Ildefons Betschart

Schweizer Benediktiner-Pater, Philosoph, Psychologe, Paracelsusforscher und Hochschullehrer From Wikipedia, the free encyclopedia

Ildefons Betschart OSB (* 25. November 1903 in Schwyz; † 6. Mai 1959 in Salzburg; heimatberechtigt in Illgau) war ein Schweizer Benediktiner-Pater, Philosoph, Psychologe, Paracelsusforscher und Hochschullehrer.

Leben

Frühe Jahre und Herkunft

Engelbert Betschart (Taufname) war der älteste Sohn und stammte aus der Familie Betschart[1], die aus dem Schwyzer Oberland stammt und deren Mitglieder seit Generationen prominent in kirchlichen und staatlichen Ämtern tätig waren. Sein Vater Engelbert Betschart (* 2. März 1878; † 4. Januar 1962)[2], der nach Schwyz gezogen war, betrieb ein kleines Heimet und war im Zeughaus beschäftigt. Seine Mutter war Maria (geb. Styger; * 13. Oktober 1884; † 22. August 1945); er hatte noch vier Geschwister. Die Familie war im Schwyzer Quartier Dorfbach heimisch, wo Betschart seine Jugend verbrachte.

Er erhielt seinen ersten Religionsunterricht bei Pfarrer Martin Marty (1850–1916)[3], dem späteren Domherrn von Chur. Marty, ein Bruder von Bischof Martin Marty OSB, gab ihm wohl auch den ersten Hinweis auf das Studium der Theologie.

Nach der Primarschule in Schwyz besuchte er das Kollegium Maria Hilf (siehe Kantonsschule Kollegium Schwyz) und schloss seine Ausbildung mit der Maturität ab; seine damaligen Lehrer waren unter anderem Josef Scheuber, Kanonikus Karl Kündig (1871–1969) und Ehrendomherr Paul Reichmuth (1891–1969). Während dieser Zeit betreute er das Amt eines Sigristen und Zeremoniars im Frauenkloster St. Peter am Bach[4].

Klosterleben und Priesterweihe

Nach einer einjährigen Kandidaturzeit legte Betschart am 13. September 1926 die einfachen Ordensgelübde des Benediktinerordens ab und erhielt den Ordensnamen Ildefons. Mit diesem Namen trugen bereits zwei Vorgänger aus der Betschart-Familie das Benediktinerhabit. Seine feierliche Profess folgte am 22. September 1929, die Priesterweihe erfolgte am 4. Mai 1930 und die Primiz am 10. Juni 1930.

Nach seiner Priesterweihe wurde Betschart durch Abt Ignatius Staub von Oktober 1930 bis 1932 zum Lehrer der dritten Klasse in der Klosterschule Einsiedeln ernannt und übernahm die Aufsicht der Jüngeren. Ab 1932 studierte er Philosophie an der Universität Freiburg unter Dozenten wie Anton Rohner, Marc de Munnynck (1871–1945)[5] und Gallus Maria Manser (1866–1950)[6]. Seine Dissertation zum Thema Das Wesen der Strafe brachte ihm 1938 den Doktortitel ein.

Wissenschaftliche Tätigkeit in Einsiedeln

Ab 1936 lehrte Betschart Philosophie am Lyzeum (siehe Stiftsschule Einsiedeln). Vorher und parallel dazu verfasste er bereits historische Arbeiten, darunter 1934 eine Biografie des Missionars und Bischofs Martinus Marty.

Von 1934 bis 1945 war Betschart Redakteur der Zeitschrift St. Meinrads Raben, in der er mehrere geschichtlich fundierte Artikel veröffentlichte. 1945 erschien seine Monografie Schweizer Klöster in der Reihe Schweizer Heimatbücher, die die Entstehung, Bedeutung und Aufgaben von Klöstern systematisch darstellte.

Er verfasste 1946 für den Jahresbericht der Stiftsschule seine dritte wissenschaftliche Beilage mit dem Titel Das psychologische Experiment im Dienste der Erkenntnis und Behandlung des Menschen.

