Isidor Bachmann
Schweizer Geologe und Hochschullehrer
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Isidor Bachmann (* 4. April 1837 in Winikon; † 4. April 1884 in Bern[2]) war ein Schweizer Geologe und Hochschullehrer. Er war zunächst Lehrer an der Kantonsschule Bern, dann Privatdozent und danach Professor für Geologie, mit einer akademischen Tätigkeit, die ihn zu einem wichtigen Vertreter der Geologie im 19. Jahrhundert machte.

Leben
Bachmann[3.1] erhielt seinen ersten Unterricht von seinem Vater Anton Bachmann,[4][5] der als Lehrer in Winikon tätig war und ihn früh für die Natur begeisterte. Später besuchte er die Bezirksschulen in Triengen und Sursee und das Gymnasium in Luzern,[6] wo Professor Franz Joseph Kaufmann – ein bedeutender Schweizer Geologe und Paläontologe, bekannt für die Entdeckung des Gletschergartens Luzern – seine naturwissenschaftlichen Interessen förderte.

Die ersten wissenschaftlichen Fachstudien machte Bachmann an der Universität in Basel, unter Männern wie Peter Merian und Ludwig Rütimeyer. Er setzte sie fort in Zürich bei Oswald Heer und Arnold Escher von der Linth, welche ihn namentlich mit der Paläontologie, der letztere auch mit der Alpengeologie, vertraut machten.[9.1]
1863 wurde Bachmann an die Kantonsschule Bern berufen, wo er Mineralogie (Geologie), Botanik und Zoologie lehrte, mit dem Ziel, Schülern ein klares Verständnis der Natur zu vermitteln. 1867 habilitierte er sich für Geologie an der Hochschule Bern.[10] 1871 wurde ihm der Titel eines Doctor honoris causa verliehen[11][12] und nach dem Rücktritt von Bernhard Studer wurde er 1873 zum Professor derselben Einrichtung gewählt.[10.1]

Bachmann widmete sich intensiv der Erforschung der Geologie des Kantons Bern, insbesondere der Quartärbildungen. Zudem engagierte er sich im Naturschutz, unter anderem für den Erhalt erratischer Blöcke im Kanton Bern.
Seine Arbeiten und sein naturschutzbezogenes Engagement sind eng mit der Geschichte des Naturhistorischen Museums Bern verbunden:[14.1] Er beteiligte sich gemeinsam mit Friedrich Bürki und Edmund von Fellenberg an der Sicherung, Dokumentation und Übertragung wichtiger Findlinge (z. B. Luegibodenblock Steinhofblock) an das Museum.
Bachmann war bekannt für seine sorgfältige geologische Forschung, insbesondere zur Berner Alpenregion, und sein Engagement für den Schutz geologischer Naturdenkmäler im Kanton Bern. Seine wissenschaftlichen Arbeiten trugen wesentlich zum Verständnis der geologischen Entwicklung der Region bei. Neben seinen Fachkenntnissen war er ein leidenschaftlicher Lehrer, der es verstand, Studierende mit einfacher, überzeugender Sprache für die Geheimnisse der Erde zu begeistern.
Am 4. April 1884 fand Bachmann in der Aare den Tod,[3][15][16] Er war Präsident der christkatholischen Kirchgemeinde und des Kirchenrats.[17] Bei der grossen Trauerfeier am Sonntag, 6. April 1884 machten die Worte von Bischof Eduard Herzog und Theophil Studer deutlich, welch hohen Wert dem Verstorbenen von seinen Zeitgenossen beigemessen wurde.[9][18] Die Beerdigung erfolgte auf dem Bremgartenfriedhof in Bern.[19]
Seine Ehefrau Maria Sticher (1840–1876) verstarb bereits am 20. April 1876 in Bern.[20] Bachmann hinterliess drei Kinder.[14][21]
Bachmanns Beitrag zur regionalen Geologie und Naturschutz im Kanton Bern
Bachmann leistete wichtige Beiträge zur regionalen Geologie. Zudem spielte er eine zentrale Rolle beim Schutz von Findlingen im Kanton Bern. Er war Vorstandsmitglied der Naturforschenden Gesellschaft in Bern, wo er aktiv an Sitzungen und Vorträgen teilnahm,[22] sowie Mitglied und Sekretär der Museumskommission des Naturhistorischen Museums und von 1875 bis 1884 Mitglied der Bibliothekskommission der Stadtbibliothek.[23] Zudem war er Mitglied der Kommission der Einwohnermädchenschule und später der städtischen Mädchensekundarschule.[14.2][24]

