Interschutz
Messe für Rettung, Brand- und Katastrophenschutz
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Bei der Interschutz handelt es sich um die Weltleitmesse[1] für die Bereiche Rettungsdienst, Brand- bzw. Katastrophenschutz und Sicherheit, die seit dem Jahr 2000 regelmäßig in Hannover stattfindet. Die ursprünglich für 2020 geplante Ausgabe wurde wegen der COVID-19-Pandemie auf 2022 verschoben.


Vorgeschichte
Als erste überregionale Feuerwehrausstellung in Deutschland gilt die 1901 in Berlin veranstaltete „Internationale Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungswesen“, die zeitgleich mit dem ersten Kongress des internationalen Feuerwehrverbandes CTIF stattfand.[2]
Unmittelbarer Vorläufer der heutigen Interschutz war die Dresdner Jahresschau 1935 unter dem Titel „Der Rote Hahn – Deutsche Volksschau für Feuerschutz und Rettungswesen“. Der Beschluss zur Durchführung war 1934 durch die NSDAP-Reichsführung in Abstimmung mit dem Innen-, dem Propaganda- und dem Reichsluftfahrtministerium gefasst worden; mit Organisation und Planung wurden das Reichshauptamt für Volkswohlfahrt (Abteilung Schadensverhütung) sowie die Stadt Dresden betraut.[3] Die Schau war zugleich als Feuerwehr- und Luftschutzausstellung angelegt und lief von Juni bis September 1935 auf dem Ausstellungsgelände am Stübelplatz.[3]
Den Namen „Der Rote Hahn“ – seit dem Mittelalter ein Sinnbild für ein Schadfeuer – ergab ein Preisausschreiben des Dresdner städtischen Ausstellungsamtes. Unter den eingesandten Vorschlägen lagen „Heiliger Florian“ und „Feuerschutz – Volksschutz“ zahlenmäßig weit vorn; „Der Rote Hahn“ war nur von 38 Einsendern vorgeschlagen worden. Der mit 100 Mark dotierte Hauptpreis ging an den Dresdner Maler und Grafiker Helmut Müller-Molo.[3]
Organisator der Dresdner Schau war der städtische Feuerwehrchef August Ortloph, der 1945 von den Alliierten seines Amtes enthoben wurde, 1950 zu den Mitbegründern der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) gehörte und als einer der Initiatoren der nach dem Krieg wiederbelebten Ausstellungsreihe gilt.[3][4]
Beschreibung
Rechteinhaberin und ideelle Trägerin der Interschutz ist die vfdb, die für die Durchführung jeweils eine Messegesellschaft als Ausrichter gewinnt und den ideellen Teil der Veranstaltung selbst organisiert. Dieses Modell besteht seit der ersten Ausstellung 1953 und erklärt die wechselnden Austragungsorte der frühen Jahre (Essen, Köln, Frankfurt am Main), bevor sich die Messe ab 1980 weitgehend in Hannover etablierte.[5] Ein Kennzeichen der Interschutz ist dabei das Nebeneinander kommerzieller und ideeller Aussteller; Letztere – Verbände, Feuerwehren und Organisationen ohne kommerzielle Interessen – prägen das Messeprogramm seit der ersten Ausstellung mit.[5]



Auf der Messe stellen Produzenten von speziellen Geräten und Zubehör aus den Bereichen Feuerwehr und Rettungsdienst ihre neuen Produkte vor, die teilweise auch direkt vor Ort gekauft werden können. Daneben gibt es Vorführungen und Vorträge zu den genannten Themenbereichen.
