International Transgender Day of Visibility
jährlicher Aktionstag
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Der International Transgender Day of Visibility (TDoV, deutsch Internationaler Tag zur Sichtbarkeit von trans Menschen) ist ein jährlich stattfindender Fest-, Gedenk- und Demonstrationstag, mit welchem weltweit auf die Diskriminierung von transgeschlechtlichen und nichtbinären Personen aufmerksam gemacht werden soll und für ihre Rechte demonstriert wird.[1] Der Tag wird seit 2009 am 31. März begangen.[2]

Geschichte

Nach der Ermordung von Rita Hester 1998 wurde der Transgender Day of Remembrance (TDoR, deutsch Tag des Gedenkens an trans Menschen) ins Leben gerufen, welcher den Fokus vor allem auf die Opfer von transphober Gewalt legte. Rachel Crandall-Crocker, eine trans Frau aus Michigan, die ihre Ehe und ihren Job durch ihr Outing verloren hat, fühlte sich von der Schwere des Tages erdrückt, dem bis dahin einzigen offiziellen Gedenk- oder Feiertag für trans Personen. Sie wollte einen Tag schaffen, der den Fokus weniger auf die negativen Seiten lenkt und mehr zum Feiern und Zeigen der Identitäten einlädt. Daher rief sie 2009 den ersten International Transgender Day of Visibility ins Leben, indem sie über Facebook Menschen dazu aufforderte, Veranstaltungen in ihren Heimatstädten abzuhalten. Das Datum wählte sie deshalb, weil es weit entfernt vom Transgender Day of Remembrance im November und dem Pride-Monat Juni ist. Sie organisierte eine Veranstaltung in der Nähe von Detroit, und in den folgenden Jahren folgten unzählbare Veranstaltungen weltweit. Mittlerweile wird der Tag laut PBS von allen bedeutenden LGBTQ-Organisationen anerkannt.[2] Zu den Veranstaltungen gehören auch immer wieder öffentlichwirksame Aktionen wie das Beleuchten des One World Trade Center oder der Niagarafälle in den Farben der Transgender-Flagge.[3]
2021 würdigte Joe Biden als erster US-Präsident den International Transgender Day of Visibility mit einer Rede, in welcher er den Kampf und den Aktivismus der Community lobte und alle Amerikaner aufforderte, sich für gleiche Rechte von trans Personen einzusetzen.[4][5] Im darauffolgenden Jahr lud Biden die Jeopardy!-Gewinnerin Amy Schneider in das Weiße Haus ein, um den Tag zu begehen.[6]
“Today, we honor and celebrate the achievements and resiliency of transgender individuals and communities. Transgender Day of Visibility recognizes the generations of struggle, activism, and courage that have brought our country closer to full equality for transgender and gender non-binary people in the United States and around the world.”
„Heute ehren und feiern wir die Leistungen und Widerstandfähigkeit von trans Personen und der Community. Der Transgender Day of Visibility erkennt den generationenlangen Kampf, Aktivismus und Mut an, welcher unser Land näher zu einer vollständigen Gleichstellung für trans und nichtbinäre Personen in den Vereinigten Staaten und auf der restlichen Welt gebracht hat.“
Im Oktober 2025 verbreitete die Trump-Regierung über die offizielle Webseite des Weißen Hauses die Falschaussage, dass Joe Biden 2024 den Transgender Day of Visibility bewusst auf den Ostersonntag gelegt hätte, welcher 2024 auf den 31. März fiel. Illustriert wurde der Beitrag mit einem Foto einer nahezu barbusigen trans Aktivistin, welches von den Feierlichkeiten zum Pride Month stammte.[7] Dies wurde in konservativen Kreisen aufgegriffen und als eine bewusste Einschränkung von christlichen Werten gewertet.[8] Auch die im Februar 2025 von US-Präsident Donald Trump erlassene Executive Order Nr. 14202 Eradicating Anti-Christian Bias (deutsch „Beseitigung anti-christlicher Vorurteile“) bezeichnete diesen Vorfall als „inakzeptable Diskriminierung von Christen“.[9][10]
Situation in verschiedenen Ländern
Deutschland

