Iris Brosch
deutsche Modefotografin und Performancekünstlerin
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Iris Brosch (* 1. Juli 1964 in Wolfsburg[1]) ist eine deutsche Modefotografin und Künstlerin.

Wirken
Brosch arbeitet als Modefotografin, Videokünstlerin und Performance-Künstlerin. 2002 präsentierte Brosch ihre Videoarbeit Pure Heaven in der Ausstellung Differing Views in Wien.[2] Broschs Videoarbeiten zeigten „mythische Frauenfiguren in auratischen Szenerien“.[2]
Seit 2005 präsentierte Brosch ihre Videoarbeiten und Performances mehrfach auf der Biennale di Venezia. 2005 war sie dort mit der Multimedia-Performance Divinta vertreten, die in Anlehnung an die Tableaux vivants durch Verschmelzung verschiedener künstlerischer Disziplinen wie Fotografie, Mode, Musik und Tanz ein „weibliches Gesamtkunstwerk“ zu verwirklichen suchte.[3] 2009 folgte die Performance Erotic Enlightenment die Installation Galathea und das Video Benediction.
2010 wurden ihre Fotografien in der Ausstellung All about Colours in Wien gezeigt.[4] In den Jahren 2010 bis 2015 entstanden die Videos Prélute, In Paradisum, Die Regen Göttin, Women & Nature near Extinction, L'uomo und Vita für die David Vostell die Musik komponierte. Im Juni 2011 präsentierte Brosch bei der Biennale di Venezia die Performance Requiem for Women, eine Erinnerung an die Frauen, die über die Jahrhunderte Opfer von Gewalt, Verfolgung und Unterdrückung wurden.[5]
Ihre Modeaufnahmen und Porträtfotografien wurden unter anderem in der italienischen Ausgabe der Vogue, in Uomo Vogue, in der britischen und deutschen Ausgabe von Marie Claire, in der französischen Ausgabe der Elle, in der New York Times, in Harper’s Bazaar sowie in zahlreichen weiteren Magazinen veröffentlicht.[6][7] Zudem fotografierte sie Werbekampagnen unter anderem für Hugo Boss, Pantene, Tommy Hilfiger, Escada, Maybelline, Jaguar, John Richmond Perfume, Lancel, Virgin Records, Campari und Renault.[6]
Zu den von Brosch porträtierten Personen zählen Claudia Schiffer, Sophie Dahl, Benedict Cumberbatch, Carlos Acosta, Shere Hite, Eva Padberg und Heidi Klum. Bekannt wurde zudem ihre Fotoserie mit dem spanischen Model Laura Ponte in der Rolle der Frida Kahlo,[8] für die Brosch den Malstil Kahlos in ihren Porträts nachahmte.[9]
Die Rolle der Weiblichkeit in Broschs Werk
In ihren Fotografien setzt sich Brosch mit der Darstellung von Frauen und Weiblichkeit auseinander; Frauen werden dabei häufig in heroischer, kraftvoller Weise inszeniert, wobei nach eigener Aussage Seele und Intellekt der dargestellten Frauen im Vordergrund stehen sollen.[7] Kennzeichnend für ihre Arbeit ist zudem eine Darstellung von Weiblichkeit jenseits gängiger Ideale makelloser Schönheit, die Brosch selbst als „rigide Makellosigkeit“ bezeichnet.[2]
Im Zentrum von Broschs fotografischem Werk steht die Auseinandersetzung mit den Alten Meistern sowie mit der Wandelbarkeit des weiblichen Körperbilds. In ihren Fotografien greift sie auf Motive italienischer Maler der Renaissance, insbesondere Sandro Botticellis, sowie der Präraffaeliten und der klassischen Moderne zurück. Ihr fotografischer Stil wurde in der Presse mit der Formulierung „Miuccia Prada trifft auf Leonardo da Vinci“ beschrieben.[1]
Zusammenarbeit mit Shere Hite
Die Zusammenarbeit zwischen Iris Brosch und der amerikanischen Sexualforscherin und Feministin Shere Hite begann 1991, als Brosch Hite für ein Porträt der deutschen Ausgabe des Elle-Magazins fotografierte; das erste Treffen fand im Hilton Hotel an der Avenue de Suffren in Paris statt.[10] In der Folge entstand eine Reihe von Porträt- und Aktaufnahmen, in denen Hite nach eigener Aussage ihre Sexualität selbstbestimmt darstellte, statt sie dem männlichen Blick zu unterwerfen.[11] 2023 widmete Brosch Hite eine Einzelausstellung unter dem Titel Requiem for Shere Hite in der JB Gallery in New York City.[12]
Zudem wirkte Brosch als Zeitzeugin sowie mit eigenen Fotografien an dem Dokumentarfilm The Disappearance of Shere Hite (2023) der Regisseurin Nicole Newnham mit. Im selben Jahr nahm sie stellvertretend für Hite den Preis „21 Leaders for the 21st Century“ der Women's eNews entgegen.[13]
Der Dokumentarfilm wurde 2026 unter dem deutschen Titel Mythos weibliche Lust: Shere Hite und ihr Sex-Report auf ARTE ausgestrahlt; im Begleitmaterial des Senders wird eine Fotografie von Iris Brosch verwendet, die Hite zeigt.[14]
Stationen und Kunstprojekte
Broschs Arbeiten wurden wiederholt in institutionellem und redaktionellem Kontext rezipiert. 2005 wurde ihre Installation The Birth of the Black Venus auf der Kunstplattform Artsy vorgestellt.[15] 2009 und 2017 war sie Stipendiatin der Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt, unter anderem mit der Arbeit Erotic Enlightenment und der Filmpräsentation VITA.[16][17] 2014 berichtete das Fachmedium FashionNetwork über eine Kampagne mit ihrer Beteiligung,[18] 2015 die Zeitschrift Madame Le Figaro über ihre Serie zur Neudefinition von Schönheitsidealen.[19] 2019 war Brosch mit Inside GAIA bei der Kunstbiennale in Venedig vertreten.[20] 2020 und 2021 war sie am Center for Hellenic Studies der Harvard University beteiligt, unter anderem im Rahmen des Festival of the Muses und der Mnemosyne Initiative.[21][22] 2022 widmete sich das IRK Magazine ihrer Arbeit zur Black Madonna,[23] 2023 das AnOther Magazine im Zusammenhang mit dem Dokumentarfilm The Disappearance of Shere Hite.[24]
Publikationen
- Iris Brosch: irisEros. Blurb, 2013, ISBN 979-82-1003792-3.
- Iris Brosch: Mandrake. Blurb, 2018, ISBN 978-1-715-13920-9.
- Phil Braham (Hrsg.): Naked Women: The Female Nude in Photography from 1850 to the Present Day. Thunder's Mouth Press, New York 2001 (Brosch als eine von 90 vorgestellten Fotografinnen und Fotografen).
- Michelle Olley (Hrsg.): Femmes: Masterpieces of Erotic Photography. Carlton Books, 2001 (Brosch unter den vorgestellten Fotografinnen und Fotografen).
Weblinks
- Iris Brosch Persönliche Webseite
- Iris Brosch bei IMDb
- Die Kamera-Malerin ( vom 18. September 2008 im Internet Archive) in: Wirtschaftsblatt, 2. September 2008
- Videos von Iris Brosch auf Vimeo