Ibn Zaidun
arabischer Dichter in Andalusien
From Wikipedia, the free encyclopedia
Leben
Ibn Zaidun entstammte einer Familie, die ihre Herkunft auf die Quraisch von Mekka zurückführte. Als Anhänger der Umayyaden musste er Córdoba unter der Herrschaft al-Qasims verlassen.[1] Anschließend dürfte er an den politischen Ereignissen beteiligt gewesen sein, die zur Übernahme der Herrschaft über Córdoba durch die Dschahwariden unter Abu l-Hazm Dschahwar ibn Dschahwar (1031–1043) führten, da ihn der andalusische Anthologe und Historiker al-Fath ibn Chaqan (1087–1134) in diesem Zusammenhang erwähnt. Als Dichter wurde er von dem neuen Herrscher gefördert und stieg zu dessen Wesir auf.
Schon als junger Rechtsstudent begann er eine Liebesbeziehung mit der reichen umayyadischen Prinzessin und Dichterin Wallada, mit der er teils satirische Gedichte austauschte und sich auch an öffentlichen Gedichtwettbewerben beteiligte.[1] Wallada betrieb einen literarischen Salon und war bekannt dafür, ihre abgewiesenen Verehrer mit Gedichten zu verspotten. Wohl aus privaten Motiven geriet Ibn Zaidun in einen Konflikt mit einem anderen Dichter-Wesir und Nebenbuhler, Ahmad Ibn ’Abdus, der ihn unter der falschen Anschuldigung, einen Putsch gegen Ibn Dschahwar zu planen, um die Umayyadendynastie wiederherzustellen, inhaftieren ließ. Seine Liebesgedichte an Wallada aus dem Gefängnis erlangten große Berühmtheit, auch wenn sich die Prinzessin letztlich für den Konkurrenten entschied. Auch die Versuche Ibn Zaiduns, den Herrscher durch Gedichte von seiner Unschuld zu überzeugen und eine Begnadigung zu erlangen, schlugen fehl.
Ibn Zaidun gelang die Flucht aus dem Gefängnis, und er kehrte erst nach Ibn Dschahwars Tod 1043 nach Córdoba zurück. Dessen Sohn al-Walid setzte ihn zunächst wieder in seine Ämter ein und betraute ihn mit diplomatischen Missionen in andere Taifa-Königreiche. Doch schon bald fiel er aufgrund neuer Intrigen seiner Feinde wieder in Ungnade und musste die Stadt erneut verlassen. Schließlich wurde er von dem Abbadiden al-Mu'tadid nach Sevilla gerufen und zum Wesir und Erzieher des dortigen Thronfolgers al-Muʿtamid ernannt, mit dem er sich stark beachtete Dichterwettkämpfe lieferte. Kurz nach dessen Thronbesteigung soll er 1070 mit seinen Verbindungen nach Córdoba die Unterwerfung seiner Heimatstadt durch die Abbadiden unterstützt haben. Anschließend zog er zurück nach Córdoba, konnte dort aber auch jetzt keine Ruhe finden, da er infolge einer Intrige seines sevillanischen Konkurrenten Muhammad ibn Ammar zur Rückkehr nach Sevilla gezwungen wurde, um einen angeblichen Aufstand zu unterdrücken. Im Zuge dieser Mission kam er im Jahr darauf ums Leben.
Zusammen mit dem sevillanischen Dichterfürsten al-Muʿtamid, dessen Vertrauten Ibn Ammar und dem Valencianer Ibn Chafadscha gilt Ibn Zaidun als bedeutendster Vertreter der Dichtung während der kulturellen Blütezeit Andalusiens in der politisch instabilen Periode der Taifa-Kleinkönige.[2]
Literatur
- Gérard Lecomte: Ibn Zaidūn. In: The Encyclopaedia of Islam. 2. Auflage. Band 3. Brill, Leiden 1971, ISBN 90-04-08118-6, S. 973 f.
- Brian A. Catlos: al-Andalus. Geschichte des islamischen Spanien. C. H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-74233-0, S. 225–227.
Weblinks
- Literatur von und über Ibn Zaidun im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek