I Met a Murderer

Film von Roy Kellino (1939) From Wikipedia, the free encyclopedia

I Met a Murderer ist ein britischer Film in Schwarz-weiß aus dem Jahr 1939. Regie führte Roy Kellino, der auch das Drehbuch schrieb. Die Geschichte stammt von James Mason und Pamela Kellino, die auch die Hauptrollen spielten.

TitelI Met a Murderer
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1939
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel I Met a Murderer
Produktionsland Vereinigtes Königreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1939
Länge 79 Minuten
Stab
Regie Roy Kellino
Drehbuch Roy Kellino
Produktion Roy Kellino
Musik Eric Ansell
Kamera Roy Kellino
Schnitt Fergus McDonell
Besetzung
  • James Mason: Mark Warrow
  • Sylvia Coleridge: Martha Warrow
  • William Devlin: Jay
  • Pamela Kellino: Jo Trent
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Handlung

Mark Warrow lebt zusammen mit seiner ständig missmutigen und oft schimpfenden Frau Martha sowie deren faulen und desinteressierten Bruder Jay auf seiner Farm. Eines Tages muss Mark eine Kuh, die gerade ein Kalb bekommen hat, wegen des betrunkenen Jay erschießen. Martha lässt aber nicht zu, dass er Jay deswegen hinauswirft. Als Jay sich später beim Kornernten verletzt und auf dem Weg zum Arzt ist, sieht sich Mark gezwungen, Martha zur Hilfe zu holen. Doch auch die hilft nicht, sondern beschwert sich nur und kehrt zum Haus zurück, wo sie bald den Hund der Farm, Marks einzigen Lichtblick, erschießt. Daraufhin erschießt Mark Martha und begräbt sie hinter dem Haus. Es dauert aber nicht lange, bis zwei Mädchen mit einem Hund, die die Farm mehrfach aufsuchen, Jay dazu bringen, dort zu graben. Daraufhin flieht Mark in den nächsten Ort und bleibt dort, bis er bemerkt, dass er per Zeitung gesucht wird.

Auf der Flucht trifft er eines Nachts auf Jo Trent, eine junge Schriftstellerin, die vorgibt, sich verlaufen zu haben. Als Mark ihr Auto mit Wohnanhänger findet, lädt sie ihn ein. Nachdem sie ihn am nächsten Tag dazu gebracht hat, einen Sack voller Äpfel aus einem Garten zu holen, werden sie vom Besitzer erwischt und müssen mit dem Auto fliehen. Sie reisen nun zusammen. Jo gibt Mark ihre bisher veröffentlichten Romane zu lesen, doch er interessiert sich mehr für das, was sie gerade schreibt. Das zeigt sie ihm aber nicht. Eines Tages sind die beiden in einer Lichtung in einem Wald, und das Auto wird kurz von einer Tante benötigt. Mark kommt wieder auf das Buch zu sprechen, er werde es spätestens dann lesen, wenn es veröffentlicht ist, doch sie meint, das werde nie geschehen. Kurz darauf kommt ein reiterloses Pferd auf die Lichtung. Mark folgt ihm und fängt es ein, muss sich dazu aber etwas vom Wohnanhänger entfernen. Auf dem Rückweg bemerkt er gerade noch rechtzeitig, dass der Reiter, ein junger Mann, gerade mit Jo spricht. So steigt er ab und scheucht das Pferd aus dem Verborgenen zu den beiden. Der junge Mann reitet davon.