Ein Schwerpunkt seiner wissenschaftlichen Bestrebungen galt der Aufarbeitung des Lebens von Raymund Netzhammer, dem ehemaligen Erzbischof von Bukarest; dieser war auch Nestor der schweizerischen Paracelsusforscher. Aufgrund einer engen persönlichen Freundschaft und der gemeinsamen Zugehörigkeit zum Benediktinerorden trug er über Jahre hinweg umfangreiches Quellenmaterial für eine grossangelegte Biografie zusammen. Trotz dieser intensiven Vorarbeiten blieb das Werk unvollendet. Hauptgrund hierfür war der fehlende Zugang zu den rumänischen Staatsarchiven, deren Konsultation unter den damaligen politischen Rahmenbedingungen unmöglich war. Da somit wesentliche Primärquellen für eine wissenschaftlich fundierte Darstellung von Netzhammers Amtszeit in Bukarest unzugänglich blieben, konnte die geplante Lebensbeschreibung nicht zum Abschluss gebracht werden.

1937 fiel zudem die Neuherausgabe des Gebetbuchs Das Grosse Gebet der Eidgenossen, für das er eine fundierte historische Einleitung verfasste.

Pastorale und Erziehungsaufgaben

1947 wurde Betschart vom Lyceum des Stifts Einsiedeln an die Universität Salzburg berufen; sein Nachfolger an der Stiftsschule wurde Ludwig Räber.[7]

Von 1938 bis 1947 betreute Betschart die 1852 gegründete Bruderschaft Marianische Sodalität an der Klosterschule und verfasste regelmässig Festgrüsse für die Studenten. Daneben war er gefragter Prediger in der Stiftskirche und in verschiedenen Pfarrgemeinden. Besondere Aufmerksamkeit erregte 1947 seine satirische Gumelipredigt (Herdöpfelpredigt)[8][9], ein Gegenstück zu Josef Ignaz von Ah's Käsepredigt[10], für den Schwyzerverein Zürich.

Er wirkte als Seelsorger an der Akademie Kollegium Heilig Kreuz der Menzinger Schwestern in Freiburg sowie am Gymnasium und Lyzeum in Einsiedeln. Später leitete er im Benediktinerkollegium St. Benedikt in Salzburg die Ausbildung des Ordensnachwuchses für österreichische und bayerische Benediktiner- und Zisterzienserklöster.

Er übernahm auch die Leitung der Laienbrüder und war Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Erziehung und Unterricht des Schweizer Katholischen Volksvereins sowie 1942 Leiter der Katholischen Mittelschulkonferenz.[11][12]

Paracelsus-Forschung

Mit dem Basler Reformator und Arzt Paracelsus beschäftigte sich Betschart intensiv ab den 1940er Jahren. 1941 publizierte er die Biografie Theophrastus Paracelsus – Der Mensch an der Zeitenwende, die schnell eine zweite Auflage erlebte. Im selben Jahr organisierte er zusammen mit Linus Birchler und anderen Freunden einen schweizerischen Paracelsuskongress in der Waldstatt. Bei diesem Kongress leitete er die Sitzungen der philosophischen Abteilung und zelebrierte zum Abschluss ein Requiem für Paracelsus.

1942 übernahm Betschart unter der Präsidentschaft von Linus Birchler das Sekretariat der neu gegründeten Schweizerischen Paracelsus-Gesellschaft.[13][14][15] In den Nova Acta Paracelsica[16], die er auch herausgab[17], veröffentlichte er eine umfangreiche Paracelsus-Bibliografie sowie mehrere Artikel zu philosophischen Aspekten des Werks, unter anderem 1941 mit Paracelsus in Schweizerische Monatshefte. Seine Aufsätze erschienen in weiteren Periodika wie Atlantis und 1958 in Technische Rundschau. Für die Reihe Schweizer Heimatbücher verfasste er eine kurz gefasste und präzise Biografie Paracelsius'.

