Ida Strohmer

österreichische Verkäuferin, Widerstandskämpferin und Opfer des NS-Regimes From Wikipedia, the free encyclopedia

Ida Strohmer geborene Beck (* 5. Mai 1922 in Hegyeshalom; † 17. April 1945 im KZ Mauthausen) war eine österreichische Verkäuferin, Widerstandskämpferin und Opfer des NS-Regimes.

Leben

Ida Beck war die Tochter von Johann und Ida Beck. Anfang der 1920er-Jahre übersiedelte die Familie nach Wien und wohnte ab 1927 in Wien-Währing, wo sie als Verkäuferin und für kurze Zeit auch bei der Straßenbahn arbeitete. Im Februar 1939 heiratete sie den Elektromonteur Franz Strohmer, mit dem sie im Juni 1941 die gemeinsame Tochter Renate bekam.

Ihr Ehemann war bereits während der Zeit des Austrofaschismus und nach dem „Anschluss“ Österreichs zusammen mit seinem Bruder Johann („Hans“) zunächst in der sozialdemokratischen, dann in der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) aktiv. Franz Strohmer wurde im Mai 1942 verhaftet und am 7. Juli 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt.

Am 6. Oktober 1943 richtete Ida Strohmer ein Gnadengesuch an die Reichskanzlei:

„Ich bitte nicht nur in eigenem Namen, sondern auch im Namen meines Kindes, auf dessen ganzen künftigen Leben ein Makel haften würde, wenn sein Vater als Hochverräter hingerichtet würde. Ich wende mich daher vertrauensvoll an den Großmut unseres Führers mit der inständigen Bitte, meinem Manne Frontbewährung zu bewilligen.“[1]

Am 19. November 1943 wurde Franz Strohmer im Landgericht Wien hingerichtet. Ida Strohmer führte zusammen mit ihrem Schwager Hans und anderen Personen die auch als „Gruppe Strohmer“ bezeichnete kommunistische Widerstandszelle weiter, die Kriegsgefangene unterstützte, ihnen zur Flucht verhalf, falsche Papiere beschaffte und in größerem Umfang Industriespionage betrieb. Durch eine Funkverbindung nach London zum britischen Secret Service wurde die Gruppe durch einen Doppelagenten mit Decknamen „Franke“ verraten. Ida Strohmer wurde daraufhin am 16. März 1945 verhaftet, ins Arbeitserziehungslager Oberlanzendorf verbracht und brutal verhört. Mit dem Vorrücken der Roten Armee wurde das Lager geräumt und Strohmer zusammen mit etwa 13 weiteren Inhaftierten auf einen Todesmarsch in das KZ Mauthausen geschickt. Ihr Schwager Hans Strohmer wurde auf dem Todesmarsch erschossen.

Aus dem Gedächtnisprotokoll von Alfred Pollak, der den Todesmarsch nach Mauthausen mitmachen musste und als einziger aus der Gruppe Strohmer überlebte:

„...Ida Strohmer bekommt am Fuß eine Sepsis und hält sich doch krampfhaft aufrecht, sie ist trotz der furchtbaren Schicksale, die sie schon mitmachen musste, tapfer. Vor einem Jahr der Ehemann gehenkt, jetzt wieder der Schwager erschossen, sie weiß, dass sie ebenfalls den Tod vor sich hat. Aber sie spricht mit mir von Opernmusik und Burgtheater, als wenn wir keine anderen Sorgen hätten; sie gedenkt mit Tränen ihres verwaisten Kindes und murmelt des Nachts, im Regen auf der kalten Wiese bei einer Rast Arien aus Verdis Toska. Dann beginnt wieder ein Gespräch über die Widerstandsbewegung und auch da zeigt sich diese bewundernswerte Frau prachtvoll informiert und in allem überzeugt.“[2]

Ida Strohmer wurde am 17. April 1945 in der Gaskammer des KZ Mauthausen ermordet. Ihre Tochter Renate wuchs nach der Ermordung ihrer Eltern in Wien bei ihrer Großmutter Ida Beck auf.[3]

Gedenken

Ida Strohmer wurde in der Schachtgräberanlage der Gruppe 40 des Wiener Zentralfriedhofes in einer gemeinsamen Grabstätte mit ihrem Ehemann Franz Strohmer und Rudolf Masl bestattet.[1]

Ihr Name sowie die Namen von Franz und Hans Strohmer befinden sich auf einer von der KPÖ-Währing gestifteten Gedenktafel, die sich jetzt am Sitz der KPÖ in der Drechslergasse 42 in Wien befindet.

Im ehemaligen Hinrichtungsraum im Landesgericht Wien ist ihr Name in der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Justiz aufgeführt.

2024 wurde der Ida-Strohmer-Weg in Wien-Pötzleinsdorf nach ihr benannt.

Lukas Sainitzer, der Enkel von Franz und Ida Strohmer, hat die Familiengeschichte und die Geschichte der Gruppe Strohmer in seinem Buch Ich trauere nicht um die Jahre. aufbereitet.

Literatur

  • Lukas Sainitzer: Ich trauere nicht um die Jahre : Dokumentation. Berger-Verlag, Wien 2012, ISBN 978-3-85028-569-8.
  • Willi Weinert: "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer" : Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen; ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof und zu Opfergräbern auf Wiens Friedhöfen. 3. Auflage. Wiener Stern-Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-9502478-2-4.
  • Lisl Rizy (Hrsg.): "Mein Kopf wird euch auch nicht retten" : Korrespondenzen österreichischer Widerstandskämpfer und Widerstandskämpferinnen aus der Haft : in vier Bänden. Wiener Stern Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-9502478-4-8.

Einzelnachweise

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