Irving Benson

US-amerikanischer Schauspieler und Komiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Irving Benson (* 31. Januar 1914 in New York City, New York; † 19. Mai 2016 in Port Jefferson, Suffolk County, New York) war ein US-amerikanischer Schauspieler und Komiker. Er gilt als einer der letzten Künstler, die sowohl die Vaudeville- als auch Burlesque-Ära aus eigener Bühnenerfahrung erlebte.[1][2]

Leben

Benson wurde 1914 als Irving Wiśniewski (deutsch Wischniewski) im Stadtteil Brooklyn von New York City geboren. Seine Eltern waren jüdische Einwanderer aus Polen.[3]

Bereits als Kind trat er in Talentwettbewerben auf, sang und tanzte und gewann in den 1920er-Jahren einen Amateurwettbewerb als Tänzer. Noch bevor er zehn Jahre alt war, stand er regelmäßig auf der Bühne und nahm, als er ins Showgeschäft einstieg, den Künstlernamen Benson an. Er war ein Burlesque-Komiker, eine Mischung aus parodistischer Comedy mit Varieté-Elementen, sowie ein Vaudeville-Star, eine einst populäre Bühnenform mit kurzen, abwechslungsreichen Nummern wie Gesang, Tanz und Comedy. Er arbeitete sich früh durch die Vaudeville-Theater, in denen Sänger, Jongleure, Tänzer und Zauberkünstler gemeinsam auftraten.[4]

In den 1930er-Jahren unternahm er Tourneen durchs Land und erzählte Witze als Stand-up-Komiker, bis er schließlich als „Top Banana“ an der Spitze der Programme stand. Im US-amerikanischen Vaudeville wurde der Starkomiker (englisch first comic) als „Top Banana“ bezeichnet und war damit der Star des Abends. In der Vaudeville-Tradition wurden Komikerrollen scherzhaft nach Früchten benannt: Entsprechend war die „Second Banana“ der zweitrangige bzw. zur Seite gestellte Komiker, der als Sidekick oder „Straight Man“ dem Hauptkomiker die Vorlagen für seine Pointen lieferte, entweder auf der Bühne oder auch im Publikum platziert.[1][5][6]

Am 19. November 1936 heiratete er seine Frau Lillian Waldowsky, mit der er bis zu ihrem Tod am 3. März 2016 verheiratet blieb – eine 79-jährige Ehe, die bis dahin als eine der längsten der Unterhaltungsbranche galt.[7]

Während des Zweiten Weltkriegs trat er zur moralischen Truppenbetreuung im Rahmen der United Service Organizations (USO) auf. 1946 begann seine langjährige Zusammenarbeit mit Jack Mann, mit dem er über ein Jahrzehnt das Duo Benson and Mann bildete und unter anderem im Palace Theater in New York und im Oriental Theatre in Chicago auftrat. Parallel dazu arbeitete er viele Jahre in Burlesque-Shows, einer meist frechen Variante des Vaudeville. 1957 spielte er erstmals in Las Vegas, als Teil der Minsky Follies.[8] Als die Vaudeville-Theater nach und nach schlossen, zog er schließlich ganz in die Glücksspielmetropole, wo er insgesamt 35 Jahre lang lebte und auftrat.[3][4]

In den 1960er-Jahren erhielt Benson nationale Aufmerksamkeit, als ihn sein Kollege Milton Berle engagierte, um in dessen Varietéshows den Störenfried (englisch heckler) Sidney Spritzer zu spielen. Dieser störte Berle mit spöttischen Zwischenrufen aus einer Loge im Zuschauerraum bzw. einem Balkon über der Bühne und warf ihm sein angeblich mangelndes Talent vor. Jim Henson diente die Nummer als Inspiration für die Figuren „Waldorf und Statler“ in der Muppet Show. Jahrzehnte später, in den frühen 2000er-Jahren, traten Berle und Benson noch einmal gemeinsam während einer Tournee in Florida auf. Benson war zudem ein Lieblingsgast von Johnny Carson und trat häufig in dessen Tonight Show auf – bis in die 1980er-Jahre hinein.[3][4][9][10][11]

Erste Auftritte vor der Kamera hatte Benson als Duo Benson and Mann. 1961 war er in Jay Hornicks Komödie Scanty Panties zu sehen. In den Jahren 1966 und 1967 war er dann in der Milton Berle Show regelmäßig in seiner Rolle als Sidney Spritzer (teilweise auch Shpritzer) zu sehen und erneut in The Hollywood Palace im Jahr 1968. Gastauftritte als Schauspieler folgten 1969 in Here’s Lucy (Folge Lucy and the Ex-Con), 1970 in Wo, bitte, geht’s zur Front? mit Jerry Lewis und 1979 als Irv Hanson in Happy Days (Folge Burlesque bzw. Showbusiness), in der er durch Friedrich W. Bauschulte synchronisiert wurde und das Lied Top Banana vortrug.[1][2][4][12]

Im Laufe seines langen Berufslebens arbeitete er in unzähligen Städten. „Nennen Sie irgendeine Kleinstadt im Land“, erinnerte sich seine Tochter, „und er sagte: ‚Da bin ich schon aufgetreten.‘“ Er war bekannt dafür, nie seine Texte zu vergessen und nie sein komödiantisches „Timing“ zu verlieren – er blieb zudem bis ins hohe Alter stets der Welt des Vaudeville verbunden. 2011 wurde er beim Backlot Film Festival für John C. Browns Dokumentation The Last First Comic ausgezeichnet, die die Wurzeln der US-amerikanischen Comedy und die Welt des Burlesque beleuchtet.[4][5][6][10]

Er starb elf Wochen nach seiner Ehefrau im Alter von 102 Jahren in Port Jefferson und wurde von den beiden gemeinsamen Kindern Vicki und Cookie sowie fünf Enkeln und sieben Großenkeln überlebt.[3][7][13][14]

Filmografie (Auswahl)

Literatur

  • Irving Zeidman: The American Burlesque Show. Hawthorn Books, 1967, S. 239 (englisch).
  • Karin Adir: The Great Clowns of American Television. McFarland, 2001, ISBN 978-0-7864-1303-4, S. 45 (englisch).

Einzelnachweise

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