Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe

TH OWL Lemgo From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL) ist eine staatliche Hochschule für angewandte Wissenschaften in Nordrhein-Westfalen in der Region Ostwestfalen-Lippe (OWL) mit Standorten in Lemgo, Detmold und Höxter sowie zusätzlichen Lernorten in Minden und Herford. Sie wurde 1971 gegründet und bietet Studiengänge in ingenieurwissenschaftlichen, gestalterischen, wirtschaftlichen und umweltwissenschaftlichen Fachrichtungen an.

MottoExzellente Lehre und Forschungsstärke[1]
Gründung1. August 1971
TrägerschaftMKW NRW (staatlich)
Schnelle Fakten Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Motto ...
Technische Hochschule
Ostwestfalen-Lippe
Motto Exzellente Lehre und Forschungsstärke[1]
Gründung 1. August 1971
Trägerschaft MKW NRW (staatlich)
Ort Lemgo, Detmold, Höxter, Herford, Minden
Bundesland Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen
Land Deutschland Deutschland
Präsident Jürgen Krahl
Studierende 5.672 (2024/25)[2]
Mitarbeiter 778[3]
davon Professoren 173
Jahresetat 77 Mio. Euro Haushaltsvolumen, 18 Mio. Euro Drittmittel[4]
Netzwerke EUA
Website www.th-owl.de
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Hauptgebäude der Technischen Hochschule OWL auf dem Campus Lemgo (2019)
Campus Detmold (2019)
Campus Höxter (2019)

Das Studienangebot umfasst Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Promotionsmöglichkeiten und weiterführende Qualifikationsmöglichkeiten. Darüber hinaus betreibt die Hochschule mehrere hochschulweite Forschungsinstitute und ist an anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsprojekten beteiligt.

Standorte

Die Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe verfügt über drei Campusstandorte in Lemgo, Detmold und Höxter. Ergänzt werden diese durch weitere Lernorte in Minden und Herford.[5]

Campus Lemgo

Der Campus in Lemgo ist der größte Standort der Hochschule. Dort sind Studienangebote aus den Bereichen Informatik, Ingenieurwissenschaften, Wirtschaft sowie Agrar- und Lebensmittelwissenschaften angesiedelt. Die Hochschule bezeichnet den Standort auch als „Innovation Campus Lemgo“.[6]

Zu den Einrichtungen am Campus gehören unter anderem die Future Food Factory OWL, die SmartFactoryOWL sowie das Gebäude des InnovationSPIN, das gemeinsam mit regionalen Partnern betrieben wird.[7] Außerdem befindet sich dort eine Campus-Kindertagesstätte. Der Innovation Campus Lemgo e. V. (ICL e. V.) fungiert als Netzwerkorganisation zur Förderung von Kooperationen zwischen Hochschule, Wirtschaft und weiteren Partnern.[8]

Campus Detmold

Der Campus in Detmold ist der Standort für Studiengänge aus den Bereichen Gestaltung, Architektur, Bauwesen sowie Medien und Kultur. Die Hochschule bezeichnet den Standort auch als „Kreativ Campus Detmold“.[9]

Am Campus ist unter anderem das KreativInstitut.OWL angesiedelt, das Forschungsaktivitäten in gestalterischen und medientechnologischen Bereichen bündelt.[10] Ergänzend dazu engagiert sich der Kreativ Campus Detmold e. V., der Hochschule, Kreativwirtschaft und kulturelle Einrichtungen miteinander vernetzt.[11]

Campus Höxter

Der Campus in Höxter ist Standort für Studien- und Forschungsangebote mit Bezug zu Umwelt, Landschaft und nachhaltiger Ressourcennutzung. Dazu zählen unter anderem Landschaftsarchitektur, Agrarsysteme, Umweltplanung und ökologische Technik.[12]

Weitere Lernorte

RailCampus OWL (Minden)

Der RailCampus OWL in Minden ist ein hochschulübergreifender Forschungs- und Lernstandort für digitale Bahnsysteme. Die TH OWL beteiligt sich dort gemeinsam mit der Hochschule Bielefeld, der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn am Bachelorstudiengang „Digitale Bahnsysteme“ (B.Sc.).[13][14]

BildungsCampus Herford

Der BildungsCampus Herford ist ein weiterer Lernort der Hochschule. Dort wird unter anderem der Bachelorstudiengang „Digital Management Solutions“ (B.Sc.) angeboten.[15]

Geschichte

Die historischen Wurzeln der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe reichen bis in das Jahr 1891 zurück. In Lemgo wurde in diesem Jahr eine Handwerker- und Maschinenbauschule gegründet, die der technischen Ausbildung im Handwerk und Maschinenbau diente. In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere technische und gestalterische Bildungseinrichtungen, die später in staatliche Ingenieur- und Fachschulen überführt wurden.