Am nächsten Morgen holt Jo das Auto wieder ab. Der junge Mann will sie besuchen und sieht dabei, wie sich Mark versteckt. Als er wieder fort ist, findet Mark einen zerknüllten Zettel, der darauf hinweist, dass das neue Buch von ihm handelt. Er findet und liest es. Dabei wird ihm klar, dass Jo von Anfang an wusste, wer er ist. Als Jo zurückkommt, konfrontiert er sie damit. Sie entschuldigt sich damit, dass sie ihn noch nicht geliebt habe, als sie damit anfing. Die beiden küssen sich. Doch bald kommt der junge Mann wieder, dieses Mal mit der Polizei. Mark kann sich gerade noch verstecken, doch ein Polizist wird misstrauisch, als er Jos leeren Pistolenhalfter findet. Die kann ihn beruhigen, darf den Platz aber bis zum nächsten Morgen nicht verlassen. Nun halten Mark und Jo abwechselnd Wache. Am Morgen wird Jo nervös und schießt in ein Gebüsch. Der davon geweckte Mark findet heraus, dass sie einen Polizisten erschossen hat, schießt aber in die Luft und erzählt ihr, dass er den sterbenden Polizisten getötet habe. Dann flieht er und lockt die Polizei mit einem weiteren Schuss von Jo weg. Auf der Flucht gerät Mark in eine Fuchsjagd. Die Polizisten und die Jäger agieren nun gemeinsam, und Mark versteckt sich kurzzeitig an derselben Stelle wie der Fuchs. Er erkennt, dass er nicht bleiben kann, sorgt für Ablenkung und reitet mit einem gestohlenen Pferd davon. Die Jagd auf ihn geht weiter. Er kommt an einem Mann mit einem Gewehr vorbei, der auf ihn schießt. Mark fällt getroffen vom Pferd, kann den Mann aber überwältigen. Er nimmt ihm das Gewehr ab und flüchtet zu Fuß weiter. Er kommt an einen Strand und flieht ins Meer. Vom Strand her sehen seine Jäger zu, wie er ertrinkt.

Nun wiederholt sich eine Bildfolge vom Anfang des Films. Erst ist das Meer zu sehen, danach bewegt sich die Kamera auf den Strand und dann einen Hügel hinauf, etwas weiter als die Sequenz vom Anfang: Oben ist die weinende Jo zu sehen.

Hintergrund

1937 und 1938 wurden in England nur wenige Filme produziert. Der damals noch unbekannte James Mason bekam daher kaum Rollen. Er und das mit ihm befreundete Ehepaar Pamela Kellino, ebenfalls Schauspielerin, und Roy Kellino, ein damals in England arrivierter Kameramann, der auch schon Regie geführt hatte, beschlossen, einen Film zu produzieren. Schnell wurde klar, dass sie nicht das Geld für ein Filmstudio auftreiben konnten. Um Kosten zu sparen, beschlossen sie, das Drehbuch selbst zu schreiben. Um weitere Kosten zu sparen, sollte der gesamte Film im Freien gedreht werden.[1] Dazu gründeten sie Gamma Films.[2] James Mason und Pamela Kellino schrieben die Geschichte und übernahmen die Hauptrollen, während Roy Kellino die Regie und Kamera übernahm. Zudem verfasste er auch das Drehbuch und betätigte sich als Produzent.

Am 16. März 1938 begannen die Dreharbeiten. Der Arbeitstitel des Films war Deadwater.[3] Gedreht wurde er an mehreren Orten auf der Isle of Wight. Die finale Jagd auf den Flüchtigen entstand in Whale Chine in der Nähe von Atherfield.[4] Mittlerweile hatten die drei beschlossen, die Dialoge auf ein Minimum zu reduzieren. Das meiste solle durch die Musik und andere Toneffekte kommuniziert werden.[5.1] Geplant war, dass lediglich die beiden Hauptrollen Text bekommen sollten. Zudem sollten die Bilder der friedlichen, englischen Landschaft, die laut Roy Kellino nicht oft genug in englischen Filmen gezeigt wurde, als Kontrast zur dramatischen Geschichte dienen und diese dadurch hervorheben.[5.2] Es war ihnen noch nicht klar, wie viel der Film kosten sollte. Ziel waren 10.000 Pfund, sie waren aber auch auf 20.000 vorbereitet. Gedreht werden sollte nur bei passendem Wetter.[5.2] Der Grund für diese Schätzung war die Unvorhersehbarkeit des englischen Wetters.[3] Die drei betonten auch, dass sie keinerlei Gehalt für ihre Arbeit bekommen würden.[5.2] Die Dreharbeiten liefen das ganze Jahr 1938, wobei geliehene Kameras zum Einsatz kamen. Auch traten Freunde vom Theater auf, ohne dafür bezahlt zu werden.[6]

