Ilse Weitsch
deutsche Erwachsenenbildnerin und Rundfunkredakteurin
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Ilse Weitsch (geboren Ilse Thieß, 22. Januar 1904 in Gelsenkirchen; gestorben 12. August 1958 in München) war eine deutsche Frauenrechtlerin und Rundfunkredakteurin.
Leben
Ilse Thieß wurde am 22. Januar 1904 in Gelsenkirchen geboren. Sie nachm 1921 in Dreißigacker in Thüringen am ersten Frauenkurs teil. Der Kurs dauerte vier Monate, danach ging sie nach Jena, um an der Universitätsklinik die große Schwesternausbildung zu absolvieren. Sie bestand das Examen und danach besuchte sie die Soziale Frauenschule von Alice Salomon. Thieß arbeitete als Fürsorgerin und war zuletzt für mehrere Jahre als leitende Fürsorgerin an der Berliner Schwangerenfürsorge.[1]
In Jena legte sie die Immaturenprüfung ab und studierte fünf Semester Pädagogik, Soziologie und Philosophie in Jena und Frankfurt am Main bei Karl Mannheim. Ihr Studium brach sie 1931 ab, um zu heiraten. Ihr Mann war der Pädagoge Eduard Weitsch. Schon vor der Hochzeit hatte Ilse Thieß als Assistentin und Lehrende von Eduard Weitsch in Dreißigacker gearbeitet und dort Frauenlehrgänge geleitet. Ilse Weitsch war auch außerhalb der Heimvolkshochschule Dreißigacker an der Abendvolkshochschule Jena tätig. Eduard Weitsch wurde im August 1933 wegen „nationaler Unzuverlässigkeit“ auf Basis des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums ohne Pensionsanspruch entlassen. Die Heimvolkshochschule Dreißigacker wurde am 30. März 1933 bereits von den Nationalsozialisten besetzt und so machte sich die Familie Weitsch auf die innerdeutsche Flucht. Sie erreichten 1934 das bayerische Deisenhofen. Einkommen für die Familie konnte bis 1945 durch Schriftstellerei und das Entwerfen von Werbetexten für Unternehmen erzielt werden.[1]
Als 1945 im Radio München, angeregt durch einen Aufruf der amerikanischen Besatzungsmacht, der Aufruf gesendet wurde, „man solle doch Schränke und Truhen öffnen und den Leuten, die nichts mehr hätten, von seinen Reichtümern abgeben“, ging Ilse Weitsch im Sommer 1945 nach München in das Funkhaus, um den verantwortlichen Rundfunkoffizieren ihre Kritik am Rundfunkprogramm 2 mitzuteilen. Von ihrem Auftritt und ihren Vorschlägen waren die Führungskräfte sehr beeindruckt und das Gespräch führte zu dem Angebot einer Arbeit als Redakteurin, um so am Programm mitzuwirken. Mit ihrer Biografie passte sie gut in das politische Konzept der amerikanischen Besatzer, die im Bereich des Rundfunks außerordentlich streng auf die Entnazifizierungsvorschriften gegenüber den deutschen Anstellungskandidaten achteten. Weitsch, die Mutter von vier Kindern war und sich um ihre Eltern sowie Haus und Garten kümmern musste, nahm das Angebot an.[1][2]
Ilse Weitsch baute nun den Frauenfunk auf. Dabei hatte sie einen klugen Blick für die Bedürfnisse von Frauen, die als Hausfrauen tätig waren, aber auch für die der berufstätigen Frauen. In den Sendungen wurden nicht nur praktische Tipps gegeben, sondern sie achtete darauf, dass in den Beiträgen auch politische Sachverhalte aufgriffen wurden und bei strittigen Themen Stellung bezogen wurde.[2]
Ilse Weitsch war politisch aktiv, initiierte verschiedene Arbeitsausschüsse mit und arbeitete in diesen politisch mit.[1]
1955 verstarb Eduard Weitsch, Ilse Weitsch starb am 17. August 1958 nach einer Gallenoperation. Die Urnen des Paares wurden in Dreißigacker beigesetzt.[1]
Ehrungen
Für ihr soziales Engagement wurde sie am 25. Mai 1957 mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.[1]
Die Ilse-Weitsch-Straße in Oberhaching wurde ihr zu Ehren benannt.[3]
Ilse Weitsch wurde in München mit einem FrauenOrt geehrt.