Industriespionage bei der Entwicklung der Concorde
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Im Verlaufe der Industriespionage bei der Entwicklung der Concorde waren Pläne sowie Informationen zur Fertigungstechnik und verwendeten Materialien des 1959 bis 1976 in Entwicklung befindlichen Überschall-Verkehrsflugzeuges Concorde aus den britischen und französischen Fertigungsstätten in die Sowjetunion gelangt.
Hintergrund

Als die zuvor in Geheimhaltung entwickelte Tupolew Tu-144 im Jahr 1965 auf dem Aerosalon von Le Bourget als Modell vorgestellt wurde, erhielt sie aufgrund der äußerlichen Ähnlichkeit mit der seit 1962[1] „augenblicklich erkennbaren“[2] Concorde den Übernamen Konkordski.[3][4][2] Laut dem Autor Simons handelt es sich aber um einen Mythos, dass die Tu-144 eine Kopie der Concorde gewesen sei. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die Sowjetunion mittels Industriespionage an die technische Dokumentation des Concorde-Prototyps gelangen wollte.[5] Spätere Einschätzungen sprachen – speziell nach der Aufdeckung der Wirtschaftsspionage durch die britische Zeitung Observer im Jahre 1969[6] – von einem „klassischen Beispiel von Industriespionage“ (NZZ).[7] Im französischen Figaro war 2013 die Rede von der Spionageaktion, welche „die Geschichte der Spionage des zwanzigsten Jahrhunderts kennzeichne“.[8] Der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth nannte die extrem knappe Zeitvorgabe auf der sowjetischen Seite als Grund für die Rolle der Spionage.[9] Das Autorenduo Bottom/Gallati nannte die bekannten Fälle dieser Spionage „Die Spitze des Eisbergs“.[10]
Verlauf/Verhaftungen
Begonnen hatte die Spionage schon im Jahr 1959, die Aktivitäten des Spionagerings der DDR trugen den Codenamen Operation Brünnhilde.[11][4] Aufgrund seines aufwändigen Lebensstils begann sich 1961 der belgische Geheimdienst für den aus der Schweiz stammenden pensionierten Chemiker Jean-Paul Soupert zu interessieren, welcher tatsächlich nach einer Ausbildung in der DDR als Kurier zwischen Belgien und Ostberlin fungierte. Im Januar 1964 wurde er verhaftet, was wiederum zur Verhaftung von Herbert Steinbrecher im November desselben Jahres führte.[4] Steinbrecher hatte fünf Jahre lang in Frankreich Informationen gekauft.[6][12][11][13][14][15] Sergej Pawlow wurde 1965 verhaftet; bei seiner Verhaftung trug er Baupläne des Fahrwerks und der Bremsen der Concorde bei sich. Nach seiner Abschiebung wurde er in der Sowjetunion stellvertretender Minister für Zivilluftfahrt.[16][11][17] Im Januar 1966 verhaftete Frankreichs Abwehrorganisation die zwei ČSSR-Staatsbürger Stephan Krigovsky und Jean Sarrady. Die beiden Männer, welche sich als Priester verkleidet hatten, wurden später zu acht,[18] respektive vier Jahren Haft verurteilt. Erst 1977 wurde Sergej Fabiew verhaftet, in dessen nach seiner Verhaftung decodierten Depeschen ihm seitens Moskau in einer Nachricht zu den kompletten Plänen der Concorde gratuliert worden war.[19][20] James Doyle hatte beim britischen Flugzeugkonzern BAC rund 90.000 Dokumente über die Concorde und andere Projekte an die Sowjetunion übermittelt.[21] Es konnte ihm keine straffähige Handlung nachgewiesen werden, dies auch darum, weil die Concorde als ziviles Projekt keiner Geheimhaltung unterstand.[22][23]
Auswirkung
Das Erhalten von Spionagematerial wurde später von damals leitenden Ingenieuren bei Tupolew bestätigt, so auch durch Alexander Pouchow. Gemäß Pouchow hätte es „natürlich von Nutzen“ sein können, doch wäre das Material für die ersten Prototypen zu spät gekommen. Tatsächlich jedoch unterschieden sich diese Prototypen der ersten Generation grundlegend von den nachfolgend gebauten Flugzeugen.[9] Darüber hinaus können selbst in Details bekannte technische Lösungen bei je nach Land unterschiedlichen Standards und Verfahren nicht unverändert umgesetzt werden. Zur sich ähnelnden Grundkonzeption wurde teils argumentiert, dass sich Ähnlichkeiten auch mit einer normalen technologischen Evolution erklären ließen.[6][24]