Isabella Leitch
schottisch-britische Universalgelehrte, Ernährungsphysiologin und Suffragette
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Isabella Leitch (* 13. Februar 1890 in Grantown-on-Spey; † 21. Juli 1980 in Warwick, Queensland, Australien) war eine schottisch-britische Universalgelehrte, Ernährungsphysiologin und Suffragette. Sie leitete das Imperial Bureau of Animal Nutrition. Sie veröffentlichte Arbeiten über die Schwangerschaft beim Menschen und eine Vielzahl anderer Themen; besondere Beachtung fanden ihre systematischen Reviews.[2]

Leben
Leitch war eine von sechs Töchtern von John Leitch und Isabella Leitch, geborene McLennan. Der Vater war Postmeister, kündigte diesen Job aber aus religiösen Gründen, als er aufgefordert wurde, an Sonntagen zu arbeiten, und arbeitete im Schiffsingenieurwesen. Leitch besuchte die Peterhead Academy und studierte anschließend an der University of Aberdeen unterschiedliche Fächer. 1911 erwarb sie einen Master-Abschluss in Mathematik und Naturphilosophie und drei Jahre später einen Abschluss in Zoologie, hatte aber auch Moralphilosophie, Latein, politische Ökonomie, Pflanzen- und Tierphysiologie sowie Embryologie studiert.[2]
Sie war eine begeisterte Anhängerin der Women’s Social and Political Union (WSPU) und fuhr nach London, um Veranstaltungen und Reden der Anführerinnen teilzunehmen. Da sie Christabel Pankhurst ähnlich sah, verwirrte sie bei Versammlungen oft die Polizei.[1]
Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 ging sie nach Dänemark, um mit August Krogh an der Universität Kopenhagen zusammenzuarbeiten. Sie wurde vom Carnegie Trust unterstützt und forschte dort über das Blut von Wirbellosen, die Genetik von Bohnen und den Stoffwechsel von Erbsen. Ihre Alma Mater in Aberdeen verlieh ihr 1919 den Doktortitel. Sie war hochqualifiziert, konnte aber keine Arbeit finden. Sie hatte eine Begabung für Sprachen, sprach fließend Französisch, Deutsch, Dänisch, Schwedisch und Norwegisch und beherrschte Niederländisch und Italienisch, und sie verdiente etwas Geld mit Übersetzungen.[3]
1923 war sie als Aushilfsbibliothekarin am Rowett Institute in Aberdeen beschäftigt, wurde aber bald zur Assistentin des Direktors John Boyd Orr, wo sie zu einer eifrigen Vertreterin der gospel according to Sir John entwickelte.[2] Orr wechselte 1945 an die Spitze der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen.[4] Leitch sagte, als sie ihn zum ersten Mal traf, hätte er noch vertreten, dass die Armen arm waren, weil sie es „verdienten“. Es war Leitch, die seine Ansichten änderte, was zu seinen Ideen zur Ernährung[5] und seinem Bericht von 1936, Food, Health and Income, beitrug.[6] Als Orr 1949 für seine Arbeit im Bereich Ernährung mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde,[4] wurde Leitch zum Officer of the British Empire (OBE) erhoben.[2]
1959 wurde sie eingeladen, in Washington auf der International Conference on Scientific Information zu sprechen. Sie verfasste einen Artikel zur Rolle analytischer und kritischer Übersichtsarbeiten in jeder sich entwickelnden biologischen Wissenschaft und ihr Nutzen für die Forschung (Originaltitel: The place of analytical and critical reviews in any growing biological science and the service they may render to research), der sich mit systematischen Übersichtsarbeiten befasste. Dieser Artikel gilt als wegweisend für dieses Thema.[5]
1964 veröffentlichten sie und Frank E. Hytten das Buch The Physiology of Human Pregnancy.[7] Das Buch entstand, nachdem Hytten Leitch um Hilfe bei der Veröffentlichung seiner Arbeit über Muttermilch gebeten hatte. Sie sah sich seine Arbeit an und empfahl einen breiteren Ansatz. Hytten und Leitch trafen sich mehrere Jahre lang jeden Abend einmal pro Woche, um die Arbeit zusammenzustellen.[5] Einer der Durchbrüche ihrer Arbeit bestand darin, zu zeigen, dass das Gewicht von Säugetierjungen proportional zum Gewicht der Mutter ist, und dies gilt sowohl für Blauwale wie für die kleinsten Fledermäuse.[8] Hytten schrieb Leitch zu, dass sie über die Methodik, die Kontakte und das Wissen verfügte, um die erforderlichen Daten schnell zu sammeln.[5]
Leitch wurde 1965 von der University of Aberdeen, die Ehrendoktorwürde der Rechtswissenschaften verliehen.[2]
1929 wurde das Imperial Bureau of Animal Nutrition gegründet. Leitch hatte dort verschiedene Positionen inne, darunter von 1945 bis 1960 die der Direktorin. Sowohl vor als auch nach ihrer Zeit als Direktorin hatte sie jedoch großen Einfluss und man sagte ihr nach, sie „sei das Bureau“.[2] Zu ihren Aufgaben gehörte das Verfassen von Ratgebern wie Sprouted fodder and germinated grain in stock feeding („Keimfutter und gekeimtes Getreide in der Tierfütterung“), das 1939 veröffentlicht wurde.[9]
Leitch starb 1980 in Warwick in Queensland.[1] Ein Rückblick auf ihre Arbeit kam zu dem Schluss: „In gewisser Weise spiegelte ihr Ansatz die bemerkenswerte Blütezeit der Wissenschaft im 8. und 9. Jahrhundert wider, als wissenschaftliche Gelehrte in der islamischen Welt Ideen und Informationen aus vielen Kulturen zusammenführten und Dokumente und Bücher aus vielen Sprachen übersetzten, um eine Synthese zu bilden, wodurch sie dem wissenschaftlichen Verständnis einen enormen Schub verliehen.“[5]