Inge Strauch
Prof. für Klinische Psychologie und Schlafforscherin, Präsidentin der Senioren-Universität Zürich
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Inge Henriette Strauch (* 4. April 1932 in Dresden; † 24. August 2017 in Zürich) war eine deutsch-schweizerische Psychologin und Professorin der Universität Zürich.[1]
Leben
Sie wuchs in der Nähe von Köln als Einzelkind auf. Ihr Vater war Beamter in einer Bankfiliale, die Mutter Hausfrau. Sie besuchte von 1938 bis 1952 die Volksschule und das Gymnasium in Gummersbach. Nach dem Abitur wählte sie Psychologie als Studienrichtung und von 1952 an studierte sie Psychologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. 1956 legte sie ihre Diplomprüfung ab und begann im gleichen Jahr an dem 1950 von Hans Bender gegründete Freiburger Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) eine Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft. 1958 wurde sie zum Dr. phil. promoviert mit einem Thema aus dem „psychohygienischen Forschungsprogramm“ des IGPP; die von Hans Bender betreute Arbeit hieß Zur Frage der „Geistigen Heilung“: Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung an einem „Geistigen Heiler“ und seinen Patienten. Ein weiterer Schwerpunkt in der Freiburger Zeit war ihre Ausbildung in Graphologie als Teil der damals üblichen Psychodiagnostik. Sie war auch beteiligt an dem redaktionell überarbeiteten Werk von Robert Heiss Die Deutung der Handschrift. Bei ihm habilitierte sie sich 1968 mit einer Arbeit über Untersuchungen zum Erleben im Schlaf. Im Rahmen eines Forschungsaufenthaltes 1961/62 in den USA ließ sie sich in EEG- und EOG-Methode, mit denen REM-Phasen (Rapid Eye Movements) untersucht werden konnten, ausbilden. Sie verbrachte auch mehrere Monate am damaligen Parapsychologischen Labor von Joseph Banks Rhine an der Duke University, wo sie quantitativ-statistische Experimente zur außersinnlichen Wahrnehmung durchführte. Ihr Aufenthalt in den USA wurde wesentlich gefördert durch ein Stipendium der in New York ansässigen „Parapsychology Foundation“ (PF), mit deren Präsidentin, Eileen J. Garrett, sie ein langjähriges freundschaftliches Verhältnis verband. Zurückgekehrt nach Deutschland arbeitete sie von 1970 bis 1976 als Wissenschaftliche Rätin und Professorin auf Lebenszeit bzw. Extraordinaria für klinische Psychologie im Fach Psychologie an der Universität des Saarlandes und konnte hier ein eigenes Schlaflabor aufbauen. 1976 wurde sie auf ein Ordinariat für Klinische Psychologie an der Universität Zürich berufen, das sie bis zu ihrer Emeritierung 1999 bekleidete.
Werk
Die experimentelle Schlaf- und Traumforschung war seit ihrer Zeit in Freiburg ihr zentrales Forschungsthema. In ihren Zürcher Jahren entfaltete sie eine reichhaltige Forschungs- und Lehrtätigkeit auf dem Gebiet der experimentellen Schlaf- und Traumforschung und führte zahlreiche empirische Studien zur Phänomenologie des Traumes durch. Durch die Entdeckung des REM-Schlafs wurde es möglich, im Schlaflabor die Probanden gezielt in jenen Schlafphasen zu wecken, in denen sie sich besonders gut an Träume erinnern können. Bisher war man in der Wissenschaft allein auf morgendliche Traumerzählungen angewiesen gewesen. Nun konnte man Probanden bis zu viermal pro Nacht wecken, sie ihre Träume erzählen und dann wieder einschlafen lassen.[2] Pionierarbeit leistete sie im deutschsprachigen Raum mit ihrer Studie über die Traum- und Phantasiewelt von Kindern, die sich im Übergang von der Kindheit in die Jugendzeit befinden, oder mit ihrer über drei Jahrzehnte umfassenden Langzeitstudie, die von der späten Kindheit bis ins Erwachsenenalter reicht und die Qualität, Quantität und Entwicklung der Schlafgewohnheiten verfolgt.[3]
Ehrungen/Positionen
Publikationen (Auswahl)
- Monografien
- Zur Frage der „Geistigen Heilung“: Ergebnisse einer experimentellen Untersuchung an einem „Geistigen Heiler“ und seinen Patienten. Diss. phil. (masch.), Freiburg i. Br. 1958.
- Mit Robert Heiß: Die Deutung der Handschrift, Beiheft mit Schriftbeispielen (3., völlig umgearb. u. erw. Aufl.). Claassen Verlag, Hamburg 1966.
- Untersuchungen über das Erleben im Schlaf. Ein Beitrag zur experimentellen Schlaf- und Traumforschung. Hab. Schr. an der Univ. Freiburg (masch.), Freiburg i. B. 1968.
- Träume im Übergang von der Kindheit ins Jugendalter: Ergebnisse einer Langzeitstudie. Huber, Bern 2004, ISBN 978-3-456-84035-2.