1944 machte er einen bedeutsamen Fund bekannt: eine Ausgabe des Theophrastus von Eresos mit handschriftlichen Randbemerkungen von Paracelsus in der Einsiedler Stiftsbibliothek.

Durch seine Paracelsus-Forschung knüpfte Betschart wissenschaftliche Beziehungen zu führenden Gelehrten an, darunter C. G. Jung, Paul Jaccard, Donald Brinkmann und andere Wissenschaftler.

Am 26. Januar 1956 verlieh ihm der Salzburger Gemeinderat den Paracelsus-Ring der Stadt Salzburg als Würdigung seiner hervorragenden Leistungen.[18]

Er machte 1957 ein bislang unbekanntes Paracelsus-Porträt über die Nova Acta Paracelsica bekannt und sicherte das Gemälde für die Kunstsammlung seines Klosters.

Während seiner Zeit in Salzburg gehörte Betschart zu den wesentlichen Förderern der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft (IPG), in deren Vorstand er als Vertreter der Schweizer Paracelsisten wirkte.

Massgeblich war er auch am Kärntner Paracelsus-Kreis beteiligt und an der Organisation der Kärntner Paracelsus-Feiern 1955.

Tätigkeit in Salzburg

1947 wurde Betschart auf Initiative des Abtes von Einsiedeln als Nachfolger von Alois Mager an die Universität Salzburg berufen. Er lehrte Metaphysik, Geschichte der neuzeitlichen Philosophie und Psychologie und wurde Direktor des von ihm gegründeten Psychologischen Instituts, das bald für seine Forschungsarbeiten bekannt wurde. 1949 wurde ihm der Titel eines ordentlichen österreichischen Universitätsprofessors verliehen.[19]

Während seines Aufenthaltes in Salzburg war er auch von 1949 bis zu seinem Tod Rektor des Kollegs St. Benedikt.

In Salzburg war Betschart ein häufiger Referent bei den Salzburger Hochschulwochen und trug zu deren Ausgestaltung bei. Seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen befassten sich verstärkt mit Psychologie und ihrer Anwendung in Seelsorge, Liturgie und Erziehung. Er führte im Auftrag von Erzbischof Andreas Rohracher kanonische Visitationen in Frauenklöstern der Salzburger Erzdiözese durch und fungierte als Exerzitienmeister in mehreren Ländern.

Ein besonderes Anliegen war ihm die Rekonstruktion der 1944 durch Bomben zerstörten Loretokirche in Salzburg, die er 1949 mit Unterstützung Schweizer Freunde wieder errichten konnte. Erzbischof Andreas Rohracher inthronisierte dort persönlich ein vom Fürstabt von Einsiedeln gestiftetes Gnadenbild.

Betschart interessierte sich für Barockunst und Kunstschaffende. Er galt als Mäzen junger moderner Künstler Salzburgs und widmete sich intensiv der Erforschung des Werks des Einsiedler-Holzschnitzers Meinrad Gugenbichler, über den er 1958 eine Festrede hielt.

Ein Nierenleiden und später eine Diabetes hatten seine Gesundheit lange Zeit beeinträchtigt. Im Februar 1959 musste er seine Vorlesungen an der Universität aufgeben.

Theologische und asketische Werke

Neben seiner akademischen und Forschungstätigkeit verfasste Betschart mehrere spirituelle Werke, darunter Das heilende Warten und Das heilende Bussen (beide Rex-Verlag). 1956 veröffentlichte das Rupertuswerk der Erzabtei St. Peter Vorsehung und Weltvertrauen, 1957 folgte Ein Weg zur Verinnerlichung als praktische Anleitung zur täglichen Betrachtung. Diese Werke zeichnen sich durch tiefe theologische Gedanken aus, die der zeitgenössischen Spiritualität zugänglich gemacht wurden.

