Indigenous Environmental Network
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Indigenous Environmental Network (kurz IEN; deutsch etwa: Netzwerk indigener Umweltaktivisten) ist ein Bündnis indigener Basisbewegungen im Bereich der Umweltgerechtigkeit, das überwiegend in den USA aktiv ist. Mitglieder der IEN vertreten indigene Anliegen auch auf internationalen Veranstaltungen wie den Klimakonferenzen der Vereinten Nationen (u. a. Kopenhagen 2009 und Paris 2015).
| Indigenous Environmental Network (IEN) | |
|---|---|
| Rechtsform | 501(c) organization |
| Gründung | 1990 |
| Sitz | Bemidji, Minnesota, Vereinigte Staaten |
| Zweck | Umweltschutz, Umweltgerechtigkeit, indigene Rechte |
| Vorsitz | Tom B.K. Goldtooth |
| Website | ienearth.org |


Die IEN organisiert jährlich eine Konferenz, auf der Ziele und Projekte für das kommende Jahr diskutiert werden. Der Tagungsort wechselt jährlich zwischen indigenen Nationen. Das Netzwerk versteht Umweltschutz zugleich als Form spirituellen Aktivismus und wurde insbesondere durch seine führende Beteiligung an den Protesten gegen die Keystone Pipeline und die Dakota Access Pipeline bekannt.
Das Netzwerk ist Mitglied im Netzwerk Grassroots Global Justice (GGJ).[1]
Geschichte
Gründung
Die Organisation wurde 1990 gegründet, um Umwelt- und Wirtschaftsungerechtigkeiten gegenüber indigenen Völkern Nordamerikas sichtbar zu machen. Ihre Gründung erfolgte im Rahmen der jährlichen Protecting Mother Earth Gatherings auf dem Gebiet der Navajo Nation bei Dilkon, wo eine Gruppe lokaler Aktivisten – die später Diné CARE gründeten – den Bau einer Müllverbrennungsanlage verhindert hatte.
Frühe Sitzungen fanden im Haus von Lori Goodman in der Navajo Nation statt.[2]
Verbindung zur Umweltgerechtigkeitsbewegung
Die IEN sieht sich als Teil der internationalen Umweltgerechtigkeitsbewegung, die darauf hinweist, dass marginalisierte Gruppen – darunter indigene Völker – überproportional von Umweltverschmutzung betroffen sind und häufig von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden. Die Organisation richtet ihren Fokus auf Fälle, in denen Regierungen oder Konzerne natürliche Ressourcen in indigenen Gebieten ausbeuten, Abfälle ablagern oder umweltschädliche Infrastruktur (wie Pipelines) errichten. Solche Praktiken betrachtet die IEN als Verletzung des Rechts auf Selbstbestimmung und Religionsfreiheit indigener Gemeinschaften.[2]
Frühere Aktivitäten
In den 1990er-Jahren konzentrierte sich die IEN auf Umweltbildung, Basisarbeit und den Aufbau lokaler Strukturen. Besondere Aufmerksamkeit galt der Nähe toxischer und nuklearer Abfalllager zu indigenen Gebieten. Seit 1995 beschäftigt die Organisation dauerhaftes Personal.
Zentrale Veranstaltungen sind die Protecting Mother Earth Gatherings, die der Informationsvermittlung und Strategieentwicklung dienen.[2]
Aktuelle Aktivitäten
Bekanntheit erlangte die IEN durch ihren Einsatz gegen Pipelineprojekte wie die Dakota Access Pipeline. Sie koordinierte internationale Aktionen, etwa Divestment-Kampagnen gegen Banken, die Pipeline-Projekte finanzieren, und unterstützte 2017 den People’s Climate March in Washington, D.C.
Ein weiteres Projekt ist Indigenous Rising Media, das indigene Stimmen zu Klima- und Umweltfragen stärkt.[2][3]
Das Indigenous Environmental Network nimmt seit Beginn an den UN-Klimakonferenzen der Parteien (United Nations - Climate Change Conferences of the Parties) teil. Seit 2015 ist das IEN Teil der It Takes Roots Alliance und arbeitet mit verbündeten Mitgliedern an gemeinsamen Aktionen.[4]
Ziele und Überzeugungen
Die zentralen Ziele der IEN sind:
- Stärkung indigener Gemeinschaften bei der Entwicklung von Strategien zum Schutz von Umwelt, Gesundheit und Lebensgrundlagen.
- Förderung traditionellen Wissens und Respekts vor natürlichen Gesetzen.
- Unterstützung nachhaltiger und gerechter Wirtschaftsweisen.
- Einflussnahme auf politische Entscheidungen auf allen Ebenen.
- Einbindung von Jugend und Ältesten.
- Schutz des Rechts auf kulturelle und spirituelle Praxis.[2]
Umsetzung
Die IEN macht auf umweltschädliche Praktiken wie Kohleabbau, Ölbohrungen, Fischerei und Jagd aufmerksam, die indigene Rechte beeinträchtigen können. 1996 rief sie den 13. Oktober zum Aktionstag für sparsamen Energieverbrauch aus. 1991 verabschiedete sie auf dem Bear Butte (South Dakota) einen Environmental Ethics Code, der die enge Bindung indigener Völker an ihr Land betont.
Spiritueller Aktivismus
Ein Kernanliegen der IEN ist der Schutz heiliger Stätten. Die Organisation sieht zwischen dem Menschsein und der Erde eine spirituelle Verbindung. Beim Rights of Mother Earth-Kongress 2004 setzte sie sich für ein Rechtssystem ein, das Natur als rechtsfähige Entität anerkennt.
Umweltgerechtigkeit
Widerstand gegen Pipelines
Die IEN erhielt internationale Aufmerksamkeit durch Proteste gegen die Keystone XL-Pipeline und die Dakota Access Pipeline.
Konferenzen
Seit 1990 veranstaltet die IEN jährlich die Protecting Mother Earth Gatherings. Frühere Tagungsorte:
- 1992: Celilo Falls (Oregon)
- 1993: Sac and Fox Reservation (Oklahoma)
- 1994: Mole Lake Indian Reservation (Wisconsin)
- 2001: Penticton (British Columbia, Kanada)
- 2004: Bear Butte (South Dakota)
2009 initiierte sie die Kampagne Red Road to Copenhagen zur Teilnahme an der COP-15.
Die Organisation arbeitet generationenübergreifend: Neben einem Ältestenrat existiert ein Jugendrat, der urbane indigene Jugendkultur mit Umweltfragen verbindet.
Weitere Arbeit
Die IEN war an der Ausarbeitung der Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe beteiligt und äußerte Kritik an Programmen wie REDD (Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation) und an Kohlenstoffsteuer-Modellen, da sie indigene Rechte gefährdet sähe.
Einordnung
Die IEN vereint indigene Selbstvertretung mit Umweltaktivismus. Ihr besonderes Kennzeichen ist die Verbindung von Umweltgerechtigkeit, indigenen Rechten und spirituellem Engagement.