Als der Film fertig und nach einer Feier auf Vorschlag der Schauspielerin Leonora Corbett in I Met a Murderer umbenannt war, stellte Pamela Kellino ihn ihrem Vater Isidore Ostrer und dessen Brüdern vor. Die kontrollierten zu der Zeit mit Gaumont British eines der führenden britischen Filmproduktionsunternehmen, und dazu eine der führenden Vertriebsunternehmen sowie eine der großen Kinoketten Englands. Sie wollte sie darum bitten, den Film zu vertreiben, doch sie winkten ab. Also bemühten sich James Mason und die Kellinos um ein anderes Vertriebsunternehmen.[7] Im März 1939 wurde I Met a Murderer in ein paar Kinos aufgeführt und bekam gute Kritiken. Der offizielle Kinostart fiel aber in die Woche, in der England Deutschland den Krieg erklärte, weshalb die Kinos geschlossen wurden.[6] Am 1. Oktober 1939 kam der Film in die US-amerikanischen Kinos.[8]

Rezeption

Kritiken

Das Dictionary of National Biography, 1981–1985 nannte I Met a Murderer einen intelligenten kleinen Kriminalthriller, der von den besseren Kritikern gut aufgenommen wurde.[9]

Es gab allerdings auch negative Kritiken. So meinte Nelson Burns in seiner Kritik für The Courier-Mail aus Brisbane, dass der Film der schlechteste Film Masons sei. Er fliehe begleitet von lauter Orchestermusik durch eine schlecht fotografierte englische Landschaft. Zusammenfassend schließt die Kritik mit der Aussage, es sei eine Schande, Mason einen Film dieser Art vorzuwerfen.[10] Die Kritik im Motion Picture Herald berichtet von einer trostlosen Geschichte, die trostlos erzählt sei. Der Film habe vergleichsweise wenig, was ein durchschnittliches Publikum unterhalten würde. Zwar sei der Fokus auf Mimik und die Kamera, die Dialoge ersetzen solle, interessant, doch sei der vorhandene Dialog einsilbig. Dadurch fehle dem Film die Dramatik, auf die er angewiesen sei.[11]

Die meisten Kritiken loben den Film jedoch sehr, auch wenn die meisten einzelne Punkte kritisieren. George Bullock von The Era meinte dazu, Kritikpunkte müssten nicht genannt werden, weil der Film schlecht sei, sondern weil er es im Gegenteil wert sei, kritisiert zu werden. Zudem meint er, die Kritikpunkte beträfen nur Details, die den wirklich guten Film nur leicht beschädigen.[12]

Die Geschichte sei beeindruckend einfach, und sie sei sehr direkt und authentisch erzählt.[13] Sie sei nicht sonderlich ungewöhnlich,[12] dafür aber spannend und genial.[14]

Thematisiert werden die Jugend und die fehlende Erfahrung von Roy Kellino, Pamela Kellino und James Mason. Sie seien eigentlich Amateure,[15] beziehungsweise sei der Film in jeder Hinsicht amateurhaft.[2] Die drei seien aber auch erstaunlich einfallsreich. Bosley Crowther von der New York Times wünschte sich solche experimentierfreudigen jungen Talente auch in den USA.[16]

Ein weiteres Thema sind die sichtbar sehr geringen Produktionskosten des Films.[15][14][16][13] Die Kritik des Exhibitor meint dazu, dass das Ergebnis trotzdem so herausragend sei, dass es viele amerikanische Produzenten erröten lassen sollte.[15] Der Film spiele ausschließlich unter freiem Himmel,[2][17][14][16][13] auch weil das Geld für ein Filmset fehlte.[13] Die einfache, friedliche und ruhige Landschaft werde von Roy Kellino gut eingefangen, was einen Kontrast zu der dramatischen Handlung liefere.[15][16] Dies steigere auf magische Weise den Effekt der Handlung.[13] Zudem werde dadurch auch ein bemerkenswerter Effekt der Authentizität erzielt, als wären die Kameras zufällig gerade da gewesen, wo sich die unglückliche Geschichte ereignete.[16]