Im Zuge der nordrhein-westfälischen Fachhochschulgründungen wurde 1971 die Fachhochschule Lippe gegründet. In den darauffolgenden Jahren kamen die Standorte Detmold und Höxter hinzu. Die Hochschule wurde 2002 in „Fachhochschule Lippe und Höxter (FH LuH)“ umbenannt. Seit 2007 trägt sie den Namen „Hochschule Ostwestfalen-Lippe“, seit 2019 „Technische Hochschule Ostwestfalen-Lippe“.

Im Jahr 2021 beging die Hochschule ihr 50-jähriges Bestehen als Hochschule für angewandte Wissenschaften. Aus diesem Anlass fanden verschiedene öffentliche und hochschulbezogene Veranstaltungen statt.[16]

Das Technikum Lemgo in der Stiftstraße ist ein Vorläufer der heutigen Technischen Hochschule OWL (2022).

Forschung

Auf dem Innovation Campus Lemgo bilden das Fraunhofer IOSB-INA (Bildmitte), Centrum Industrial IT, SmartfactoryOWL und Institut für industrielle Informationstechnik der TH OWL das Cluster Industrial Automation im Technologienetzwerk it’s OWL (2020)

An der Technischen Hochschule OWL wird Forschung in verschiedenen Bereichen betrieben, insbesondere jedoch auf dem Gebiet der IT-basierten Automatisierungstechnik und der Lebensmittelsicherheit. Diese beiden Profilbereiche wurden als Kompetenzplattformen vom Land NRW gefördert.[17] Aus diesen Kompetenzplattformen ist Ende 2006 das Institut für Industrielle Informationstechnik (kurz: inIT) und Anfang 2011 das in NRW erste Forschungsinstitut für Lebensmitteltechnologie (kurz ILT.NRW) entstanden.[18] 2017 wurde das dritte Institut Future Energy – Institut für Energieforschung der Hochschule gegründet.[19] 2021 wurde das Institut für Designstrategien (IDS) am Standort Detmold gegründet.[20]

Der Fachbereich Elektrotechnik und Technische Informatik der Technischen Hochschule OWL zählt zu den forschungsstärksten Fachbereichen an deutschen Universitäten und Fachhochschulen.[21][22][23][24]

Anfang Oktober 2009 wurde das Fraunhofer IOSB-INA am Innovation Campus Lemgo gegründet.[25] Anfang 2012 wurde es zum ersten Fraunhofer-Anwendungszentrum in Kooperation mit einer Fachhochschule in Deutschland ausgebaut und 2017 nach erfolgreicher Evaluation zum Institutsteil für Industrielle Automation aufgewertet.[26][27]

Technologie- und Wissenstransfer

Centrum Industrial IT (CIIT)

Im Rahmen einer Public Private Partnership entstand im Jahr 2010 das Centrum Industrial IT (CIIT) auf dem Innovation Campus Lemgo. Das CIIT ist ein unabhängiges Forschungs- und Transferzentrum, das Informations- und Kommunikationstechnologien für die Intelligente Automation nutzbar machen soll. Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten hierzu unter einem Dach in der Gesellschaft CIIT e. V. Das CIIT mit dem Hochschulinstitut inIT und dem Fraunhofer IOSB-INA bildet eines der drei regionalen Leistungszentren des Technologienetzwerkes Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe (its OWL), das sich in der dritten Förderrunde Anfang 2012 als BMBF-Spitzencluster durchsetzte.[28]

SmartFactoryOWL

Zusammen mit dem Fraunhofer IOSB-INA betreibt die Technische Hochschule OWL seit 2016 am Campus Lemgo die Forschungsfabrik SmartFactoryOWL.[29] Ziel der Einrichtung ist es, eine herstellerunabhängige reale Produktionsumgebung als Forschungs- und Demonstrationszentrum im Bereich Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 zu etablieren. Gleichzeitig wird so ein Testfeld für den Mittelstand realisiert.

