Irene Gerlach
deutsche Politikwissenschaftlerin
From Wikipedia, the free encyclopedia
Irene Gerlach (* 12. November 1955 in Krefeld) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin und Hochschullehrerin. Von März 2011 bis Februar 2015 war sie Prorektorin für Forschung und Weiterbildung an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum. Seit 2005 ist Irene Gerlach zudem die wissenschaftliche Leiterin des Forschungszentrum Familienpolitik (FFP) mit Standorten in Münster, Bochum und Berlin.
Wissenschaftlicher Werdegang
Irene Gerlach studierte Soziologie, Psychologie und Philosophie an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Universität Bielefeld. 1987 wurde sie an der Universität Münster zur Dr. rer. pol. promoviert. Ihre Habilitation im Fach Politikwissenschaft zum Thema „Familie als Inhalt staatlichen Handelns“ in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik folgte 1994 ebenfalls in Münster.
Nach Lehrstuhlvertretungen unter anderem in Münster, Freiburg, Hamburg und Fribourg trat Gerlach im Wintersemester 2008 die Professur für Politikwissenschaft an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe an. Dort wurde sie 2011 zur Prorektorin für Forschung und Weiterbildung ernannt.[1] Seit September 2021 ist Frau Gerlach emeritiert. Sie ist auch im Ruhestand lehrend tätig, sowohl für die Evangelische Hochschule Bochum[2] als auch als Privatdozentin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Münster.[3]
Seit 1998 war Irene Gerlach Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats für Familienfragen beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Gremium wählte sie 2011 zu seiner Vorsitzenden.[4] Sie blieb nach der Wiederwahl 2013 dessen Vorsitzende bis zum Ablauf der maximalen Amtszeit 2016.
Forschungsschwerpunkte
Früh in ihrem wissenschaftlichen Werdegang entwickelte Gerlach eine Spezialisierung auf Fragen der Familien-, Sozial- und Bildungspolitik[5], wozu sie umfangreich publizierte. Als Besonderheit hinzugetreten ist die Forschung zur Rolle von Unternehmen und Betrieben als Arbeitgebende bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. In diesem Zusammenhang gründete sie 2005 aus Mitteln der gemeinnützigen Hertie-Stiftung gemeinsam mit Helmut Schneider und Alexander Dilger das Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik.
Die wissenschaftliche Arbeit Gerlachs lässt sich in folgende Hauptbereiche unterteilen:
- Familienpolitik als Politikfeld: Ein Kernaspekt ihrer Forschung ist die Analyse der Familienpolitik als eigenständiges Handlungsfeld staatlicher Steuerung. Sie untersucht die historische Entwicklung, die Akteurskonstellationen sowie die normativen Grundlagen und Zielkonflikte familienpolitischer Maßnahmen.
- Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Gerlach befasst sich intensiv mit den Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben. Hierbei stehen insbesondere betriebliche Strategien und eine lebensphasenorientierte Personalpolitik im Fokus, die sie unter anderem als Leiterin des Forschungszentrums Familienpolitik (FFP) untersucht.
- Sozialstaats- und Demokratietheorie: Ihre Forschung bettet familienpolitische Fragestellungen in den breiteren Kontext der Reform des Wohlfahrtsstaates ein. Sie analysiert, wie sich das Verhältnis zwischen Staat, Markt und Familie im Zuge gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse wandelt.
- Wertewandel und Demografie: Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung des gesellschaftlichen Wertewandels und dessen Auswirkungen auf Familienstrukturen und generative Entscheidungen.
- International vergleichende Perspektive: Viele ihrer Arbeiten nutzen den europäischen Vergleich,[6] um die Spezifika des deutschen Systems herauszuarbeiten und „Best Practice“-Modelle für eine nachhaltige Familienpolitik zu identifizieren.[7]
Schriften (Auswahl)
- Familienpolitik. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, 2., aktualisierte und überarbeitete Aufl. 2010, ISBN 978-3-531-15924-9.
- 3., aktualisierte und erweiterte Auflage unter dem Titel Familienpolitik. Eine Einführung. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2025, ISBN 978-3-658-47289-4.
- mit Susanne von Hehl (Hrsg.): Staatsorganisatorische Herausforderungen in der Familienpolitik. Forschungszentrum Familienbewusste Personalpolitik, Münster 2012 (online, abgerufen am 13. Mai 2026).
- mit Helmut Schneider (Hrsg.): Betriebliche Familienpolitik. Kontexte, Messungen und Effekte. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-531-17740-3.
- mit Helmut Schneider, Ann Kristin Schneider und Anja Quednau: Status quo der Vereinbarkeit von Beruf und Familie in deutschen Unternehmen sowie betriebswirtschaftliche Effekte einer familienbewussten Personalpolitik – Ergebnisse einer repräsentativen Studie. Münster, Berlin 2013.
Weblinks
- Literatur von und über Irene Gerlach im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek