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Inga Rumpf

deutsche Sängerin und Komponistin From Wikipedia, the free encyclopedia

Inga Rumpf (* 2. August 1946 in Hamburg) ist eine deutsche Sängerin, Musikerin und Komponistin. Bekannt wurde sie vor allem als Sängerin der City Preachers sowie der Bands Frumpy und Atlantis und durch ihre markante, raue Stimme.[1] Ihr Repertoire verbindet Rock, Blues, Soul, Folk, Jazz und Gospel.[2]

Leben

Rumpf wurde als Tochter eines Hamburger Seemanns und einer aus Ostpreußen stammenden Schneiderin im Hamburger Stadtteil St. Georg geboren und wuchs dort mit ihrer Schwester in einem Mehrparteienhaus auf.[3] Bereits als Kind sang sie Nachbarn vor und erhielt dafür kleine Geldbeträge.[3] Mit elf Jahren erhielt sie ihre erste Gitarre.[4] Auf Wunsch ihrer Mutter absolvierte sie zunächst eine dreijährige Ausbildung zur Schaufensterdekorateurin, bevor sie sich vollständig der Musik zuwandte.[3]

Seit Anfang der 2000er Jahre lebt Rumpf in der Wesermarsch, blieb ihrer Heimatstadt Hamburg jedoch eng verbunden.[3] In ihrem Haus arbeitet sie mit Klavier, Gitarre und Computertechnik weiterhin an Musik und widmet sich daneben ihrem Garten.[3] Seit mehreren Jahren ordnet und digitalisiert sie außerdem ihr Archiv und entwickelt aus dem Material neue Projekte.[3]

Musikalischer Werdegang

Anfänge und City Preachers

Anfang der 1960er Jahre hatte Rumpf ihre ersten Auftritte in einem Jugendheim im Hamburger Stadtteil St. Pauli.[3] In einer Hamburger Teestube lernte sie den englischen Musiker John O’Brien-Docker kennen, der zu dieser Zeit die City Preachers gründete.[3] 1965 wurde sie Sängerin der Folk- und Bluesformation, in der zeitweise Udo Lindenberg Schlagzeug spielte.[5]

1968 nahm Rumpf als Solointerpretin mit dem Titel Schade um die Tränen am ersten Deutschen Schlager-Wettbewerb teil, erreichte den achten Platz und betrachtete diesen Ausflug in den Schlager später als Episode.[6] Die Plattenfirma setzte für den Auftritt gegen Rumpfs ursprünglichen Wunsch ein türkisfarbenes Minikleid als Bühnenkleidung durch, nachdem sie selbst einen braunen Samtanzug angefertigt hatte.[3]

Frumpy und Atlantis

1970 verließ Rumpf die City Preachers und gründete mit Carsten Bohn am Schlagzeug, Jean-Jacques Kravetz an den Keyboards, Karl-Heinz Schott am Bass und Rainer Baumann an der Gitarre die Gruppe Frumpy. Noch im selben Jahr erschien das erste Album All Will Be Changed, zu dessen bekanntesten Stücken Life Without Pain und Indian Rope Man gehörten. Neben ihrer Tätigkeit als Sängerin spielte Rumpf Instrumente und schrieb eigene Songs, wodurch sie sich auch in den überwiegend männlich besetzten Bands Anerkennung verschaffte.[3] Mit ihrem Gesang prägte sie bei Frumpy einen improvisationsreichen Bluesrock; How the Gipsy Was Born wurde zum bekanntesten Titel der Band.[7]

Nach dem Ende von Frumpy entstand 1972 die Formation Atlantis, zu deren Gründungsbesetzung neben Rumpf, Curt Cress und Frank Diez erneut Schott und Kravetz gehörten. Auch Lindenberg wirkte zeitweise in der Band mit. Es folgten Konzertreisen durch verschiedene Länder mit wechselnden Besetzungen, unter anderem mit Dieter Bornschlegel, Ringo Funk, Alex Conti, Adrian Askew und Rainer Schnelle. Atlantis tourte auch in den Vereinigten Staaten und trat dort unter anderem im Vorprogramm von Aerosmith und Lynyrd Skynyrd auf.[7] 1976 löste sich Atlantis auf.

Solokarriere, Reunions und Gospel

Als Solokünstlerin arbeitete Rumpf mit deutschen Texten und erweiterte ihr Spektrum später um Elemente der Neuen Deutschen Welle, des Rap, des Jazz und des Gospel.[8] Im Laufe ihrer Karriere nahm sie auf Angebote ihrer Plattenfirma hin zwei Produktionen mit amerikanischen Produzenten auf.[3] Eine dauerhafte Verlagerung ihrer Karriere in die Vereinigten Staaten verfolgte sie jedoch nicht weiter, weil sie dafür dort hätte leben und ständig verfügbar sein müssen, die Konkurrenz als sehr groß empfand und bei ihrer Mutter in Hamburg bleiben wollte.[3]

