Im Zeichen des Bösen

US-amerikanischer Film von Orson Welles (1958) From Wikipedia, the free encyclopedia

Im Zeichen des Bösen (Originaltitel: Touch of Evil) ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahr 1958. Er wird dem Genre des Film noir zugeordnet. Regie führte Orson Welles, der nach dem Kriminalroman Unfehlbarkeit kann tödlich sein (Badge of Evil) von Whit Masterson (ein Pseudonym der Autoren Robert Wade und Bill Miller) auch das Drehbuch verfasste. Die Originalfassung wurde vom Studio so sehr gekürzt, dass Welles ein 58-seitiges Memorandum schrieb und darin um Änderungen bat, die vom Studio aber abgelehnt wurden. Auf Initiative von Rick Schmidlin schnitt Filmeditor Walter Murch auf Basis des Memorandums 1998 eine Fassung des Films, die weitestgehend den Vorstellungen des Regisseurs entsprach. Es war zugleich der letzte Hollywood-Film von Welles, der frustriert von der Bevormundung durch kommerzielle Interessen danach nur noch in Europa produzierte.

TitelIm Zeichen des Bösen
OriginaltitelTouch of Evil
ProduktionslandVereinigte Staaten
OriginalspracheEnglisch
Schnelle Fakten Titel, Originaltitel ...
Film
Titel Im Zeichen des Bösen
Originaltitel Touch of Evil
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1958
Länge 106 Minuten
Altersfreigabe
Produktions­unternehmen Universal-International Pictures
Stab
Regie Orson Welles
Drehbuch Orson Welles
Produktion
Musik Henry Mancini
Kamera Russell Metty
Schnitt
Besetzung
Synchronisation
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In Westdeutschland kam der Film am 5. September 1958 in die Kinos.[2]

Handlung

Los Robles ist eine Kleinstadt an der mexikanisch-amerikanischen Grenze, in der mit Bordellen und Drogen Geld verdient wird. Kurz nach dem Passieren der kaum überwachten Grenze von Mexiko in die Vereinigten Staaten werden der wohlhabende Geschäftsmann Linnekar und seine junge Begleiterin in ihrem Auto von einer Bombe in die Luft gesprengt. Dies geschieht vor den Augen des angesehenen Drogenfahnders der mexikanischen Regierung, Miguel Vargas, und dessen frisch angetrauter amerikanischen Frau Susan. Am Explosionsort auf US-Seite begegnet Vargas dem alten Polizei-Captain Hank Quinlan, der für seine hohe Aufklärungsquote von Verbrechen bekannt ist.

Quinlan vertraut bei seinen Ermittlungen vor allem auf seine sogenannte „Intuition“ und schnell hat er seinen Täter gefunden: in Sanchez, dem mexikanischen Geliebten der Tochter des ermordeten Linnekars. Dieser habe die Beziehung seiner Tochter zu dem mittellosen Sanchez verhindern wollen, weshalb Sanchez ihn umgebracht habe. Zwar bestreitet dieser die Tat, doch die Polizisten finden in seiner Wohnung Dynamit. Zufällig weiß Vargas, dass das Dynamit dort nicht gelegen hatte. Er verdächtigt Captain Quinlan, den Beweis konstruiert zu haben, und teilt das auch dessen Vorgesetzten mit. Unterstützt wird Vargas dabei von Al Schwartz, dem Assistenten des Bezirksstaatsanwalts.

Der Bezirksstaatsanwalt Adair und Polizeichef Gould glauben jedoch weiter an Quinlans Unschuld, da dieser selbst einst seine Frau durch Mord verlor und sich in den Jahrzehnten Polizeidienst niemals hat bestechen lassen. Quinlan droht mit Rücktritt, woraufhin der Staatsanwalt und der Polizeichef ihm vorläufig den Rücken stärken. Er füchtet jedoch weiter die Ermittlungen von Vargas und nimmt ein Angebot von dem kriminellen Barbesitzer Joe Grandi an, der mit Vargas noch eine Rechnung offen hat. Grandis weitverzweigte Familie ist für ihre zahlreichen illegalen Geschäfte entlang der mexikanisch-amerikanischen Grenze bekannt, denen die hartnäckige Ermittlungsarbeit von Vargas jedoch zusetzt. Jüngst wurde etwa Grandis Bruder von Vargas in Mexiko-Stadt verhaftet.