In Deutschland haben laut dem Queer-Beauftragten der Bundesregierung Straftaten gegen trans Personen zugenommen, worauf die Veranstaltungen in Deutschland hinweisen sollen, darüber hinaus auch auf eine bessere Repräsentation durch Sichtbarkeit in der Sprache.[11] Auch die Bundestagsabgeordnete Tessa Ganserer betonte in einem Interview mit der Tagesschau anlässlich des Sichtbarkeitstages im Jahr 2023, dass mit der steigenden Sichtbarkeit von trans Menschen die Darstellungen in den Medien dennoch stereotyp verbleiben würden und es weiterhin Maßnahmen zur Vielfalt und Akzeptanz benötige, um die Akzeptanz von trans Personen in der Gesellschaft weiter zu fördern und zu unterstützen.[12]
In vielen deutschen Städten fanden in der Vergangenheit unterschiedliche Veranstaltungen zu dem Tag statt. Darunter waren neben Demonstrationen auch Workshops, Diskussionsrunden, Partys oder Drag-Shows.[13][14] So hisst der Bezirk Tempelhof-Schöneberg in Berlin bereits seit 2010 jährlich die Transgender-Flagge am eigenen Bezirksamt und konnte 2024 auf 15 Jahre der feierlichen Würdigung zurückblicken.[15] In München wurde 2025 außerdem die Transgender-Flagge am Fischbrunnen gehisst.[16]
„Als Bürgermeisterin ist es mir ein Anliegen, die trans* Community zu unterstützen. Trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Menschen sind ein selbstverständlicher Teil von München. Diese Vielfalt bereichert uns alle und ist eine Stärke. Ich freue mich, dass München heute für die trans* Community leuchtet.“
Österreich
Auch in Österreich wird durch zahlreiche Veranstaltungen sowie durch Stimmen aus der Politik auf die Situation von trans Personen aufmerksam gemacht, welche sich stellenweise auch wieder verschlechtert. So kritisierte Ewa Ernst-Dziedzic 2021, dass sich die Gesundheitsversorgung europaweit eher verschlechtert. So wird der Tag genutzt, um auf die Missstände aufmerksam zu machen.[17] Die Bezirkschefin Saya Ahmad und SPÖ-Bezirksrätin Dominique Mras eröffneten anlässlich des International Transgender Day of Visibility 2021 den ersten Trans*-Pride-Zebrastreifen Wiens in der Spitalgasse, um damit, so Ahmad, ein klar sichtbares „Zeichen des Respekts, der Akzeptanz und vor allem der Sichtbarkeit“ in der Stadt zu setzen.[18]
Schweiz
Durch Demonstrationen und Workshops wird auch in der Schweiz auf die Rechte von trans Menschen aufmerksam gemacht und gleichzeitig ihre Erfolge gefeiert.[19] Im Rahmen des Gedenktages macht die Organisation trans welcome auf die Problematiken auf dem Arbeitsmarkt für trans Personen aufmerksam. Sie führt eine Liste mit 186 Schweizer Unternehmen und Organisationen, welche sich für die Rechte einsetzen. Unter ihnen ist auch der Kanton Zug.[20]
Weitere Länder

In vielen Ländern weltweit sind die Rechte von trans Personen stark bedroht, und viele trans Personen weltweit müssen mit starker Diskriminierung, auch von struktureller Seite, sowie Gewalt leben. Viele Medien, wie die international ausstrahlende Deutsche Welle, nutzen den Tag, um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken.[1] Auch Amnesty International betont die Wichtigkeit der Veranstaltungen, da Transidentität in der Wahrnehmung vieler Menschen, inklusive Betroffener, nicht vorkommt.[21]
Kritik
Insbesondere aus der schwarzen Community in den USA wird kritisiert, dass Sichtbarkeit allein die Gefahr berge, mehr Fokus auf trans Personen zu lenken und damit einen Raum für Gewalttaten zu schaffen.[22] Die Journalistin Mona Siegers betonte, dass neben der Sichtbarkeit auch auf die Sicherheit von transgeschlechtlichen und nichtbinären Menschen geachtet werden müsse und dass sie noch immer stark auf den Schutz durch cis Personen angewiesen sind.[23]