Institut für Chinastudien
Lehr- und Forschungseinrichtung der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt Chinawissenschaften
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Das Institut für Chinastudien ist eine regionalwissenschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtung der Freien Universität Berlin mit Schwerpunkt Chinawissenschaften. Es ist dem Ostasiatischen Seminar im Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften zugeordnet.
Das Institut ist die größte universitäre Forschungseinrichtung der Chinastudien in Deutschland und damit eins der bedeutendsten in Europa[1]. Das Institut ist politik-, sozial-, wirtschafts- und geschichtswissenschaftlich ausgerichtet. Es unterhält eine enge strategische Partnerschaft mit der Peking-Universität, mit der auch 2006 das an die Freie Universität angedockte Konfuzius-Institut gegründet wurde.
Geschichte
An der 1810 gegründeten Berliner Universität (heute Humboldt-Universität zu Berlin) wurden ab 1833 vom Orientalisten Wilhelm Schott und Linguisten Heymann Steinthal Vorlesungen zu chinesischer Sprache und Philosophie gehalten, auch der als Begründer der deutschen Sinologie geltende und erste Verfasser einer umfassenden chinesischen Grammatik auf deutscher Sprache Georg von der Gabelentz war dort tätig. 1887 wurde an der Berliner Universität das Seminar für Orientalische Sprachen (heute Institut für Asien- und Afrikawissenschaften) eingerichtet, insbesondere um Diplomaten und Beamten des Kolonialapparats sprachliche und landeskundliche Kompetenzen zu vermitteln. Im Nationalsozialismus wurden viele am Institut tätige Sinologen vertrieben oder verfolgt. Die im sowjetischen Sektor liegende Berliner Universität nahm Ende der 1940er Jahre wieder den Lehrbetrieb im Fach Sinologie auf.

Die 1948 im amerikanischen Sektor gegründete Freie Universität Berlin richtete 1956 in der Philosophischen Fakultät das Fach Sinologie ein. Zunächst war es klassisch-philologisch, ab Mitte der 1960 wurde es sozialwissenschaftlicher ausgerichtet. 1997 wurde es in den Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften eingegliedert.[2]
Studium
Am Institut ist ein Studium in den folgenden Studiengängen möglich:[3]
- B.A. Chinastudien (180 ECTS)
- Bachelor Plus Integrierte Chinastudien (240 ECTS)
- Kombi-Bachelor Chinesische Sprache und Gesellschaft (mit und ohne Lehramtsoption) (60 oder 90 von 180 ECTS)
- M.A. Chinastudien (120 ECTS)
- Master Plus Integrierte Chinastudien (60 ECTS)
- M.Ed. Chinesisch (+ Zweitfach) für das Lehramt an ISS/Gymnasien (37 oder 42 von 120 ECTS)
- M.A. Global East Asia
Das Institut ermöglicht Direktaustauschprogramme mit u. a. Peking University, Zhejiang University, Fudan University, Nanjing University, Shanghai International Studies University, National Taiwan University, National Taiwan Normal University und National Chengchi University.[4]
Die Graduiertenschule für Promovierende Graduate School of East Asian Studies ist kein Teil des Instituts für Chinastudien, es bestehen jedoch enge inhaltliche und personelle Verbindungen.
Forschung
Das Institut für Chinastudien unterhält die folgenden Forschungsschwerpunkte:[5]
- Politik und Wirtschaft
- Geschichte
- Digitales China
- Gesellschaft
- Sprachwissenschaft und Fachdidaktik
- Literatur und visuelle Kultur
- Religion
- Umwelt
Aktuell (Stand Februar 2026) laufen am Institut die folgenden Forschungsprojekte:[6]
- Religion in China Matters: Religionen in der deutsch-chinesischen politischen und gesellschaftlichen Zusammenarbeit von Christian Meyer, Richard Ellguth und Anton Terhechte, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (Kooperation mit Philip Clart von der Universität Leipzig, Kristin Shi-Kupfer von der Universität Trier, Carsten Krause von der Universität Hamburg, Isabel Friemann von der China-Info-Stelle Hamburg und Katharina Wenzell-Teuber vom China-Zentrum Sankt Augustin).