1868 beteiligte er sich am Erwerb und dem Schutz des Luegibodenblocks, eines bedeutenden Findlings, der seit 1869 dem Naturhistorischen Museum Bern gehört und als erster Stein der Schweiz unter staatlichem Schutz steht.[7] 1870 publizierte Bachmann eine bedeutende Arbeit über die Kander im Berner Oberland, die als wichtiger wissenschaftlicher Beitrag gilt.
Für sein wissenschaftliches Wirken wurde Bachmann 1871 der Doktor honoris causa verliehen,[11][12] eine akademische Auszeichnung, die seine Bedeutung in der Fachwelt unterstreicht.
Im Rahmen der traditionellen Ehrung bedeutender Gäste des Hauses von Édouard Desor in Combe-Varin[27] wurde Isidor Bachmann ein Baum in der Zufahrtsallee, der Allee der Naturalisten,[28][18.1] gewidmet. Nach dem Verschwinden oder Verblassen der ursprünglichen Inschriften an den Bäumen wurden dessen Name und jene anderer Gäste auf Holzbrettern angebracht. Das Schild dokumentiert die lange Tradition, bedeutende Gäste des Hauses auf diese Weise zu würdigen und ihr Andenken im Landschaftsbild zu bewahren.[29][30]
Ein 1903 beim Bau der Universität gefundener und Bachmann gewidmeter Findling,[25] steht heute im Garten des Naturhistorischen Museums in Bern.[31][32] Ein weiterer Beleg seiner Anerkennung ist der Graue Stein (auch „Bachmannstein“)[33] in Dotzigen, er gehört seit 1954 zu den geschützten geologischen Objekten des Kantons Bern und trägt seinen Namen als Anerkennung seines Engagements.[34] Damit spiegelt sich die Wertschätzung von Bachmanns wissenschaftlicher Leistung und Naturschutzarbeit in musealen Gedenkstätten, botanischen Widmungen und der geologischen Schutzpraxis wider.
Schriften (Auswahl)
Suchtreffer in Worldcat.[35]
- Fossile Eier aus der oberen Süsswassermolasse der Umgebung von Luzern. In: Abhandlungen der Schweizerischen paläontologischen Gesellschaft. 5, 1878, 4. Online
- Die neuern Vermehrungen der mineralogischen Sammlungen des städtischen Museums in Bern. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern. 1877. S. 25–64. Online
- Albrecht von Haller’s Thätigkeit in mineralogisch-geognostischer Richtung. In: Albrecht von Haller, geb. den 8. October 1708 – gest. den 12. December 1777. Bern, 1877. S. 103–112. Online
- Neuere Beobachtungen über die Bodenverhältnisse Berns. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern. 1876. 906–922. S. 105–121. Online
- Der Boden von Bern – Geognostische Skizze entworfen aus Auftrag der städtischen Sanitätskommission. 1873. Online
- Die wichtigsten erhaltenen oder erhaltungswürdigen Fündlinge im Kanton Bern. Mit drei Tafeln. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Bern. 1870. S. 32–85. Online
- Karte der quartären Bildungen des Kandergebietes. In: Isidor Bachmann: Die Kander im Berner Oberland: ein ehemaliges Gletscher- und Flussgebiet. Beitrag zur Kenntniss der schweizerischen Quartärbildungen in gemeinfasslicher Darstellung. Bern 1870. Mit: Karte der quartären Bildungen des Kandergebietes. Online
- Bernhard Studer et Arnold Escher von der Linth: Carte géologique de la Suisse, 2me édition revue et corrigée par Is[idor] Bachmann.1867.[36] Online
Literatur
- Emanuel Maurer: Im Interesse der Wissenschaft und zur Ehre des Landes" : der Schutz der Findlinge im Kanton Bern. In: Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. 62 (2005) S. 135–159. Online
- F: † I. Bachmann. In: Pionier: Organ der schweizerischen permanenten Schulausstellung in Bern. 5, 1884, 8. S. 32–33. Online
- Ernest Favre: Remarques sur la seconde édition de la carte géologique de la Suisse de MM. Studer et Escher de la Linth. 1867. Online
Archive
- Zürich: Hochschularchiv der ETH: Matrikel.[37]
- Zürich: Universitätsarchiv: Matrikel.[38]