Ikkimel

deutsche Rapperin From Wikipedia, the free encyclopedia

Ikkimel (* 18. Mai 1997 in Berlin-Tempelhof[1]; bürgerlich Melina Gaby Strauß) ist eine feministische deutsche Rapperin.

Ikkimel auf dem Southside Festival 2025

Leben

Melina Gaby Strauß besuchte das Beethoven-Gymnasium in Berlin-Lankwitz.[2] Nach dem Abitur absolvierte sie einen Kombinations-Bachelor in Deutscher Philologie und Sozial- und Kulturanthropologie mit dem Schwerpunkt Sprachwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Danach begann sie den Masterstudiengang Sprachwissenschaften und arbeitete ab 2018 im dortigen Labor für Gehirn- und Sprachforschung (Brain Language Laboratory).[3]

Ikkimel gab 2024 an, mit ihrem Rapperkollegen Ski Aggu liiert zu sein.[4] Im Juni 2025 gaben beide bekannt, sich getrennt zu haben.[5]

Rap-Karriere

Anfänge 2020/2021

Nach dem Tod ihres Vaters startete sie ihre Rap-Karriere unter dem Künstlernamen Ikkimel [ˈikimɛl].[6] Das Pseudonym setzt sich zusammen aus „Ikki“ (aus berlinerisch icke = ich) und „Mel“ (von Melina).[6]

„Ich hab immer gern Rap gehört und Party gemacht, gerne gefreestyled mit Freunden etc. Anfang Corona ist mein Vater gestorben an Blutkrebs. Das war nach Jahren der Pflege dann der Punkt wo ich dachte, man lebt nur einmal. Ich scheiß jetzt auf alles und mach einfach was, was mir Spaß macht.“

Ikkimel[7]

2021 erhielt sie eine Förderung der Initiative Musik.[8]

Erste Veröffentlichungen ab 2022

Sie veröffentlichte ihre ersten Singles 2022 und ließ am 5. Mai 2023 ihre erste EP Aszendent Bitch folgen.[9] 2023 wurde sie von Four Music (Sony Music) unter Vertrag genommen,[10] woraufhin sie mit der Single Keta und Krawall debütierte und Platz 89 der deutschen Charts erreichte.[11]

Der Track Bezahlen von der 2024 erschienenen EP Hat sie nicht gesagt wurde im gleichen Jahr von der Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative (Die PARTEI) in einem Radio-Wahlwerbespot anlässlich der Europawahl 2024 verwendet.[12]

Am 14. Februar 2025 erschien ihr Debütalbum Fotze. Von der Kritik wurde das Album überwiegend lobend besprochen.[13][14][15]

Am 15. Mai 2026 veröffentlichte Ikkimel ihr zweites Album mit dem Namen Poppstar, welches in Deutschland und Österreich den ersten Platz der Chartplatzierungen erreichte. Wie bereits im ersten Album behandeln die Titel Themen wie weibliche Selbstbestimmung, Kritik am Patriarchat sowie Sexualität als stetig wiederkehrendes Thema.[16][17][18]

Einordnung und Kritik

Als musikalische Einflüsse nennt Ikkimel unter anderen Blümchen, Peter Fox und Frauenarzt.[19] Einer Kommentatorin der ZEIT gemäß „hält sich Ikkimel an klassische Rap-Topoi: Sex, Geld, Drogen“. Zudem gilt ihr Ikkimel als „Partyrap, wie früher von Frauenarzt oder Deichkind.“[20]

Medien sowie Ikkimel selbst bezeichnen ihre Musik als sogenannten Fotzenrap[18], ein Musikgenre, zu dem unter anderem auch Shirin David oder Zsá Zsá gezählt werden[17][21] sowie als Vorläufer der 2010er Jahre bspw. Lady Bitch Ray oder SXTN.[20] Die Texte dieses Genres sind stark sexualisiert und provokant und gelten als feministisch. Ikkimel verortete ihre eigene politische Haltung selbst als „auf jeden Fall feministisch“.[10] Im Fotzenrap wird sexistische Sprache durch eine radikal weibliche Perspektive gegen sich selbst gewendet. Befürworter sehen in Ikkimels Schaffen eine humoristische Reaktion auf die schlechte gesellschaftliche Stellung vieler Frauen sowie auf anzügliche Texte von Männern.[16][22] Eine Kommentatorin der taz erklärt: „Ikkimel ist mehr als reine Provokation. Die studierte Sozial- und Kulturanthropologin steht für antikonservative Rollenbilder, für Provokation als politisches Mittel. Indem sie traditionelle Männlichkeitsbilder ironisch hinterfragt, schamlos über Sex rappt und sexistische Sprache aus einer radikal weiblichen Perspektive heraus umdeutet, verkörpert sie für viele junge Frauen eine neue Form weiblicher Selbstbestimmung.“[23] Eine Kommentatorin der ZEIT erkennt an: „Das subversive Potenzial gegenüber einer frauenverachtenden Kultur entfaltet sich dort, wo sie übersteigert, parodiert und entfremdet wird.“[20] SXTN-Sängerin Juju kritisierte Ikkimel und andere Künstlerinnen dafür, ihre stilistische Vorarbeit zu nutzen, ohne diese entsprechend zu würdigen. Heidi Süß merkte außerdem an, dass v. a. hellhäutige und freizügige Sängerinnen wie Ikkimel Erfolgsaussichten haben. Die Rapperin Ebow warf ihr vor, häufig das Schaffen anderer zu kopieren; zudem bezeichnete sie Ikkimels Management als „white dudes“ (dt.: „weiße Typen“).[24]

