10. Mai an seinen Verletzungen, Hélène Pastor in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai 2014.[13]

Ermittlungen

Zwei junge Komorer aus den Vororten von Marseille, der mutmaßliche Mörder Samine Saïd Ahmed und der Späher Alhair Hamadi, konnten durch Aufnahmen von Überwachungskameras schnell identifiziert und festgenommen werden.[14] Im Polizeigewahrsam legten sie bald ein Geständnis ab, dass sie von Wojciech Janowski, dem Lebensgefährten von Sylvia Pastor, der Tochter von Hélène, beauftragt worden waren. Janowski gestand nach seiner sechsten Vernehmung am 26. Juni 2014, den Mord in Auftrag gegeben zu haben, widerrief dies später jedoch unter Berufung auf seine mangelnden Französischkenntnisse.[15] Er lebte als ehemaliger Honorarkonsul Polens in Monaco, war finanziell in Bedrängnis trotz der 500.000 Euro pro Monat, die seine Partnerin von ihrer Mutter zur Lebensführung erhielt,[16] und entwickelte wohl einen Hass gegen seine Schwiegermutter.[17] Im Sommer 2014 gestand Pascal Dauriac, der Sporttrainer des Ehepaars Janowski, die Rekrutierung des Teams überwacht zu haben, das mit der Ermordung von Hélène Pastor beauftragt war. Er nannte als Höhe des Honorars 140.000 Euro und behauptete, Janowski habe auch geplant, Gildo, den jüngsten Sohn von Hélène Pastor, durch „einen Fernschuss“ töten zu lassen.[18]

Im Februar 2017 wurden insgesamt zehn Angeklagte wegen Mord, Beihilfe zum Mord und Bildung einer kriminellen Vereinigung vor das Schwurgericht gestellt.[19]

Prozess

Der Prozess gegen die zehn Beteiligten begann am 17. September 2018 vor dem Schwurgericht von Aix-en-Provence[16] und endete nach einem Monat am 17. Oktober 2018.[12]

Wojciech Janowski wurde wegen Anstiftung zu den beiden Morden[20] ebenso wie Samine Said Ahmed und Al Haïr Hamamd zu einer lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt.[12][21] Der Sporttrainer Pascal Dauriac wurde hingegen zu dreißig Jahren Haft verurteilt,[22] die Strafe im Berufungsverfahren jedoch auf 22 Jahre herabgesetzt.[23][24][25] Im Berufungsverfahren, das im November 2021 stattfand, wurden die lebenslangen Freiheitsstrafen für den Auftraggeber und die Mörder bestätigt. Dieses Urteil wurde rechtskräftig, nachdem die Berufungen vom Kassationsgericht im Juni 2023 abgelehnt worden waren.[23]

Literatur

Presseartikel
  • Marine Messina: Affaire Pastor : le gendre voulait « résoudre le problème » qu'était sa belle-mère. In: Le Monde. 10. Juli 2014 (französisch, lemonde.fr).
  • Le gendre d'Hélène Pastor accusé d'avoir voulu éliminer aussi le fils de l'héritière. In: L’Express. 6. Dezember 2014 (französisch, lexpress.fr).
  • Aziz Zemouri: Affaire Pastor : le suspect numéro un accuse les policiers de manipulation. In: Le Point. 11. Mai 2015 (französisch, lepoint.fr).
  • François Barrère: Affaire Pastor : crimes et trahisons au pays des milliardaires. In: Midi libre. 17. September 2018 (französisch).
Comicstrip
  • Monaco d'or et de plomb (= La revue dessinée, numéro 13). 2016 (französisch).

Fernsehdokumentationen

  • « Meurtre sur le Rocher » Sendungen am 30. März und 6. April 2015 in der Reihe Crimes auf NRJ 12.
  • « Hélène Pastor, une milliardaire pour cible » am 19. Mai 2016 in der Reihe Karl Zéro Absolu auf YouTube.
  • « Procès Pastor : un meurtre pour des milliards ? » in der Reihe C dans l'air. 2018 (französisch, youtube.com).
  • « Affaire Hélène Pastor : trahison familiale à Monaco » am 6. Februar 2019 in der Reihe Enquêtes criminelles : le magazine des faits divers auf W9.
  • « Argent, trahison et mensonges sur le Rocher » am 7. März 2019 in der Reihe Héritages auf NRJ 12.

Radiosendungen

  • « L'affaire Hélène Pastor » am 25. August 2014, am 28. April 2017 und am 22. Oktober 2018 in der Sendung L'Heure du crime von Jacques Pradel auf RTL.
  • « L’assassinat d’Hélène Pastor – Tragédie sur le Rocher » am 3. Oktober 2017 in der Sendung Affaires sensibles von Fabrice Drouelle auf France Inter.
  • Spica Life (Hrsg.): Meurtre : Monaco au centre d’une trahison et d’un drame familial. 3. April 2022 (französisch, youtube.com).
  • Old Money Allure (Hrsg.): Die Ermordung von Monacos reichster Frau... durch ihren Schwiegersohn: Die Tragödie von Hélène Pastor. 26. November 2025 (youtube.com).

Einzelnachweise

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