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Imma Bodmershof

österreichische Schriftstellerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Imma von Bodmershof (geboren als Emma von Ehrenfels; * 10. August 1895 in Graz; † 26. August 1982 auf Schloss Rastbach in Gföhl, Niederösterreich) war eine österreichische Schriftstellerin.

Leben

Die Tochter eines der Vordenker und Vorläufer der Gestalttheorie Christian von Ehrenfels und von Emma von Hartmann wuchs im Waldviertel auf Schloss Lichtenau auf, verbrachte aber auch viel Zeit in Prag, wo ihr Vater an der Universität arbeitete. Sie studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Graphologie an den Universitäten in Prag und München.[1]

Sie war verlobt mit dem Hölderlin-Forscher Norbert von Hellingrath, über den sie auch mit Rainer Maria Rilke und Stefan George in Kontakt kam. Hellingrath fiel jedoch 1916 in der Schlacht um Verdun. 1924 heiratete sie in Krems den Ökonomen Wilhelm von Bodmershof, der sich, ebenso wie Imma, privat mit indischen und fernöstlichen Religionen beschäftigte; ab 1933 war er illegales NSDAP-Mitglied, 1940 wurde er zum Kremser Kreisrat ernannt.[2] Gemeinsam mit ihrem Ehemann verwaltete sie das Landgut des Schlosses Rastbach. Sie wohnte auch zeitweise in Wien.

Ab 1937 veröffentlichte sie traditions- und heimatverbundene Prosatexte. 1937 erschien ihr erster Roman Der zweite Sommer bei dem damals bereits ‚arisierten‘ S. Fischer Verlag. Der im Waldviertel angesiedelte Roman wurde positiv aufgenommen und u. a. in Die Bücherei, der Zeitschrift der Reichsstelle für das Büchereiwesen, besprochen;[3] in den 1940er-Jahren erschien Der zweite Sommer auch als ‚Sonderdruck für die Luftwaffe‘.[4]

Im September 1938 beantragte Bodmershof die Aufnahme in die Reichsschrifttumskammer. Das politische Führungszeugnis ging davon aus, dass sie ihre „Tätigkeit im ns.-Sinne“ ausüben werde.[5] 1939 erschien der Roman Die Stadt in Flandern und wurde in die Empfehlungsliste Das Buch, ein Schwert des Geistes (1940 und 1943) aufgenommen.[6] Einige kleinere Erzählungen, darunter so bekannte wie Theres Piernagl (1938, 1941), erschienen vorwiegend in den Zeitschriften und Anthologien des S. Fischer Verlags wie z. B. Die neue Rundschau.

Das familiäre und engere Umfeld Bodmershofs bestand sowohl aus jüdischen oder regimekritischen Personen als auch aus glühenden Nationalsozialisten. Von der beruflichen Stellung ihres Gatten profitierte auch Bodmershof, insbesondere in ökonomischer Hinsicht: Devisen ermöglichten dem Paar Italienreisen und Aufenthalte in guten Wiener Hotels; zwecks Unterhalts des Rastbacher Guts wurden französische Kriegsgefangene gesandt.[7] Andererseits geriet der NS-Anhänger Wilhelm Bodmershof gegen Kriegsende zeitweise selbst unter Druck des Regimes, u. a. weil er in seiner Funktion als Landwirtschaftsoffizier auf dem Wehrmeldeamt diverse Männer aus dem Ortskreis durch ‚Unabkömmlichstellung‘ vor der Einberufung zum Kriegseinsatz geschützt hatte.[8]

Neben der Erzählliteratur widmete sich Bodmershof der dreizeiligen japanischen Gedichtform des Haiku. Hierzu pflegte sie einen intensiven Gedankenaustausch mit dem japanischen Literaturwissenschaftler Yukio Kotani. Ihr kulturpessimistischer Briefwechsel mit Martin Heidegger aus den Jahren 1959–1976 wurde im Jahr 2000 bei Klett-Cotta veröffentlicht.

Sie wurde auf dem Friedhof von Moritzreith beigesetzt.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages wurde im Jahr 1995 auf Initiative von Walter Enzinger in Gföhl ein Gedenkstein für sie errichtet.

Auszeichnungen

Werke

  • 1937 – Der zweite Sommer (Roman), Suhrkamp, Berlin 1943
  • 1939 – Die Stadt in Flandern (Roman)
  • 1939 – Die Bartabnahme -, von Loeper, Karlsruhe 1982
  • 1942 – Begegnung im Frühling (Erzählung), Verlag von Loeper, Karlsruhe 1985, ISBN 3-88652-602-X
  • 1943 – Die Jahreszeiten: Fünfundzwanzig Meisterwerke alter Buchmalerei
  • 1944 – Die Rosse des Urban Roithner -, Buchgemeinschaft Donauland, Wien 1984
  • 1950 – Sieben Handvoll Salz (Roman), Niederösterreichisches Pressehaus, St. Pölten 1984
  • 1952 – Das verlorene Meer (überarbeiteter Roman, 1939 erschienen unter "Die Stadt in Flandern"), Herold, Wien 1952
  • 1953 – So lange es Tag ist -, Österreichische Verlagsanstalt, Innsbruck 1953
  • 1962 – Unter acht Winden
  • 1962 – Haiku
  • 1973 – Sonnenuhr
  • 1980 – Im fremden Garten blüht Jasmin: 99 Haiku (Gedichtband), Verlag der Arche, Zürich 1980, ISBN 3-7160-1658-6
  • 1982 – Ibarras Bartabnahme

Editionen

  • 1986 – Imma Bodmershof: Gesammelte Werke in Einzelausgaben (4 Bände) -, Verlag von Loeper, Karlsruhe 1986, ISBN 3-88652-005-6
  • 2000 – Martin Heidegger & Imma von Bodmershof: Briefwechsel 1959 - 1976 -, Klett-Cotta, Stuttgart 2000, ISBN 3-608-94265-3

Literatur

  • Cécile Cordon: Zwischen Hölderlin und Hitler. Die Schriftstellerin Imma Bodmershof und ihre Zeit (1895-1982). Leipzig: Eudora, 2020.

Einzelnachweise

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