Von 1981 bis 1982 tourte Rumpf mit ihrer Band Reality und war als Dozentin an der Hamburger Musikhochschule tätig.[9] Tina Turner nahm Rumpfs 1981 veröffentlichten Song I Wrote a Letter auf; ihre Version erschien als B-Seite der Single Let’s Stay Together.[4] Turners Produzent war über den gemeinsamen Musikverlag auf das Album Reality und den darauf enthaltenen Titel aufmerksam geworden.[3] 1983 stand Rumpf für eine einmalige Reunion von Atlantis auf der Bühne. In den Jahren 1986 und 1987 engagierte sie sich mit der Gruppe Inga Rumpf & Friends in der Initiative „Rock gegen Atom“. 1988 nahm sie in einem Londoner Studio an einer Jam-Session mit Keith Richards und Ronnie Wood teil.[3]

1990 kam es zu einer Reunion von Frumpy als Trio in der Besetzung Rumpf, Kravetz und Bohn. In den folgenden Jahren veröffentlichte die Gruppe zwei Studioalben und ein Livealbum, bei denen Frank Diez Gitarre spielte. 1994 folgten Projekte mit dem Hamburger Pianisten Joja Wendt und der NDR Bigband. Ende der 1990er Jahre wandte sich Rumpf verstärkt der Gospelmusik zu und trat bei verschiedenen kirchlichen Veranstaltungen auf. Auf das Album Walking in the Light folgten rund 70 Konzerte mit Bearbeitungen und Textzitaten aus der Bergpredigt.[5]

Inga Rumpf mit Udo Lindenberg im Hamburger Stadtpark, 2008

Eigenes Label und spätere Projekte

2004 gründete Rumpf ihr eigenes Label „25th Hour Music“. Dort erschienen 2004 die CD Live im Michel und 2005 das Album Easy in My Soul, das in Erinnerung an ihren verstorbenen zweiten Ehemann Nikolaus entstand.[10] An dem Album wirkte auch ihr früherer Frumpy-Kollege Jean-Jacques Kravetz mit.

2006 wurden die drei Alben My Life Is a Boogie, I Know Who I Am und Reality auf der Doppel-CD London – New York – Berlin wiederveröffentlicht. Im selben Jahr gehörte Rumpf der Jury des „Gospel-Award“ der Fernseharbeit der evangelischen und der katholischen Kirche sowie der christlichen Hilfsorganisation World Vision Deutschland an.[11] Zudem spielten Inga Rumpf & Friends während der Deutschlandtournee von B. B. King in dessen Vorprogramm.[12]

Im Jahr 2007 startete Rumpf die CD-Reihe Official Bootleg. Dafür wurden Konzerte in Worpswede, Stuttgart und Schwerte mitgeschnitten und ungekürzt in limitierten Auflagen veröffentlicht. Mit Inga Rumpf & Friends: Live im WDR-Rockpalast erschien außerdem ihre erste DVD, die im Bonner Musikclub Harmonie aufgenommen worden war.[13]

2008 gab Rumpf im Hamburger Michel ein Konzert mit Bigband und einem 50-köpfigen Chor. Zuvor hatte sie dort neun Jahre lang ausverkaufte Neujahrskonzerte gegeben.[14] Anlässlich des 80. Geburtstags von Fritz Rau gastierte sie 2010 gemeinsam mit Udo Lindenberg, Peter Maffay, Howard Carpendale und weiteren Künstlern in der Alten Oper Frankfurt.

Seit 2012 spielt Rumpf mit dem Kölner Gitarristen und Sänger Helmut Krumminga, einem ehemaligen Mitglied von BAP, in den Formationen KK’nZ und KK’nF sowie seit 2014 auch im Duett. 2013 brachte sie White Horses als Doppel-LP auf Vinyl heraus; 2014 folgte die CD-Ausgabe.[15] Das Album war als Direktmitschnitt im Hamburger Studio von Joja Wendt mit Thomas Biller und Joe Dinkelbach aufgenommen worden und erreichte Platz fünf der deutschen Jazzcharts. Ebenfalls 2013 las sie für die Märchen-CD Rotkäppchen & seine Freunde des Pänz-Verlags die Erzählung Hänsel und Gretel ein. Mit Teilen der Band BAP spielte sie außerdem zehn Konzerte unter dem Motto „Still Got the Rock“. Der letzte Auftritt des Jahres 2013 fand beim Hamburger Motorrad-Gottesdienst im Michel statt.

Vierzig Jahre nach dem Album Atlantis – Live in der Fabrik von 1974 spielte Rumpf am 21. November 2014 mit KK’nF in der Hamburger Fabrik ein Tribute-Konzert, das als Doppel-CD in ihrer Reihe Official Bootleg veröffentlicht wurde. Zum Jubiläum „50 Jahre Beat-Club“, in dem Rumpf einst mit Frumpy aufgetreten war, nahm sie 2015 mit KK’nF an einer Liveaufzeichnung von Radio Bremen TV im Musikclub Pier 2 teil und präsentierte unter anderem den Song How the Gipsy Was Born von 1971. Neben Rumpf traten Gäste wie Peter Maffay, Udo Lindenberg, The Pretty Things und Wolfgang Niedecken auf.[16]