IoT-Reallabor Lemgo Digital

Das Fraunhofer IOSB-INA betreibt seit Anfang 2018 in Kooperation mit der Technischen Hochschule OWL und weiteren Partnern das Reallabor Lemgo Digital als Referenzplattform für die Anwendung von IoT-Technologien in Mittelstädten. Hierzu wird stellvertretend für viele andere Mittelstädte die Innenstadt von Lemgo zu einem Test- und Mitmach-Labor (englisch Living Lab) in Sachen Digitalisierung ausgebaut. Ziel sind übertragbare Innovationen für Mobilität, Einzelhandel und Umwelt. Die Beteiligung von Bürgern und weiteren Nutzern in den gesamten Innovationsprozess stellt ein wichtiges Ziel dieser Initiative dar, die vom Land Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt wird.[30][31]

SmartFoodTechnologyOWL

Die erfolgreiche Entwicklung in dem Kompetenzfeld der IKT-basierten Automation soll durch die Zusammenführung von Industrie-4.0-Kompetenzen und lebensmitteltechnologischem Know-how von Hochschule und Partnern fortgesetzt werden. Hierzu konnte sich die Hochschule 2016 als eine von 10 Fachhochschulen in Deutschland mit dem Strategiekonzept „SmartFoodTechnologyOWL“ durchsetzen.[32]

Innovation Campus Lemgo

2016 wurde mit dem Innovation Campus Lemgo ein neues Großprojekt der Region bekanntgegeben.[33] Es soll ein neues Ökosystem für die digitale Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe entstehen, das vorhandene und neue Akteure durchgängig entlang der Innovationskette Bildung – Forschung – Wirtschaft vernetzt. Hierzu werden die beiden Berufskollegs Lüttfeld und Hanse, das Fraunhofer IOSB-INA, die Technische Hochschule OWL, Technologiezentren (wie SmartFactoryOWL) und Innovationszentren (wie Centrum Industrial IT) eng zusammenarbeiten. Mit der Phoenix Contact Arena steht auf dem Campus eine multifunktionelle Veranstaltungslocation zur Verfügung. Bisherige Flächen sollen aufgewertet, neue Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen sowie weitere Forschungseinrichtungen und Unternehmen angesiedelt werden.

Auf dem Innovation Campus Lemgo bietet der Landesverband Lippe über 300 teilmöblierte Apartments in mehreren Studentenwohnheimen an.[34] 2013 sind am Innovation Campus Lemgo weitere Studentenwohnheime in privater Trägerschaft mit über 100 Apartments entstanden.[35] 2018 wurden weitere 150 Apartments auf dem Innovation Campus errichtet.[36]

Lehre

Die Technische Hochschule OWL bietet derzeit 32 Bachelor- und 20 Masterstudiengänge.

Promotionsmöglichkeit

Ab Ende 2022 haben diejenigen Professoren der TH-OWL, die gleichzeitig professorales Mitglied in einer der acht Abteilungen des Promotionskollegs NRW sind, das Promotionsrecht.[37] Seit Dezember 2015 gibt es an der Technischen Hochschule OWL ein fachübergreifendes Graduiertenzentrum.[38]

Vorläuferinstitutionen

  • Baugewerkschule Höxter (gegründet 1864)
  • Technikum Lemgo (gegründet 1891)
  • Technikum Lage (gegründet 1911)
  • Tischlerfachschule Detmold (gegründet 1893 durch den Tischlermeister Ludwig Reineking als Tagesschule; ab 1921 unter dem Leiter Friedrich Meyer Entwicklung zu moderner Fachschule; seit 1954 Fachschule für Holzbetriebstechnik und Innenarchitektur; 1971 Überleitung der Innenarchitekturschule in den Fachbereich „Architektur“ der Fachhochschule Lippe[39])
  • Staatliche Ingenieurschule für Maschinenwesen Lemgo (gegründet 1964)
  • Fachhochschule Lippe (gegründet 1971)
  • Fachhochschule Lippe und Höxter (2002, nach Zusammenschluss der Fachhochschule Lippe mit der Abteilung Höxter als Teil der Universität-Gesamthochschule Paderborn)
  • Hochschule Ostwestfalen-Lippe (Umbenennung 2008)

