In einem Jahr mit 13 Monden

Film von Rainer Werner Fassbinder (1978) From Wikipedia, the free encyclopedia

In einem Jahr mit 13 Monden ist ein Film von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahre 1978. Volker Spengler spielt die Hauptrolle als Elvira Weishaupt.[1]

TitelIn einem Jahr mit 13 Monden
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr1978
Schnelle Fakten Titel, Produktionsland ...
Film
Titel In einem Jahr mit 13 Monden
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1978
Länge 119 Minuten
Altersfreigabe
Stab
Regie Rainer Werner Fassbinder
Drehbuch Rainer Werner Fassbinder
Produktion Rainer Werner Fassbinder
Musik Peer Raben u. a.
Kamera Rainer Werner Fassbinder
Schnitt Rainer Werner Fassbinder,
Juliane Lorenz
Besetzung
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Inhalt

Der Film spielt im Juli 1978 und erzählt die letzten fünf Tage im Leben von Elvira Weishaupt, einer Transfrau, die weder mit sich noch mit anderen im Reinen ist. Aus Liebe zu einem Mann wurde sie zur Frau. Die Liebe war aber nur einseitig, wie so oft in den Filmen von Fassbinder, und so findet Elvira auch in ihrer neuen Existenz kein Glück. Sie sucht Zuflucht bei ehemals vertrauten Menschen. Als sie nur auf Ablehnung, Spott und Verachtung stößt, endet ihr Leben tragisch.

In einem Jahr mit 13 Monden folgt Elvira Weishaupt während ihrer letzten fünf Tage und Nächte im Frankfurt des Jahres 1978. Der Weg beginnt am Mainufer. Elvira bewegt sich durch Orte der Stadt, unter anderem das Bahnhofsviertel, und sucht erneut Kontakt zu Menschen aus ihrer Vergangenheit. In der Wohnung ihres Lebensgefährten Christoph kommt es zu einem heftigen Streit. Elvira trifft außerdem ihre frühere Ehefrau Irene und die gemeinsame Tochter Marie-Ann.

Schließlich sucht Elvira Anton Saitz auf, einen früheren KZ-Häftling, der inzwischen als Zuhälter und Immobilienhändler auftritt. Für Saitz hatte Elvira – damals noch als Erwin – eine geschlechtsangleichende Operation in Casablanca vornehmen lassen, ohne dass Saitz die Tragweite seiner damaligen Bemerkung und Elviras Motivation begreift.[2]

Kritik

„Wüste Polemik steht neben poetischer Sensibilität, Kolportage neben literarischen Querverweisen auf Döblin und Schopenhauer; Schockbilder kontrastieren mit sentimentalen Idyllen. Einer der intimsten Fassbinder-Filme, der durch seine radikale Subjektivität aufrüttelt.“

Lexikon des internationalen Films[3]

Hintergrund

Der Film entstand kurz nach dem Suizid von Fassbinders damaligem Partner Armin Meier und wird in der Rezeption häufig als besonders persönliche Trauerarbeit des Regisseurs gelesen.[4]

Veröffentlichung

Die Uraufführung fand laut Filmportal am 8. November 1978 beim Montréal International Film Festival statt; der deutsche Kinostart folgte am 17. November 1978.[5]

Rezeption

Zeitgenössische Kritik

Wolfram Schütte ordnete den Film in der Frankfurter Rundschau (1978) als bewusst irritierende, erst nach und nach „geklärte“ Erzählung komplexer Sexual- und Lebensverhältnisse ein und verteidigte dabei ausdrücklich Fassbinders Entscheidung, die Vorgeschichte der Figur in die letzten Tage ihres Lebens hineinzumontieren.[6]

Einordnung und spätere Re-Lektüren

In einer neueren Würdigung bezeichnet Andreas Wilink den Film als „kleinen, billigen, schmutzigen Film“ und zugleich als großen „Klage- und Trauergesang“ sowie als einen der persönlichsten und verzweifeltsten Filme Fassbinders.[7] Wilink liest Fassbinders Inszenierung außerdem als bewusst „bitter-sarkastische“ Gegenposition zu Luchino Viscontis Tod in Venedig.[7]

Internationale Rezeption

Der Kritiker Vincent Canby verband seine positive Einschätzung in der New York Times (im Umfeld des New York Film Festival 1979) mit dem Hinweis, der Film setze Vertrautheit mit Fassbinders Werk voraus; andernfalls könne er wie „ein Albtraum über einen Albtraum“ wirken.[8] Eine spätere Einordnung durch Violet Lucca in Film Comment betont den Charakter des Films als in Bilder und Musik überführte Trauer sowie die Vielzahl an Referenzen (unter anderem auf Mahler und Fassbinders eigenes Werk).[4]

Anmerkungen

Erklärung zum Filmtitel: Im Vorspann heißt es: „Jedes 7. Jahr ist ein Jahr des Mondes. Besonders Menschen, deren Dasein hauptsächlich von ihren Gefühlen bestimmt ist, haben in diesen Mondjahren verstärkt unter Depressionen zu leiden, was gleichermaßen, nur etwas weniger ausgeprägt, auch für Jahre mit 13 Neumonden gilt. Und wenn ein Mondjahr gleichzeitig ein Jahr mit 13 Neumonden ist, kommt es oft zu unabwendbaren persönlichen Katastrophen. Im 20. Jahrhundert sind es sechs Jahre, die von dieser gefährlichen Konstellation bestimmt sind, eines davon ist das Jahr 1978. Davor waren es die Jahre 1908, 1929, 1943 und 1957. Nach 1978 wird das Jahr 1992 noch einmal das Dasein vieler gefährden.“

Fassbinder wird im Vorspann als einziger konkret für Idee, Buch, Produktion, Ausstattung, Schnitt, Kamera und Regie genannt, obwohl z. B. Juliane Lorenz den Film geschnitten hat.

Literatur

  • Fischer, Ralf Michael: Fassbinders Frankfurt: 'Mutter Küsters' Fahrt zum Himmel' und 'In einem Jahr mit 13 Monden'. In: Das 'neue' Frankfurt. Innovationen in der Frankfurter Kunst vom Mittelalter bis heute. Hg. Christian Freigang, Markus Dauss, Evelyn Brockhoff. Frankfurt am Main 2010. 87–107.
  • Hermes, Manfred: Deutschland hysterisieren. Fassbinder, Alexanderplatz. b_books Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-933557-75-9
  • Silverman, Kaja: Male Subjectivity at the Margins. Routledge Press, New York 1992, ISBN 978-0415904186

Einzelnachweise

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