- Mit B. Meier: Den Träumen auf der Spur: Zugang zur modernen Traumforschung (2., vollst. überarb. u. erg. Aufl.). Huber, Bern 2004, ISBN 978-3-456-84138-0.
- Englische Ausgabe: Mit B. Meier: In search of dreams: Results of experimental dream research. (Translated from German by Martin Ebon.) State University of New York Press, Albany, NY 1996, ISBN 0-7914-2760-9.
- Traum (= Fischer Kompakt 16493). Fischer, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3-596-30228-4.
- Mit Maier-Michalitsch; Barbara Fornefeld; Olaf Kraus de Camargo; Klaus Sarimski: Leben pur – Schlaf bei Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen. Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm), Düsseldorf 2008, ISBN 978-3-910095-70-0.
- Schlafgewohnheiten und Schlafqualität: Von der späten Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Schattauer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-7945-6618-1.
- Herausgeberschaften
- Mit Hans Bender (Übersetzer): G. N. M. Tyrrell: Mensch und Welt in der Parapsychologie. Schünemann Verlag, Bremen 1972, ISBN 978-3-7961-3028-1.
- Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
- Zur Frage der „Geistigen Heilung“ . In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 1958/592, 41–64.
- Untersuchungen über verschiedene Stufen der Traumerinnerung. In: H. Thomae (Hrsg.): Bericht über den 22. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (S. 285–287). Hogrefe, Göttingen1960.
- Zur Frage der „Geistigen Heilung“ II. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 1960/61, 4, 24–55.
- Vierter jährlicher Kongress der Parapsychological Association. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 1961/62, 5, 75–78.
- Konferenzbericht über „Psychophysiologische Korrelate bei paranormalen Vorgängen“ . In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 1964, 7, 66–78.
- Methoden, Ergebnisse und Probleme der modernen experimentellen Traumforschung. In: Psychologische Forschung, 1965, 28, 363–390.
- Medical aspects of „mental“ healing. In: International Journal of Parapsychology, 1963, 5, 135–165.
- Bericht über den fünften jährlichen Kongress der Parapsychological Association. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 1962/63, 6, 85–93.
- Zur Methodik telepathischer Traumexperimente. In: Zeitschrift für Parapsychologie und Grenzgebiete der Psychologie, 1965, 8, 55–66.
- Telepathische Traumexperimente mit physiologischen Kontrollmethoden. In: H. Bender (Hrsg.): Parapsychologie – Entwicklung, Ergebnisse, Probleme (S. 698–709). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1966.
- Dreams and psi in the laboratory. In: R. Cavanna (Hrsg.): Psi favorable states of consciousness (S. 46–54). Parapsychology Foundation, New York, NY 1970.
- The case for telepathy as revealed in sleep research findings. In: B. Shapin & L. Coly (Hrsg.): Psi and States of Awareness (S. 221–229), Discussion, (S. 229–237). Parapsychology Foundation, New York, NY 1978.
- Telepathie und Traum im Experiment. In: G. Condrau (Hrsg.): Die Psychologie des 20. Jahrhunderts, Band XV (S. 618–625). Zürich: Kindler 1979.
- Mit Roberto Saredi; George W. Baylor; Barbara Meier: Current Concerns and REM-Dreams: A Laboratory Study of Dream Incubation. In: Dreaming, 1997, 7 (3), S. 195–208.
- Mit Sibylle Lederbogen: The Home Dreams and Waking Fantasies of Boys and Girls Between Ages 9 and 15: A Longitudinal Study. In: Dreaming, 1999, 9 (2–3), S. 153–161.
- Magische und paranormale Phänomene in Träumen. In: E. Rüther; A. Gruber-Rüther; M. P. Heuser (Hrsg.): Träume (S. 355–361). Verlag Integrative Psychiatrie, Innsbruck 2001.
- Mit Jiri Wackermann; Peter Pütz; Simone Büchi; D. Lehmann: Brain electrical activity and subjective experience during altered states of consciousness: Ganzfeld and hypnagogic states. In: International Journal of Psychophysiology, 2002, 4 6(2), S. 123–146.
- Mit Dieter Vaitl; Niels Birbaumer; John Gruzelieret al.: Psychobiology of Altered States of Consciousness. In: Psychology of Consciousness: Theory, Research, and Practice 2013, 1, S. 2–47.
Weblinks
- Literatur von und über Inge Strauch im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Eberhard Bauer: Professor Inge Strauch (1932-2017) „La grande dame“ der europäischen Traumforschung In: Zeitschrift für Anomalistik, 2017, 17, S. 358–365.
- † Prof. Dr. phil. Inge Strauch auf Universität Zürich, abgerufen am 23. November 2025.
- Inge Strauch University of Zurich auf Research Gate, abgerufen am 23. November 2025.
- David Werner: Eine Forscherin auf der Spur der Träume auf Universität Zürich, abgerufen am 23. November 2025.