Vermächtnis und Tod

Das Requiem wurde von dem Abt von Michaelbeuren, Maurus Riha, unter Assistenz von Weihbischof Johannes Filzer gefeiert. An der Trauerfeierlichkeit in der Stiftskirche St. Peter in Salzburg nahmen die Äbte mehrerer Benediktinerklöster, Mitglieder der Universität, das Domkapitel und zahlreiche Trauergäste teil. Betschart wurde auf dem Klosterfriedhof des Stiftes Nonnberg beigesetzt.

Betschart hinterliess ein umfangreiches Werk in Philosophie, Kirchengeschichte, Paracelsus-Forschung und Spiritualität.

Mitgliedschaften

Ildefons Betschart war Präsident der österreichischen und Vizepräsident der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft sowie Mitglied der Internationalen Jacob-Böhme-Gesellschaft in New York.

Schriften (Auswahl)

  • Bischof Martinus Marty - der Apostel der Siouxindianer, 1834–1896. Einsiedeln, 1934.
  • Das Grosse Gebet der Eidgenossen von den hl. Geheimnissen der Erschaffung und Erlösung. Einsiedeln, 1937.
  • Das Wesen der Strafe - Untersuchung über Sein und Wert der Strafe in phänomenologischer und aristotelisch-thomistischer Schau. 1938.
  • Ein Werk aere perennius: Zum 70. Geburtstag von P. Wilhelm Schmidt, S. V. D. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 26. März 1938. S. 2–3 (Digitalisat).
  • Schweizerdeutsch in der Kirche. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 21. Juni 1941. S. 2–3 (Digitalisat).
  • Theophrastus Paracelsus – Der Mensch an der Zeitenwende. 1941.
  • Paracelsus. In: Schweizer Monatshefte, Band 21, Heft 7. 1941. S. 347–358 (Digitalisat).
  • Uneheliche Mutterschaft. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 28. März 1942. S. 2–3 (Digitalisat).
  • Zu den Fresken in der Guthirt-Kirche in Zürich. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 11. Juli 1942. S. 1 (Digitalisat).
  • Das psychologische Experiment im Dienste der Erkenntnis und Behandlung des Menschen. 1946.
  • Dom Germain Morin O.S.B. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 1. März 1946. S. 2 (Digitalisat).
  • Salzburg und Einsiedeln - das Kräftespiel zweier Kulturzentren. Beigabe zum 112. Jahresbericht der Stiftsschule, 1951.
  • Das heilende Warten. Luzern, 1951.
  • Der Begriff der Imagination bei Paracelsus. In: Nova Acta Paracelsica, Band 6. 1952.
  • Theophrastus Paracelsus: der Magus von Etzel. Bern, 1953.
  • Eintrag über die Armenspende des toten Paracelsus. In: Nova Acta Paracelsica, Band 7. 1954.
  • Das heilende Büssen. Luzern, 1956.
  • Vorsehung und Weltvertrauen. Salzburg, 1956.
  • So spricht Paracelsus. Salzburg, 1956.
  • Ein Weg zur Verinnerlichung - Anleitung zu einer täglichen Fünfminuten-Betrachtung. Salzburg, 1957.
  • Die Psychologie des Gewissens und die christliche Schule. In: Mitteilungsblatt des katholischen Lehrervereins Salzburg, 1957.
  • Psychologische Ausdrucksweise der kultischen Haltungen und Gebärden. In: Heiliger Dienst, 1957/1958.

Literatur

  • Wernerkarl Kälin: Prof. Dr. P. Ildefons Betschart, Einsiedeln-Salzburg. In: Neue Zürcher Nachrichten vom 19. Juni 1959. S. 3–4 (Digitalisat).
  • Ildefons Betschart. In: Protokolle des Ministerrates der Zweiten Republik der Republik Österreich: Kabinett Leopold Figl I (20. Dezember 1945 bis 8. November 1949), Band 15 (1. März 1949 bis 26. April 1949). Wien, 2024. S. 358 (Digitalisat).

Einzelnachweise

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