Ilona Walger
deutsche Schriftstellerin
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Ilona Walger (* 8. Oktober 1939 in Marxstadt, ASSR der Wolgadeutschen, Sowjetunion) ist eine deutsche Schriftstellerin und Naturwissenschaftlerin russlanddeutscher Herkunft. Ihr Werk befasst sich intensiv mit der Geschichte der Wolgadeutschen, den Erfahrungen von Deportation und Verbannung sowie der Integration als Spätaussiedler in Deutschland.
Leben und Wirken
Ilona Walger wurde 1939 in Marxstadt an der Wolga geboren. Sie stammt von hessischen Auswanderern ab, die im 18. Jahrhundert dem Ruf Katharina II. folgten. Ihre frühe Kindheit war durch die stalinistischen Repressionen geprägt: „Die Eltern von Ilona Walger wurden aus dem Dorfe Zürich an der Wolga nach Westsibirien in den Altai in die Nähe der Stadt Barnaul verbannt. Der Vater wurde in die Trudarmija, d.h. in die Arbeitsarmee, in ein Arbeitslager verbracht, so dass die Mutter allein mit drei Kindern zurückblieb.“[1] Trotz der schwierigen Umstände nach der Deportation und der Zeit unter strenger sowjetischer Kommandantur schloss sie 1957 das Abitur ab. Aufgrund ihrer deutschen Nationalität blieb ihr der Zugang zum Studium zunächst verwehrt. Erst 1962 konnte sie in Taschkent ein Chemiestudium beginnen. 1976 folgte ein Biologiestudium in Minsk, welches sie mit der Promotion abschloss.[2] Im Jahr 1990 siedelte Walger in die Bundesrepublik Deutschland über und ließ sich in Bielefeld nieder. Dort war sie bis 1999 als Leiterin eines Forschungslabors der Degussa tätig.
Walger ist eine vielseitige Autorin. Dabei geht es ihr besonders darum, die Geschichte und die Identität der Russlanddeutschen zu verarbeiten. In ihrem 1996 veröffentlichten Buch Ein Lächeln für Sibirien findet man ihre Kindheitserinnerungen an die Zeit in der Verbannung – „Zauber der ersten Erkundungen eines Kindes seiner Umwelt [...] auf dem dramatischen Hintergrund seines Schicksals der Zugehörigkeit zu einem von Stalin bestraften ‚Sowjetvolk‘“.[1] Walger ist Mitglied im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller.
Werke (Auswahl)
- Ein Lächeln für Sibirien. Kindheitserinnerungen einer Russlanddeutschen. West-Ost-Verlag, Berlin 1996 (Neuauflage 2012), ISBN 978-3-928551-22-9.
- Die Apfelbäume blühen laut. Geschichten und Lyrik. First-Minute-Taschenbuchverlag, Emsdetten 1998, ISBN 3-932805-04-6.
- Kartoffeln – heiß geliebt. Allerhand interessante Geschichten und Kochrezepte. West-Ost-Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-928551-31-0.
- Amelie. Geschichten einer Kindheit. (Jugendbuch), 2003.
- Das Rad des Jahres. Wachsen Blühen Fruchten Schweigen. 2008.