Manche Kommentatoren hinterfragen, ob sie im Zuge dessen nicht doch den männlichen Blick weiblicher Sexualität reproduziere,[25][26][27] und werfen ihr vor, sich selbst und alle Männer zu sexualisieren.[16] Darüber hinaus wird Ikkimel dafür kritisiert, selbst ein „Produkt“ des Patriarchats zu sein, da ihr Management größtenteils aus Männern besteht. Ihr Schaffen sei kein „gelebter Feminismus“.[28] Ebenso wird ihr vorgeworfen, schlecht damit umgehen zu können, wenn sie selbst mit ihrer Kunstfigur konfrontiert wird.[22]

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 trat sie im ZDF-Morgenmagazin auf, was aufgrund der Unterschiedlichkeit der Kulturbegriffe beider Programminhalte zu starken Irritationen bei dem im Studio anwesenden Publikum, darunter eine Schulklasse, sowie unter Fernsehzuschauern führte.[29][30] Sie bot dort in knapper Bekleidung ihr Lied Fußballmänner mit sexualisierten und gesellschaftskritischen Andeutungen dar.[31] Das vom ZDF-Morgenmagazin bewusst herbeigeführte Zusammenstoßen verschiedener Vorstellungen von Kultur, das bereits in der Anmoderation ihres Auftritts thematisiert wurde, sorgte deutschlandweit für tagelange kontroverse Debatten in den Medien.[32]

Politische Aktivitäten

Ikkimel äußerte sich im Verlauf ihrer Karriere zunehmend politisch und bezeichnete es als Verantwortung von Personen des öffentlichen Lebens, für demokratische und feministische Werte einzustehen.[33]

Ikkimel gilt „als prominentes Gesicht der Linkspartei“.[23] Am 1. Mai 2026 trat sie beim Mariannenplatzfest des Bezirkverbands Friedrichshain-Kreuzberg der Partei Die Linke auf. Der Auftritt wurde in Medienberichten im Zusammenhang mit der Frage diskutiert, wie politische Parteien über Popkultur jüngere Zielgruppen erreichen können.[33][34] Zugleich wurde er aus Teilen der linken Szene kritisiert, da das Konzert nach Ansicht der Kritiker den politischen Charakter des 1. Mai überlagert und zu einer Entpolitisierung der Veranstaltungen beigetragen habe. Außerdem sei dadurch eine Demonstration gestört worden.[34][35][36]

Diskografie

Weitere Informationen Jahr, Titel Musiklabel ...
Jahr Titel
Musiklabel
Höchstplatzierung, Gesamtwochen, AuszeichnungChartplatzierungenChartplatzierungenTemplate:Charttabelle/Wartung/ohne Quellen
(Jahr, Titel, Musiklabel, Plat­zie­rungen, Wo­chen, Aus­zeich­nungen, Anmer­kungen)
Anmer­kungen
 DE  AT  CH
2025 Fotze
Four Music (Sony)
DE8
(13 Wo.)DE
AT14
(11 Wo.)AT
CH29
(1 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 13. Februar 2025
2026 Poppstar
Four Music (Sony)
DE1
( Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2026DE
AT1
( Wo.)Template:Charttabelle/Wartung/vorläufig/2026AT
CH2
(6 Wo.)CH
Erstveröffentlichung: 15. Mai 2026
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Auszeichnungen

1 Live Krone

  • 2025: in der Kategorie „Bester Newcomer Act“
  • 2025: in der Kategorie „Bester Partysong“ (Jiggy)

Bravo Otto

  • 2025: in der Kategorie „Soziales Engagement“ (Gold)[37]
  • 2025: in der Kategorie „Musik national“ (Silber)[37]
Commons: Ikkimel – Sammlung von Bildern
  • Timo Posselt: „Schnauze halten, Leine an!“ Die Berliner Rapperin Ikkimel erreicht mit ihren versauten Songs Millionen – und bringt das halbe Internet gegen sich auf. Was passierte beim Konzert in Hamburg? In: Die Zeit. 1. April 2025; (aus: Die Zeit. Nr. 14/2025).

Einzelnachweise

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