Die Sparsamkeit der Dialoge ist ein weiteres Thema. Sie würden in dem Film fast überflüssig.[18] So sage William Devlins Figur Jay im ganzen Film gar nichts;[2] die Mehrheit der Besetzung und ein Großteil der kleineren Charaktere haben keinen Text. Ihr Mienenspiel sei effektiv, und die Szenen reichen aus, die Geschichte ohne Worte zu tragen.[17]

Manche Kritiken zeigen sich beeindruckt von der Idee mit der Fuchsjagd, die mit der Jagd nach Mark Warrow verschwimmt, besonders in der Szene in der sich Warrow und der Fuchs an derselben Stelle verstecken.[18][16] Auch Basil Wright gefiel die Idee in seiner Kritik für The Spectator gut, er meinte aber, sie werde nicht genügend ausgereizt.[14]

Die schauspielerischen Leistungen werden fast durchgehend gelobt, auch wenn kein Geld für teure oder auch weniger teure Darsteller vorhanden war.[13] Die wenigen Figuren würden alle mit der gleichen einfachen Direktheit dargestellt, die auch die Geschichte charakterisiert.[18] James Mason sei erstklassig, ebenso Pamela Kellino,[2] deren Darstellung und Erscheinung erfrischend natürlich sei.[12] Die beiden erzeugen ein tiefes und wunderbares Gefühl für die Geschichte. So profitiere der Film davon, dass seine Autoren auch die Hauptrollen spielen.[13] Silvia Coleridge sei angemessen abscheulich.[2] Es gebe aber ab und zu Amateurhaftigkeit bei der Darstellung, was zumindest teilweise der Regie anzulasten sei.[14]

Die Kritik im Exhibitor, die sich vor allem an Kinobesitzer richtet, bedauert, dass keine bekannten Namen an dem Film beteiligt seien, doch ließe sich trotzdem Einiges damit erreichen.[15] Variety fand die Musik etwas aufdringlich.[17] Basil Wright kritisierte, dass Roy Kellino, der Regisseur und Kameramann des Films war, zu sehr auf die Kamera gesetzt habe, worunter der dramatische Wert leide. Er fragt sich, ob es Kellino klar war, dass es eine Sache ist, etwas Gutes im Drehbuch zu haben, es aber eine andere ist, das auch im Film sichtbar zu machen. Außerdem sei der Film nach dem Mord zu langsam.[14] George Bullock meint dagegen, dass der Film am Anfang etwas zu langsam sei. Er schreibt aber auch, dass die melodramatische Geschichte lebendiger werde, eben weil die Kamera länger auf der Landschaft bleibe und der Film manchmal trödele.[12]

Alles in allem solle man diesen Film nicht verpassen, besonders dann nicht, wenn man ein Fan von James Mason sei.[2] Es sei eine erfrischende Abwechslung und unbedingt ein Film, den man sich ansehen sollte.[14] Trotz aller Kritikpunkte zieht George Bullock seinen metaphorischen Hut, der Film sei erstklassige Unterhaltung.[12]

In einem Artikel über Filmmusik und deren Entwicklung nannte Henry Marshall I Met a Murderer als das interessanteste Experiment bezüglich der Verwendung von Musik zur Übertragung von Inhalten. Damit würden Dialoge, die in dem Film auf ein Minimum reduziert worden seien, mehr zum Luxus. Die Musik spiele so genau die Rolle, die sie in Stummfilmen gehabt habe. Obwohl er den Film außergewöhnlich schön fand, merkte er an, dass er kein uneingeschränkter künstlerischer Erfolg sei. Dies liege erstens daran, dass die verwendete Musik nicht erstklassig sei, und zweitens, dass Kellino diesen Ansatz zu weit in Richtung Musik getrieben habe.[19]

Ergebnis

Obwohl der Film nur 16.000 Dollar kostete, war I Met a Murderer trotz großem Kritikerlob kein finanzieller Erfolg,[20] der Film machte Verlust. Zumindest Pamela Kellino und James Mason meinten aber, es sei eine lohnende Investition gewesen.[21]

Einzelnachweise

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