Italia Sacra
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Die Italia Sacra („Das Heilige Italien“) ist eine lateinische Enzyklopädie in 9 Bänden zur Geschichte der Römisch-katholischen Kirche in Italien. Sie ist die erste umfassende Geschichte der italienischen Diözesen.

Publikationsgeschichte
Sie wurde zwischen 1642 und 1662 von Abt Ferdinando Ughelli in Rom veröffentlicht. Der volle Titel des ersten Bandes lautet:
- Italia sacra sive De episcopis Italiae, et insularum adiacentium, rebusque ab iis praeclare gestis, deducta serie ad nostram usque aetatem. Opus singulare provinciis XX distinctum. In quo ecclesiarum origines, urbium conditiones, Principum donationes, recondita monumenta in lucem proferuntur.
- „Das heilige Italien oder Über die Bischöfe Italiens und der benachbarten Inseln und über ihre berühmten Taten, in fortgesetzter Reihe bis zu unserer Zeit. Ein einziges Werk, eingeteilt in die 20 Provinzen. Worin die Ursprünge der Kirchen, die Gründungen der Städte, die Stiftungen der Fürsten, die verborgenen Denkwürdigkeiten ans Licht gebracht werden.“
Es ist ein „Denkmal der Wissenschaft, voller Dokumente (hagiographischer, epigraphischer und Diplomatik) mit Reproduktionen von Siegeln und Inschriften“.[1] Getreu den konsultierten Dokumenten erklärt Ughelli in der allgemeinen Einleitung, dass er sie wörtlich zitieren werde, auch wenn ihr Latein oft barbarisch und grob sei. Damit verfolgt er einen neuen Ansatz für die Quellen, der sicherlich von den Lehren der Mauriner beeinflusst ist.
Die „Italia Sacra“ enthält eine vollständige Liste der Bischöfe der italienischen Diözesen sowie biografische Angaben, historische Notizen und unveröffentlichte Dokumente. Wie Ughelli angibt, benötigte er über zehn Jahre für die Fertigstellung dieses Werkes. Während der Zusammenstellung musste er sich häufig mit Fragen auseinandersetzen, die von anderen Historikern vernachlässigt worden waren. Aufgrund der damaligen Beschränkungen der historischen Forschung, insbesondere in der Philologie und Diplomatik, weist die „Italia Sacra“ dennoch erhebliche Fehler auf. Der Autor räumte der Sammlung von Dokumenten den Vorrang vor deren kritischer Bewertung ein.
Eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe von Ughellis „Italia Sacra“ wurde zwischen 1717 und 1722 vom venezianischen Herausgeber und Gelehrten Nicola Coleti (1681–1765) in zehn Bänden herausgegeben.
Rezeption
Trotz dieser Unvollkommenheiten erwies sich sein Werk für alle nachfolgenden Historiker und Historikerinnen als unverzichtbar und ist bis heute grundlegend für alle, die sich mit der Geschichte der italienischen Kirche befassen.[2][3]
Ughellis Werk diente als Vorbild für ähnliche Publikationen in ganz Europa.[4] Nach diesem Beispiel beauftragte Kardinal Mazarin die Brüder Louis und Scévole de Sainte-Marthe (* 1571) mit der Zusammenstellung der „Gallia Christiana“, die 1656 veröffentlicht wurde.[5] Die „Italia Sacra“ diente auch als Vorbild für Martin Gerberts „Germania Sacra“.[5]
Originalausgabe online
- Band I. Exemte Diözesen, 1644, online
- Band II. Diözesen der Regionen Emilia, Flaminia, Piceno und Umbrien, 1647, online
- Band III. Diözesen der Toskana, 1647, online
- Band IV. Diözesen der Regionen Insubrien, Ligurien und Piemont, 1652, online
- Band V. Diözesen der Regionen Venetien und Istrien, 1653, online
- Band VI. Diözesen der Regionen Kampanien, Abruzzen und Irpinien, 1659, online
- Band VII. Diözesen der Regionen Lukanien, Basilikata und Apulien, 1659, online
- Band VIII. Erzbistum Benevent und Suffragane, 1662, online
- Band IX. Diözesen der Regionen Salento und Kalabrien, 1662, online