Rektoren und Präsidenten der heutigen Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Weitere Informationen Name, von ...
Name von bis
Werner Rappaport 1971 1976
Karl Friedrich Saur 1976 1980
Wolfgang Zimmermann 1980 1984
Dietrich Lehmann 1984 2002
Tilmann Fischer 2002 2011
Oliver Herrmann 2011 2016
Jürgen Krahl 2016
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Hochschulrat

Der Hochschulrat der Technischen Hochschule OWL besteht derzeit aus den folgenden Mitgliedern[40]:

  • Antonia B. Kesel, Hochschule Bremen
  • Klaus Böhme, Vorsitzender des Bundesfachbereichsvorstands Bildung, Wissenschaft und Forschung bei ver.di
  • Andrea Frank, Leiterin des Programmbereichs „Forschung, Transfer und Wissenschafts-dialog“ beim Stifterverband Bildung, Wissenschaft, Innovation sowie Geschäftsführung der Stiftung Bildung und Gesellschaft im Stifterverband
  • Ernst-Michael Hasse, Ehrenpräsident der Industrie- und Handelskammer Lippe zu Detmold
  • Klaus Maas, Leiter des Fachgebiets Umweltinformationssysteme an der Technischen Hochschule OWL
  • Claudia Schare, Mitglied des WDR-Verwaltungsrats
  • Barbara Schwarze, Hochschule Osnabrück
  • Ulrich Stiebel, Geschäftsführer und Teilinhaber der Stiebel Eltron

Internationale Kooperationen

Die Technische Hochschule OWL unterhält ein internationales Partnernetzwerk mit über 90 Hochschulen[41].

Studienbeiträge

Die Studienbeiträge wurden wie bei vielen Hochschulen zum Wintersemester 2006/2007 auch an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe mit dem Höchstsatz von 500 Euro eingeführt. Die Studierendenschaft stellte im Senat der Hochschule den Antrag auf Senkung der Beiträge auf 350 Euro. Der Senat stimmte am 2. Dezember 2009 mit 13 „Ja“-Stimmen, 7 „Nein“-Stimmen und einer Enthaltung für den Antrag der Studenten; im Sommersemester 2010 wurden entsprechend Beiträge in Höhe von 350 Euro erhoben. Zum Wintersemester 2011/2012 trat die Abschaffung der Studiengebühren durch die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen in Kraft.[42]

Studentische Institutionen

Im Jahr 2008 gründete sich das OWL-Racing-Team als Formula Student Team der Hochschule am Standort Lemgo. Dieses Team nimmt am internationalen Konstruktionswettbewerb der Formula SAE teil, bei dem Studententeams aus der ganzen Welt mit selbst konstruierten und gefertigten Rennwagen gegeneinander antreten.

Das Campusradio Triquency wird an allen drei Standorten terrestrisch ausgestrahlt. Zusätzlich gibt es einen Internetstream. Außerdem gibt es mit Dreist.tv einen von Studenten betriebenen Hochschulsender (IPTV).

Auf dem Gelände des Standortes Höxter wird eine meteorologische Station Campuswetter betrieben, die es ermöglicht, Meteorologie bzw. Prozessinformatik mit praktischen Bezug zu lehren. Die Daten der Station werden in Echtzeit im Internet präsentiert.[43]

Sternwarte

Die Dr.-Waldemar-Reinecke-Sternwarte der TH-OWL in Lemgo dient der Ausbildung und Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist mit einem 17" Planewave CDK Widefield Spiegelteleskop und einem Takahashi FQS 106 Refraktor ausgestattet. Die Sternwarte wird für Astrofotografie, visuelle Beobachtungen und Führungen genutzt. Regelmäßig werden Vorträge zu astronomischen Themen angeboten. Die Kuppel wurde 2015 erneuert. Ein weiterer Standort für Astrofotografie in Frankreich wurde bis 2017 genutzt, dessen Geräte dann nach Lemgo kamen. Die Sternwarte ist nach Dr. Waldemar Reinecke benannt, der sich für die Gründung der heutigen TH-OWL einsetzte.[44]

Einzelnachweise

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