Irina Lorez

Tänzerin, Choreografin From Wikipedia, the free encyclopedia

Irina Lorez (* 19. Februar 1968 in Luzern) ist eine Schweizer Tänzerin, Choreografin und Performancekünstlerin. Sie gilt als prägende Tanzschaffende der Zentralschweiz.

Irina Lorez (2026)

Leben und Ausbildung

Irina Lorez wuchs in Luzern auf. Bereits mit 16 Jahren wurde sie aufgrund ihres künstlerischen Talents an die Hochschule für Gestaltung und Design Luzern aufgenommen (Vorkurs 1984/85). Ihre Leidenschaft galt zunächst der Malerei.

Ihre tänzerische Ausbildung begann 1985 mit einer sechsmonatigen Grundausbildung in Flamenco und klassischem Tanz an der Amor de Dios in Madrid. Von 1986 bis 1987 studierte sie an der Folkwang Hochschule in Essen, bevor sie von 1987 bis 1989 ihr Diplom als Tanzpädagogin am R.I.D.C. (Rencontres Internationales de la Danse Contemporaine) in Paris bei Françoise und Dominique Dupuy erwarb.

Während ihres elfjährigen Aufenthalts in Paris als Tänzerin und Choreografin vertiefte sie parallel ihre bildnerische Ausbildung und war Modell an der École des Beaux-Arts und an der Académie de la Grande Chaumière. Von 2020 bis 2022 absolvierte sie zudem ein Diplom als Tierkinesiologin an der Phoenix-Schule Riedholz. Lorez setzt sich für das Tierwohl ein, besonders das der Katzen.

Karriere

Als Tänzerin und Choreografin

Nach ihrem Abschluss in Paris wirkte Lorez in verschiedenen Compagnien: 1990/91 bei der Cie Annie Bourdie in Paris, 1991/92 bei Objets-Fax in La Chaux-de-Fonds sowie von 1992 bis 1997 bei der Cie Studio Laroche-Valière in Paris, wo sie auch als Probeassistentin von François Laroche-Valière tätig war. In dieser Zeit realisierte sie zahlreiche Soloperformances, darunter Entrepas (1993), Le Grain (1994) und Gehen (1997), das auch auf Schweizer Tournee ging.

1998 gewann sie beim Internationalen Solo-Tanz-Festival in Augsburg den Preis für die beste Premiere.

Kompanie Irina Lorez & Co

Im Jahr 2002 gründete Lorez gemeinsam mit Daniel Schnüriger in Luzern die Kompanie Irina Lorez & Co. Die freischaffende Kompanie produziert seither regelmässig Solos, Gruppenstücke und Performances und gastiert in der Schweiz, Europa, Indien, den USA und Mexiko. In ihren Arbeiten steht die emotionale Bewegung gegenüber der rein tänzerischen im Vordergrund; Live-Musik spielt dabei eine zentrale Rolle.

Zu ihren bedeutenden Bühnenwerken zählen:

  • 2002 Table Talk – Quintett, UG Luzerner Theater
  • 2004 Body in Light – Trio, Tournee Schweiz und Residenz Essen
  • 2009 Still (gefördert durch Compass Pro Helvetia) – internationale Tournee[1]
  • 2014 How To Get High – Ekstase ohne Drogen[2]
  • 2017 I-Guitar Songlines – Soloperformance mit E-Gitarre, Schweizer Tournee
  • 2017 Tune In – multimediale Tanzperformance, Schweizer Tournee[3][4]
  • 2020 Being Animal – Soloperformance mit Videoprojektion
  • 2024/2025 Ich bin eine Katze – Virtual-Reality-Performance, Kleintheater Luzern[5]
  • 2025 The Beauty of Ugliness – multimediale Bühnenperformance mit Regen, Südpol Luzern[6]

Neben Bühnenwerken realisierte Lorez zahlreiche ortsspezifische Performances, u. a. schlaflos in Hotelräumen (2005), Le Mannequin in Schaufenstern (2007) sowie Nouvelle Balkonage in einem Innenhof (2014).