Susan ist unterdessen in einem einsam gelegenen Motel abgestiegen und wartet auf die Rückkehr ihres Mannes, bei dem die Ermittlungen gegenüber der Hochzeitsreise Vorrang haben. Das Motel gehört jedoch auch der Familie Grandi. Die Grandis bedrohen und misshandeln Susan über Stunden, schließlich schieben sie ihr Drogen unter und transportieren die bewusstlose Frau zurück über die mexikanische Grenze. Ziel der Aktion ist es, das Ehepaar Vargas selbst als Drogenkonsumenten darzustellen und ihren Ruf zu ruinieren, was sowohl Grandi als auch Quinlan zugutekäme. Quinlan lässt Grandi einen Anruf bei der Polizei tätigen, dass Susan gefunden sei. Dann erdrosselt Quinlan unvermittelt Grandi, um ihn als unliebsamen Zeugen aus dem Weg zu haben. Wenig später wacht Susan auf, entdeckt Grandis Leiche und schreit, woraufhin sie wegen Mordverdachts und Drogenbesitzes festgenommen wird.

Vargas sucht unterdessen Unterlagen in Archiven zusammen, die den Schluss nahelegen, dass Quinlan über Jahre Beweise gefälscht hat. Durch diese brachte er viele Menschen hinter Gitter, die er als Verbrecher zu erkennen glaubte, bei denen aber die Beweislage nicht ausreichte. So sorgte er möglicherweise für den Tod unschuldiger Menschen. Sergeant Menzies, Quinlans langjähriger und treuer Mitarbeiter, gerät im Zuge von Vargas’ hartnäckigen Nachforschungen immer mehr in Zweifel über seinen Chef. Auch findet Menzies am Tatort neben Grandis Leiche den Krückstock von Quinlan. Sein Gewissen lässt Menzies keine Ruhe mehr und er entschließt sich, Quinlan in die Enge zu treiben. Menzies wechselt auf die Seite von Vargas und präsentiert den Krückstock, das Beweisstück.

Quinlan ist nach langer Enthaltsamkeit wieder rückfällig geworden und bei seiner alten Bekannten, der Wahrsangerin Tanya, untergekommen. Mit einem Mikrofon ausgestattet soll Menzies Quinlan zu belastenden Aussagen veranlassen. Die beiden machen einen nächtlichen Spaziergang. Vargas zeichnet den Dialog zwischen Menzies und Quinlan auf Tonband auf, wobei Quinlan seine Taten eingesteht. Der alte, erfahrene Polizist wittert jedoch die Falle. Es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem Sergeant Menzies von Quinlan tödlich getroffen wird. Der sterbende Sergeant kann jedoch noch das Leben von Vargas retten, indem er Quinlan erschießt. So kann Vargas mit der inzwischen aus dem Gefängnis enlassenen Susan endlich nach Hause fahren. Am Schluss stellt sich heraus, dass der von Quinlan beschuldigte Sanchez tatsächlich der Mörder von Linnekar und dessen Begleiterin ist – Quinlans „Intuition“ war korrekt.

Deutsche Fassungen

Es existieren zwei deutsche Synchronfassungen, die erste entstand bei der Berliner Synchron. Bodo Francke schrieb das Dialogbuch und führte Regie.[3] Eine vollständige Neusynchro wurde 1998 für den Director’s Cut erstellt, der 10 Minuten länger dauert als die Kinofassung von 1958. Schon in den 70er Jahren wurde eine Langfassung produziert, wo die geschnittenen Szenen mit der Kinofassung kombiniert wurden. Diese ist ungleich mit der Fassung von 1998.[4]

Weitere Informationen Figur, Darsteller ...
Figur Darsteller Deutscher Sprecher Deutscher Sprecher (Director’s Cut 1998)
Miguel VargasCharlton HestonHorst NiendorfErik Schäffler
Capt. Hank QuinlanOrson WellesWalther SuessenguthEdgar Hoppe
Susan VargasJanet LeighMargot LeonardKerstin Draeger
Sgt. Pete MenziesJoseph CalleiaRobert Klupp?
„Onkel“ Joe GrandiAkim TamiroffAlfred BalthoffKlaus Dittmann
Marcia LinnekarJoanna MooreSigrid Lagemann?
PanchoValentin de VargasHerbert Stass?
Nachtportier des MotelsDennis WeaverHarry Wüstenhagen?
Bezirksstaatsanwalt AdairRay CollinsAlfred Haase?
Polizeichef GouldHarry ShannonWolf Martini?
TanaMarlene DietrichGisela ReißmannHeidi Berndt
Manolo SanchezVictor MillanGerd Martienzen?
RistoLalo RiosWolfgang Draeger?
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Deutung

Dieser Film gilt als das Ende der klassischen Ära des Film noir. Charakteristisch sind das bedrohliche Milieu, in dem Gut und Böse nicht auseinanderzuhalten sind, und die Verkehrung der Rollen – Quinlan, ein Vertreter des Gesetzes, stellt sich als Beweise fälschender Betrüger und später sogar als Mörder heraus. Orson Welles spielt ihn extrem unsympathisch. Seinem moralischen, streng rational vorgehenden Gegenspieler Vargas, der Quinlans Spiel bald durchschaut, sind auf der amerikanischen Seite der Grenze weitgehend die Hände gebunden. Zudem muss er um seine Frau kämpfen, die von einer mexikanischen Bande unter Drogen gesetzt und verschleppt wird. Am Ende stellt sich heraus, dass Quinlan recht hatte: Der zunächst aufgrund von gefälschten Beweisen inhaftierte Ganove gesteht das Autobomben-Verbrechen.[5]

Die Eingangsszene, in der die Kamera fast dreieinhalb Minuten lang ungeschnitten einem Auto folgt und einen Blick in die Straßen von Los Robles zeigt, ging in die Filmgeschichte ein.[6]

Auszeichnungen

Für die Anfangssequenz des Films, eine über dreiminütige Kamerafahrt (Plansequenz), wurde Kameramann Philip H. Lathrop 1999 posthum mit dem Preis der Society of Camera Operators (SOC) für die beste historische Sequenz ausgezeichnet.

Sonstiges

Kritiken

„Ein komplizierter Thriller, der an die Tradition der Schwarzen Serie anknüpft, um sie zugleich ad absurdum zu führen. Intelligent, inszenatorisch wie darstellerisch eindrucksvoll, lebt der Film von der Ambivalenz einer ebenso bedrückenden wie faszinierenden Atmosphäre.“

„Welles hat die Pulp-Vorlage, dieses ‚lächerliche Drehbuch‘ komplett umgeschrieben, in ein Labyrinth umgestülpt. Nichts ist, wie es scheint, die Grenzen verwischen, zwischen Tag und Nacht, vernünftiger Verbrechersuche und giftigem Rausch. Janet Leigh, allein im Motel mit einer Heroin-Gang und dem wirren Nachtportier – das ist Psycho bei Tag. Und Quinlan muss, bloß weil er der Böse ist, noch lange nicht auf dem Holzweg sein mit seinem Verdacht. Ein lapidarer Satz, am Ende aus dem Off genuschelt, lässt den einsamen Sheriff über den integren Vargas triumphieren und demontiert das Genre des Noir-Kriminalfilms.“

Alex Rühle[8]

„Etwas unruhig lässt sich während des Abspanns darüber wundern, welchen fragwürdigen Gerechtigkeitssinn Welles hier propagiert. Doch das ist das Große an diesem Film: Welles führt mit den gewohnten Sehkonventionen hinters Licht, lässt daran zweifeln, dass das, was vordergründig richtig zu sein scheint, auch wirklich richtig ist. Und dass sich am Ende der verkommene, versoffene, fertige Intrigant sich als eigentliche Identifikationsfigur entpuppt, eben weil er ungleich menschlicher und damit vor allem ehrlicher erscheint als der ehrgeizig streberhafte Jungspund.“

Filmzentrale[9]

Literatur

  • Whit Masterson: Unfehlbarkeit kann tödlich sein. Kriminalroman (Originaltitel: Badge of Evil). Deutsch von Hubert Deymann. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1978, 152 S., ISBN 3-499-42452-5
Commons: Im Zeichen des Bösen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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