Ingeborg-Bachmann-Preis 2026
50. Vergabe eines Preises für deutschsprachige Literatur
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Der Ingeborg-Bachmann-Preis 2026 war der 50. Wettbewerb um den Literaturpreis im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur. Die Veranstaltung fand vom 24. bis zum 28. Juni 2026 in Klagenfurt am Wörthersee statt. Lesungen und Diskussionen sowie die Preisfindung wurden im Fernsehprogramm von 3sat sowie in dem Programm Dokumente und Debatten des Deutschlandradios übertragen.[1] Die Moderatoren waren, wie im Vorjahr, Cécile Schortmann und Peter Fässlacher.[2]

Eröffnung

Die Klagenfurter Rede zur Literatur, traditionell Auftakt der Veranstaltung, wurde von Helga Schubert gehalten, die 2020 mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet worden war. Mit dem Titel ihrer Rede zitierte sie den Bibelvers Und führe uns nicht in Versuchung (Mt 6,13 LUT).[3][4] Inhaltlich ging es ihr vor allem darum, Ingeborg Bachmann nicht wie so häufig beobachtbar an ihren biografischen Schwächen festzumachen, sondern an ihren hervorragend ausgearbeiteten, ausdrucksstarken Texten.
Autoren und Autorinnen
Die Namen der zur Lesung Eingeladenen wurden am 22. Mai 2026 bekanntgegeben.[5][6][7] Die Reihenfolge der Lesungen wurde in diesem Jahr bereits am Dienstag, 17:30 Uhr, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung des Bewerbs, durch das Los ermittelt. In der Vergangenheit war die Auslosung im Rahmen der Eröffnung vor Livepublikum durchgeführt worden. Weil 3sat die Eröffnung ebenfalls erstmals live übertrug, blieb im gestrafften Ablauf dafür keine Zeit.[2][8]
Erster Lesetag
- Fiona Sironic, D/A, Mikrobieller Befall, eingeladen von Laura de Weck
- Kurt Prödel, D, Portweinfleck, eingeladen von Thomas Strässle
- Jovana Reisinger, D, Die Rosen blühen, die Sonne scheint, die Erde dreht sich, nur Maria ist unglücklich, eingeladen von Mara Delius
- Kinga Tóth, H, OstblockMädl, eingeladen von Brigitte Schwens-Harrant
- Slata Roschal, D, Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet, eingeladen von Klaus Kastberger
- Fiona Sironic
- Kurt Prödel
- Jovana Reisinger
- Kinga Tóth
- Slata Roschal
Zweiter Lesetag
- Lena Schätte, D, Was wir tragen, eingeladen von Thomas Strässle[9]
- Ozan Zakariya Keskinkılıç, D, Vater ohne Sohn, eingeladen von Mara Delius
- Seraina Kobler, CH, Rifugio, eingeladen von Philipp Tingler
- Magdalena Schrefel, A, Kirschen, Herz mit Verband, eingeladen von Laura de Weck
- Caroline Rosales, D, Das Schiff des Theseus, eingeladen von Mithu Sanyal
- Lena Schätte
- Ozan Zakariya Keskinkılıç
- Seraina Kobler
- Magdalena Schrefel
- Caroline Rosales
Dritter Lesetag
- Derya Uzun, D, Fragmente eines Suizids, eingeladen von Mithu Sanyal
- Christoph Szalay, A, Amiata, eingeladen von Brigitte Schwens-Harrant
- Wolfgang Popp, A, Jetzt bin ich neugierig, eingeladen von Klaus Kastberger
- Gesche Heumann, D, Das tiefe Gesicht, eingeladen von Philipp Tingler
- Derya Uzun
- Christoph Szalay
- Wolfgang Popp
- Gesche Heumann
Juroren

Die Zusammensetzung der Jury blieb gegenüber dem Vorjahr unverändert.[1]
- Klaus Kastberger (Juryvorsitz)
- Mara Delius
- Laura de Weck
- Mithu Sanyal
- Brigitte Schwens-Harrant
- Thomas Strässle
- Philipp Tingler
Klaus Kastberger beendet mit diesem 50. Bachmann-Bewerb nach 12 Jahren seine Tätigkeit als Juror.[10][11]
Preise
Das Preisgeld für den Hauptpreis wurde gegenüber dem Vorjahr von 25.000 Euro auf 30.000 Euro erhöht.[12][13]
- Ingeborg-Bachmann-Preis (dotiert mit 30.000 Euro):[14] Lena Schätte.
- Deutschlandfunk-Preis (gestiftet von Deutschlandradio, dotiert mit 12.500 Euro): Ozan Zakariya Keskinkılıç.
- Kelag-Preis (dotiert mit 15.000 Euro): Kinga Tóth.
- 3sat-Preis (dotiert mit 7.500 Euro): Magdalena Schrefel.
- BKS-Bank-Publikumspreis (dotiert mit 7.000 Euro): Lena Schätte.
- Festivalschreiberin Carinthischer Sommer (dotiert mit 3.000 Euro): Lena Schätte.
- 3sat-Preis: Magdalena Schrefel
- Kelag-Preis: Kinga Tóth
- Deutschlandfunk-Preis: Ozan Zakariya Keskinkılıç
- BKS-Bank-Publikums-Preis u. Festival-Schreiberin „Carinthischer Sommer“: Lena Schätte
Literaturkurs
Nachdem die Stadt Klagenfurt den bisherigen Literaturkurs zuletzt aus Budgetgründen nicht mehr unterstützen konnte, veranstaltet das Robert-Musil-Institut für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchiv der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt mit Unterstützung des Landes Kärnten den Literaturkurs zum ersten Mal neu.[5]
Besonderheiten
Slata Roschal war die erste Autorin in der Geschichte des Wettbewerbs, die ihren Text, wie zuvor in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung angekündigt, las, von ihrem Platz im Studio aufstand und den Raum verließ. Sie tue das „[n]icht aus Protest, Es ist nicht mein Job, einer Jury zuzuhören. Wissen Sie, Kritik ist nicht das Problem in Klagenfurt.“ Vielmehr wolle sie auf die soziale Lage der Schriftsteller hinweisen, die „sehr stark in Konkurrenz zueinander stehen. … Bei jedem Wettlesen wird also die Situation der Autoren gewissermaßen ausgenutzt. Würde es allen Autoren gut gehen, würde sich niemand um einen Bachmann-Preis bewerben.“ Wer zum Bachmannpreis eingeladen werde, erhalte „ein Honorar von 1000 Euro, das ist nicht viel, weil man eine ganze Woche da sein muss und viel vorbereiten, aber immerhin. Der Standard für eine Lesung liegt in Deutschland so bei 500 bis 600 Euro.“[15][16]
Den Teilnehmerinnen Slata Roschal und Caroline Rosales war während des Bewerbs vorgeworfen worden, ihre Texte seien schon früher veröffentlicht worden, was nicht erlaubt wäre. Die Prüfung durch den Justiziar des ORF ergab in beiden Fällen, dass ein Verstoß gegen die Statuten der Tage der deutschsprachigen Literatur nicht vorliege. Eine Überschneidung des Beitrags von Roschal mit einer Leseprobe ihres Verlags sei nicht nachweisbar gewesen. Rosales’ Text habe zwar dasselbe Thema wie eine Reportage, die sie 2025 im Zeit Magazin veröffentlicht hatte,[17] es handele sich aber um eine eigenständige literarische Arbeit.[18]
Gesche Heumann las zum Abschluss des dritten Lesetags mit ihrem nur zwei DIN A4-Seiten langen Text Das tiefe Gesicht „den wohl kürzesten in der Geschichte des Bachmannpreises“.[19]