Lorez choreografierte auch für andere Institutionen: für das Stadttheater Konstanz (Das Dschungelbuch, Regie: Anja Panse, 2011), für das Visionsgedenkspiel Vo Innä Uisä zum 600-jährigen Jubiläum von Niklaus von Flüe (Regie: Geri Dillier, Flüeli-Ranft OW, 19. August bis 30. September 2017)[7] sowie für den Bollywood-Film Fever (Regie: Rajeev Jhaveri, uraufgeführt 2016, gedreht 2013).[8]

Als Performancekünstlerin trat Lorez 2016 und 2017 beim renommierten International Performance Art Festival Giswil auf, einem der ältesten Performancefestivals der Schweiz, das 1998 in der Turbine Giswil gegründet wurde.[9]

Beim fotografischen Projekt Knall im Hupi (2011), einer Zusammenarbeit mit der Fotografin Caroline Minjolle, wurden die Bilder im Tanz-Jahrbuch 2011 veröffentlicht und an den Schweizer Tanztagen Bern sowie im Südpol Luzern ausgestellt.[10]

Künstlerischer Ansatz

Lorez setzt nach eigener Aussage existenzielle Themen um und versucht, durch die Verschmelzung verschiedener Kunstformen – Tanz, Schauspiel, Musik, Licht und Video – eine weitere Dimension zu erreichen. Ihr Tanz ordnet sich dem jeweiligen Thema unter und dient als Mittel, das Unsichtbare sichtbar zu machen.

Kollaborationen

Im Laufe ihrer Karriere arbeitete Lorez mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern aus Tanz, Musik, Theater und bildender Kunst zusammen. Ihr langjährigster musikalischer Partner ist der Musiker Domenico Ferrari, mit dem sie seit 2007 kontinuierlich zusammenarbeitet.

Ein weiterer langjähriger Kollaborationspartner war der mexikanische Tänzer und Choreograf Tonatiuh Diaz. Unter anderem arbeitete er als Gasttänzer bei der Berliner Kompanie DorkyPark. 2009 war Diaz als Tänzer und Choreograf massgeblich an der Entwicklung von Still (Irina Lorez & Co) beteiligt, das als Erfolgsbeispiel der freien Szene überregional wahrgenommen wurde.[1]

Zu den bedeutenden Kooperationspartnern aus der internationalen Tanzszene zählen der US-japanische Butoh- und Theaterkünstler Shinichi Iova-Koga, Gründer der Kompanie inkBoat (San Francisco), sowie der schweizerisch-amerikanische Choreograf Joshua Monten, der ab 2012 seine eigene preisgekrönte Kompanie in Bern aufbaute. 2018 kollaborierte Lorez mit der japanisch-amerikanischen Choreografin und Tänzerin Ayako Kato (Art Union Humanscape, Chicago) und dem Saxophonisten Urs Leimgruber beim Projekt IN MOTION im akku Emmenbrücke.

Im Bereich Musik kooperierte Lorez wiederholt mit dem Luzerner Saxophonisten Urs Leimgruber, einer zentralen Figur der europäischen Improvisationsmusik-Szene, sowie mit weiteren Musikern wie Marie-Cécile Reber, Günter Müller, Paul Giallorenzo und Lou Mallozzi.

Für den Kurzfilm «Dilemmas» (2021) der Innerschweizer Filmemacherin Thaïs Odermatt übernahm sie Spiel und Tanz.

Im Bereich Video und digitale Bühnenkunst arbeitete Lorez mit dem deutschen Medienkünstler und Regisseur Chris Ziegler (movingimages, Karlsruhe) zusammen, der seit 1994 am Zentrum für Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe tätig ist und für seine immersiven, interaktiven Tanzproduktionen international bekannt ist – u. a. durch seine Arbeit mit William Forsythe und Wayne McGregor. Ebenfalls im Bereich Videodesign kooperierte sie mit Kevin Graber («Tune in», 2017, «Ich bin eine Katze», 2024/2025, «The Beauty of Ugliness», 2025).

Auszeichnungen und Förderungen

  • 1998, Preis für beste Premiere, Internationales Solo-Tanz-Festival Augsburg
  • 1998, 2000, 2011, Werkbeiträge von Stadt und Kanton Luzern
  • 2006, Anerkennungspreis der Stadt Luzern
  • 2007, Atelier-Stipendium Chicago (Sistercity Lucerne–Chicago, vier Monate)
  • 2016, 2017, Werkbeiträge der Albert Koechlin Stiftung
  • 2020, Werkbeitrag der Landis & Gyr Stiftung
  • 2021, Recherchebeitrag der Albert Koechlin Stiftung

Vermittlung und Lehre

Lorez unterrichtet seit den frühen 1990er-Jahren zeitgenössischen Tanz, Improvisation und Dance Trance, u. a. an der Kantonsschule Kollegium Schwyz (seit 2011). Von 2013 bis 2022 war sie Kulturbloggerin für das Online-Magazin zentralplus.ch.

Engagement in der Tanzszene

2016 gründete sie die Interessengemeinschaft professioneller Tanzschaffender der Zentralschweiz (IGTZ).[11] Von 2008 bis 2010 war sie im Vorstand des Forums Freies Theater (Vorläuferorganisation ACT Zentralschweiz respektive t. Theaterschaffen Schweiz).

Einzelnachweise

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