- DigiChaF: Förderung der Textproduktionskompetenz von Schülerinnen und Schülern durch einen digital gestützten Erwerb schriftlicher Kompetenzen im Chinesischunterricht von Andreas Guder und Andrea Frenzel, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (Kooperation mit Ariane Willems von der Universität Göttingen)
- Kompetenzstandards für Chinesisch im deutschen Bildungssystem von Andreas Guder und Susann Fowler, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (Kooperation mit Olaf Bärenfänger von der Universität Leipzig)
- PRIVACY-CHINA von Genia Kostka, gefördert von der Volkswagenstiftung (Kooperation mit Rachel Murphy von der Universität Oxford)
- SCRIPTS: Reinterpreting the alternative script? War in Ukraine, state-sponsored narratives of block building in authoritarian countries and their public perception von Genia Kostka (Kooperation mit Alexander Libman vom Osteuropainstitut der Freien Universität)
- Governing with Data: Local Experimentation in Authoritarian China von Genia Kostka und Danqi Guo, gefördert vom Europäischen Forschungsrat
- The Invention of the Modern Religious Bookshelf: Canons, Concepts and Communities von Christian Meyer im Exzellenzcluster Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective
- Campus trifft Schule: China-Kompetenz an Berliner Schulen von Andreas Guder und Aurica Liebing, gefördert vom Bildungsnetzwerk China von Stiftung Mercator und Goethe-Institut
Bedeutende Personen
Professuren
| Professur | aktuelle Besetzung | Berufung | Etablierung der Professur | Vorgänger |
|---|---|---|---|---|
| Politik Chinas | Genia Kostka | 2017 | 1971 | Bodo Wiethoff, Erling von Mende |
| Kultur und Geschichte des modernen China | Klaus Mühlhahn | 2010 | 1969 | Kuo Heng-yü, Eberhard Sandschneider, Bettina Gransow |
| Kultur und Geschichte Chinas mit Schwerpunkt Religionen | Christian Meyer | 2016 | 2016 | |
| Didaktik des Chinesischen sowie Sprache und Literatur Chinas | Andreas Guder | 2019 | 2019 | |
| Staat und Gesellschaft des modernen China | Sabrina Habich-Sobiegalla | 2022 | 2022 | |
| Neuere chinesische Geschichte und Zeitgeschichte | seit 2014 unbesetzt | 1990 | Mechthild Leutner | |
| Quelle: [7] | ||||
Bekannte ehemalige Mitarbeitende
- Walter Fuchs (1902–1979) – Institutsleiter 1956–1961
- Alfred Hoffmann (1911–1997) – Institutsleiter 1961–1963
- Bodo Wiethoff – Professor für die Geschichte Chinas, 1969–1977
- Erling von Mende (* 1940) – Professor für die Geschichte Chinas, 1977–2007
- Kuo Heng-Yü (1929–2011) – Professor 1971–1994
- Eberhard Sandschneider – Professor 1998–2003
- Bettina Gransow (* 1949) – Professorin 2003–2017
- Mechthild Leutner (* 1948) – Professorin 1990–2014
- Katja Levy – Juniorprofessorin
- Elena Meyer-Clement – Juniorprofessorin
- Rudolf G. Wagner (1941–2019) – Assistenzprofessor 1972–1974, Dozent 1978–1983
- Karin Betz (* 1968) – Gastprofessur 2021–2022
- Mayke Wagner – Honorarprofessorin 2010–2012
- Wolfgang Kubin (* 1945) – Wissenschaftlicher Assistent und Dozent (1977–1985)
- Hartmut Walravens (* 1944) – Habilitation 2001
- Ralf Moritz (* 1941) – Gastprofessur 2009–2010
Alumni
- Martin Gimm (1930–2025) – Professor für Sinologie an Manjuristik an der Universität zu Köln
- Nils Diederich (* 1934) – Politiker (SPD) und Politikwissenschaftler
- Hagen Blau (* 1935) – Diplomat und Agent
- Adrian Hsia (1938–2010) – Professor am Institute for German Studies der McGill University
- Jenny Schon (* 1942) – Autorin
- Dagmar Yu-Dembski (1943–2023) – Journalistin, Autorin und Übersetzerin
- Walter Jaeschke (1945–2022) – Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, Direktor des Hegel-Archivs
- Bettina Gransow (* 1949) – Professorin für Sinologie an der Freien Universität Berlin
- Raimund Kolb (* 1949) – Professor für Sinologie an der Universität Würzburg
- Jürgen Ebertowski (1949–2025) – Autor, Sprach- und Aikidolehrer
- Jörg-Meinhard Rudolph (* 1951) – Gründungspräsident der Deutschen Handelskammer in Peking, Dozent für Sinologie an der Fachhochschule Ludwigshafen
- Jost Gippert (* 1956) – Professor für Vergleichende Sprachwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Jürgen Kremb (* 1957) – Journalist, Autor und Unternehmer
- Oliver Corff (* 1958) – Sinologe, Militärwissenschaftler und Übersetzer, Autor des Fünfsprachenspiegels
- Mareile Flitsch (* 1960) – Professorin für Ethnologie an der Universität Zürich und Direktorin des Völkerkundemuseums der Universität Zürich
- Ingo Nentwig (1960–2016) – Sinologe und Ethnologe
- Yan Xu-Lackner – Professorin für Sinologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
- Richard A. H. King (* 1962) – Professor für Philosophie an der Universität Bern
- Iwo Amelung (* 1962) – Professor für Sinologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
- Klaus Mühlhahn (* 1963) – Professor für Sinologie an der Freien Universität Berlin
- Alice Grünfelder (* 1964) – Autorin und Übersetzerin
- Petra Sigmund (* 1966) – Deutsche Botschafterin in Japan
- Frank Kraushaar (* 1967) – Professor für Sinologie an der Universität Innsbruck
- Diana Zimmermann (* 1971) – Journalistin, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios
- Stephan Thome (* 1972) – Philosoph und Schriftsteller
- Gideon Joffe (* 1972) – Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Shao-Lan Hertel (* 1981) – Kunsthistorikerin, wissenschaftliche Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst in Köln
- Lennart Felix (* 1993) – Pianist, Musiker und Autor
- Lea Schneider (* 1989) – Schriftstellerin und Übersetzerin