Veranstaltungsorte
der Vorläuferveranstaltung „Internationale Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungswesen“
- 1901: Berlin
der Vorläuferveranstaltung „Der Rote Hahn“[6]:
der Vorläuferveranstaltung „Der Rote Hahn“ mit dem Namenszusatz „Interschutz“[6]:
- 1961: Köln (erstmals bezeichnet als „Der Rote Hahn – Interschutz“)
- 1972: Frankfurt am Main
der „INTERSCHUTZ – Der Rote Hahn“[7][8]:
- 1980: Hannover (zusammen mit dem Deutschen Feuerwehrtag)
- 1988: Hannover
- 1994: Hannover
- 2000: Augsburg (zusammen mit dem Deutschen Feuerwehrtag)
- 2005: Hannover
- 2010: Leipzig (zusammen mit dem Deutschen Feuerwehrtag)
- 2015: Hannover
- 2022: Hannover (zusammen mit dem Deutschen Feuerwehrtag), wegen der COVID-19-Pandemie von 2020 auf 2022 verschoben[9]
- 2026: Hannover[10]
- 2030 (20. bis 25. Mai): Hannover
Kennzahlen der Veranstaltungen
| Jahr | Ort | Datum | Besucher | Aussteller | Ausstellungsfläche |
|---|---|---|---|---|---|
| 1953 | Essen | 03.–14. Juni | 75.000 | 232 | 62.000 m²[11] |
| 1961 | Köln | 21. Juni–02. Juli | 67.000 | 187 | ~80.000 m²[11] |
| 1972 | Frankfurt am Main | 24. Juni–02. Juli | >72.000 (aus 65 Ländern) | 279[11][Anm 1] | keine Angabe |
| 1980 | Hannover | 07.–15. Juni[Anm 2] | ~124.000 (aus 67 Ländern) | 388 | 65.000 m²[11] |
| 1988 | Hannover | 28. Mai–02. Juni | >134.000 | 576 | 64.000 m²[11] |
| 1994 | Hannover | 03.–08. Juni | 138.424 | 863 | 95.349 m²[11][Anm 3] |
| 2000 | Augsburg | 21.–25. Juni | 127.039 | 1.017 | 73.040 m²[11] |
| 2005 | Hannover | 06.–11. Juni | rund 137.000 | 1.345 | 92.000 m²[11][Anm 4] |
| 2010 | Leipzig | 07.–12. Juni | ~124.000 (aus 46 Ländern) | 1.346 | 90.000 m²[11] |
| 2015 | Hannover | 08.–13. Juni | 157.000 | 1.453 (aus 51 Ländern) | 107.327 m²[11] |
| 2022 | Hannover | 20.–25. Juni | 95.000 | 1.296 (aus ~50 Ländern) | >84.000 m²[11][Anm 5] |
| 2026 | Hannover | 01.–06. Juni | ~140.000 (aus 144 Ländern) | 1.772 (aus 55 Ländern) | ~120.000 m²[12] |
| 2030 | Hannover | 20.–25. Mai | geplant[12] | ||
Todesfall 2026
Während der Interschutz 2026 verstarb am 4. Juni ein Berufsfeuerwehrmann, der an den auf dem Messegelände ausgetragenen FireFit European Championships teilgenommen hatte. Er war während des Wettkampfs zusammengebrochen und verstarb anschließend im Krankenhaus.[13] Die Veranstalter – FireFit, die HAIX Group und die Deutsche Messe AG – bestätigten den Todesfall in einer gemeinsamen Mitteilung und machten unter Verweis auf die Privatsphäre der Angehörigen keine näheren Angaben zu den Umständen.[12]
Maskottchen
Seit 2015 hat die Interschutz ein Maskottchen. „Rettungshund Timmy“ begleitete die Interschutz 2015 von der Planungsphase bis zum Abbauende und war auf der Messe selbst ein beliebtes Fotomotiv für die Besucher und die Medien. Timmy ist ein real existierender Border Collie (Hütehund), der über die Aktivitäten der Messe auf seiner Facebook-Seite „Timmy der Border Collie“ berichtete. Er gehört einem Hannoveraner Feuerwehrmann.
Literatur
- Rolf-Dieter Bräunig, Lothar Heuer (Red.): Interschutz '80 – Der Rote Hahn – Internationale Ausstellung für Brand- und Katastrophenschutz 1980. 25. Deutscher Feuerwehrtag. Landesfeuerwehrtag Niedersachsen. VFDB-Fachtagungen. 100 Jahre Berufsfeuerwehr, mit Fotos von Gerhard Bodenstein, Herbert Hahn, Walter Karsten, H. J. Fratzer und F. K. Uecker, hrsg. von der Feuerwehr der Landeshauptstadt Hannover, Hannover: Feuerwehr der LHH, 1980. Brandschutz – Deutsche Feuerwehr-Zeitung, Ausgabe 6/1980.
Weblinks
Anmerkungen
- Das Feuerwehr-Magazin (nach vfdb-Zeitschrift) nennt abweichend 229 Aussteller.
- Ursprünglich für den 4. bis 12. Oktober geplant, wegen der auf den 5. Oktober angesetzten Bundestagswahl auf Juni vorverlegt.
- Die vfdb-Chronik nennt abweichend 990 Aussteller und 91.374 m² (netto).
- Das Feuerwehr-Magazin (nach vfdb-Zeitschrift 2/2005) nennt abweichend rund 140.000 Besucher und 1.385 Aussteller.
- Das Feuerwehr-Magazin nannte direkt nach Messeschluss eine niedrigere Besucherzahl (rund 85.000).