Zu ihrem 70. Geburtstag gab Rumpf 2016 ein Konzert in der ausverkauften Fabrik in Hamburg. Dabei teilte sie die Bühne mit ihrer Begleitband und Gästen wie Stefan Stoppok, Alex Conti und Steffi Stephan vom Panikorchester.[17]

2018 erhielt Rumpf beim Baltic Blues Festival in Eutin den German Blues Award in der Kategorie „Beste Sängerin“; zwei Jahre später wurde sie in derselben Kategorie erneut ausgezeichnet.[3] Zu ihrem 75. Geburtstag im Jahr 2021 erschienen Beiträge über ihre bis dahin mehr als fünf Jahrzehnte umfassende Karriere in Magazinen wie Rocks,[18] Schall[19] und GoodTimes[20] sowie in Fernseh- und Radiosendungen wie Volle Kanne, Hamburg Journal, DAS! und NDR 90,3. Anlässlich ihres Geburtstags veröffentlichte sie über earMUSIC und Edel das aus Universe of Dreams und Hidden Tracks bestehende Doppelalbum, das neue Aufnahmen mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial verband.[21] Im selben Jahr erschien beim Hamburger Ellert & Richter Verlag ihre Autobiografie Darf ich was vorsingen? Eine autobiografische Zeitreise, in der sie ihre Kindheit, Tourneen und mehrere Jahrzehnte deutscher Musikgeschichte schilderte.[4]

Für den 13. September 2026 kündigte Rumpf anlässlich ihres 80. Geburtstags ein Konzert in der Elbphilharmonie mit musikalischen Weggefährten aus sechs Jahrzehnten an; von dem Auftritt soll ein Live-Mitschnitt erscheinen.[3] Auch im hohen Alter blieb sie als Sängerin und Musikerin aktiv.[3]

Diskografie (Auswahl)

Schnelle Fakten
Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Alben[22]
Universe of Dreams
 DE406.08.2021(5 Wo.)
 CH7108.08.2021(2 Wo.)
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Solo

  • 1968 – Schade um die Tränen
  • 1975 – Second Hand Mädchen
  • 1978 – My Life Is a Boogie
  • 1979 – I Know Who I Am
  • 1981 – Reality
  • 1984 – Lieben. Leiden. Leben.
  • 1986 – Two Is One
  • 1996 – In the 25th Hour
  • 1998 – In the Beginning
  • 1999 – Walking in the Light
  • 2004 – Live im Michel
  • 2005 – Easy in My Soul
  • 2006 – London – New York – Berlin
  • 2007 – Get Rolling Stoned
  • 2013/2014 – White Horses (Doppel-LP 2013, CD 2014)
  • 2021 – Universe of Dreams / Hidden Tracks (2 CDs/LPs)

Mit anderen Künstlern

  • 1965 – Die City PreachersFolklore
  • 1966 – Die City Preachers – Warum?
  • 1967 – Die City Preachers – Cool Water
  • 1968 – Inga & John von den City Preachers – Bonnie & Clyde
  • 1970 – Dagmar KrauseI.D. Company
  • 1970 – FrumpyAll Will Be Changed
  • 1971 – Frumpy – Frumpy 2
  • 1972 – Jean-Jacques KravetzKravetz (aka 8 Days in April – The Hamburg Scene)
  • 1972 – Frumpy – By the Way
  • 1972 – Frumpy – Live
  • 1972 – AtlantisAtlantis
  • 1973 – Atlantis – It’s Getting Better
  • 1974 – Atlantis – Ooh, Baby
  • 1974 – Udo LindenbergCowboy Rocker
  • 1975 – Atlantis – Get on Board
  • 1975 – Atlantis – Live at Fabrik
  • 1976 – Atlantis – Top of the Bill
  • 1976 – Peter HerbolzheimerHip Walk
  • 1982 – Udo Lindenberg – Intensivstationen
  • 1990 – Frumpy – Now
  • 1991 – Frumpy – News
  • 1992 – Joja Wendt Trio feat. Inga Rumpf – Cookin’
  • 1993 – NDR BigbandIt’s a Man’s World
  • 1994 – Inga Rumpf & Joja Wendt – Fifty-Fifty
  • 1995 – Nils GessingerDucks‘N‘Cookies
  • 1995 – NDR Bigband – The Spirit of Jimi Hendrix
  • 1995 – Frumpy – Live Ninetyfive
  • 1996 – Inga Rumpf & Joja Wendt – In the 25th Hour
  • 1997 – Inga Rumpf & Joja Wendt Quartett – Live at Lloyd’s
  • 1997 – Frumpy – Best of
  • 1997 – Rockship – Rough Enough
  • 2007 – Inga Rumpf & Friends – At Rockpalast (CD und DVD)
  • 2008 – Jean-Jacques Kravetz – Jubilé · 40 Jahre Rock Musik
  • 2012 – NDR Bigband und NDR RadiophilharmonieRadio Love (3 CDs)
  • 2014 – Diverse Künstler – Rotkäppchen & seine Freunde
  • 2015 – Inga Rumpf & KK’nF – Still Got the Rock (2 CDs)

Literatur

Commons: Inga Rumpf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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