Ibn Dschubair
arabischer Geograf und Reiseschriftsteller (1145-1217)
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Ibn Dschubair (auch transliteriert Ibn Ǧubayr oder Ibn Jubayr, mit vollem Namen أبو الحسن محمد بن أحمد بن جبير الكناني / Abū l-Ḥasan Muḥammad b. Aḥmad b. Ǧubair al-Kinānī; geboren 1145 in Valencia oder 1146 in Jativa[1] im heutigen Spanien; gestorben 1217 in Alexandria, Ägypten) war ein arabischer Universalgelehrter, Geograph und Reiseschriftsteller.
Nach älterer Sichtweise übernahm er als Postbeamter des almohadischen Gouverneurs von Granada drei ausgedehnte Reisen:
- 1183 eine Pilgerreise nach Mekka über Sardinien, Sizilien, Kreta, Ägypten, Irak und Syrien
- 1189–1191 über Syrien und Irak nach Persien
- 1217 nach Ägypten
Ibn Dschubair gilt als Begründer der als Rihla bekannten Erlebnisberichte in anschaulicher Tagebuchform, seine Werke wurden Vorbild für Berichte späterer Pilger.
Besonders interessierte sich die Forschung für Ibn Dschubairs Berichte über das Zusammenleben von lateinisch-christlichen „Franken“ und Muslimen in den Kreuzfahrerstaaten. Er stellt die christlichen Kreuzfahrer als gerechte Grundherren dar, die den muslimischen Bauern nur Steuern auferlegten und ihnen sonst viele Freiheiten ließen.[2] Oft wird dieser Bericht, sowie andere ähnliche Quellen, als Beleg für ein friedliches und tolerantes Miteinander von Kreuzfahrern und Einheimischen und in den Kreuzfahrerstaaten angesehen.
Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er den Christen zutiefst ablehnend gegenüberstand – er bezeichnet sie u. a. als „Schweine[3]“ – und ein kulturelles Miteinander (das er als „Unglücksfall für die Muslime[4]“ bezeichnete) ausdrücklich ablehnte: Dazu z. B., dass König Wilhelm II. von Sizilien gelegentlich versuchte, muslimische Gelehrte für den Hof in Palermo zu gewinnen, bemerkte er: „Möge Gott die Muslime vor dieser Verführung bewahren![5]“.
Die jüngere Forschung lehnt eine nur selektive Rezeption des Textes nur in den Passagen zur christlich-muslimische Interaktion ab. Zudem wird der Charakter der Rihla als weit mehr als nur ein Reisebericht aufgefasst. Vielmehr sei es eine politische Programmschrift.[6]
Literatur
- Edition
- The Travels of Ibn Jubayr (= E. J. W. Gibb Memorial Series. Bd. 5). Ed. William Wright. 2nd edn, revised by M. J. de Goeje, Leiden und London 1907 (Digitalisat).
- Übersetzungen
- The Travels of Ibn Jubayr: being the chronicle of a Spanish moor concerning his journey to the Egypt of Saladin, the holy cities of Arabia, Baghdad the city of the Caliphs, the Latin kingdom of Jerusalem, and the Norman kingdom of Sicily. Übersetzt von Ronald J. C. Broadhurst. Cape, London 1952.
- Maurice Gaudefroy-Demombynes: Ibn Jobair: Voyages. Traduits et annotés (= Documents relatifs à l’histoire des croisades. Bd. 4–7). Paris, Paul Geuthner 1949–1965.
- Regina Günther: Ibn Dschubair. Tagebuch eines Mekkapilgers (= Bibliothek arabischer Klassiker. Bd. 10). Stuttgart 1985.
- Forschung zum Werk
- Nadine El-Hussein: Ibn Ǧubayr und die Almohaden: Religion und Politik in der ›Riḥla‹ (= Islam – Thought, Culture, and Society. Band 18). DeGruyter, Berlin 2025, ISBN 978-3-11-162591-1.
Weblinks
- Literatur von und über Ibn Dschubair im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Bücher von und über Ibn Ǧubair im Katalog der SUB Göttingen