J. Richard Simon

US-amerikanischer Psychologe und Professor für Wirtschaftsingenieurwesen From Wikipedia, the free encyclopedia

J. Richard Simon (* 17. September 1929; † 3. Mai 2017 in Iowa City) war ein US-amerikanischer Psychologe und emeritierter Professor für Wirtschaftsingenieurwesen an der University of Iowa.[1]

Leben

Er promovierte (Ph.D.) 1955 an der University of Wisconsin in Psychologie. Danach verbrachte er ein Jahr als Fulbright-Stipendiat an der Universität Cambridge, wo er zu Leistungsveränderungen und Alterungsprozessen forschte. Anschließend forschte er ein Jahr am American Institute for Research in Pittsburgh, bevor er 1957 an die University of Iowa berufen wurde und bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1999 hier verblieb. Zwischenzeitlich verbrachte er als Anglophiler noch sieben Forschungssemester als Gastprofessor an verschiedenen Universitäten in Großbritannien.

Werk

Sein bleibender Beitrag zur Wissenschaft ist unter der Bezeichnung Simon-Effekt bekannt geworden: Reaktionen sind schneller und genauer, wenn ein irrelevantes Reizmerkmal (typischerweise die linke oder rechte Position) mit der Position der Reaktion auf einen relevanten Reiz übereinstimmt. Wenn beispielsweise die Aufgabe eines Teilnehmers darin besteht, mit der rechten Taste zu reagieren, wenn der Reiz rot ist, und mit der linken Taste, wenn der Reiz grün ist, ist die Leistung am besten, wenn der rote Reiz an der rechten Position und der grüne Reiz an der linken Position auftritt. Um den Effekt abzusichern, führten er und seine Mitarbeiter eine Reihe von fast 40 Experimenten durch, in denen sie systematisch sein Auftreten unter verschiedensten Bedingungen überprüften, z. B. durch den Nachweis, dass ein Simon-Effekt sowohl bei visuellen als auch bei auditiven Reizen, bei Tastendruckreaktionen sowie bei einhändigen Hebelbewegungen und bei zusätzlichen Tonreizen auftritt, die dem linken oder rechten Ohr präsentiert werden (auditiver Simon-Effekt), während auf zentrierte visuelle Reize reagiert wird. Auch Vergleiche von Teilnehmern, die mit gekreuzten Händen (rechte Hand auf der linken Taste, linke Hand auf der rechten Taste) oder ohne gekreuzte Hände arbeiteten, zeigten, dass die Beziehung zwischen Reizpositionen und Tastenpositionen entscheidend ist. Sein Vorgehen ist ein paradigmatisches Beispiel dafür, dass das Desiderat nach einer Replikation von Befunden von ihm erfüllt wurde. Seine Experimente führten zu verbesserten Notfallmaßnahmen und einer Reduzierung menschlicher Fehler.

Privates

In seiner Jugend war er Langstreckenläufer und trainierte trotz seiner Krankheit viele Jahre lang weiter; er spielte auch gern Squash und Tischtennis.[2] Mit seiner vor ihm verstorbenen Frau Betty teilte er die Leidenschaft für Kunst und Kultur. Er stiftete den Aufzug im neu eröffneten Hancher Auditorium der University of Iowa, der ihren Namen trägt, und richtete mehrere Stipendienfonds zur Unterstützung vielversprechender Doktoranden ein. Er hinterließ die Töchter Alissa und Sue. Nach seiner Pensionierung widmete er sich der afrikanischen Stammeskunst. Er sammelte dabei Ibeji-Zwillingsfiguren, die von den Yoruba in Nigeria angefertigt werden; seine Sammlung vermachte er dem Kunstmuseum der University of Iowa. Er verstarb mit 87 Jahren nach einem langen Kampf gegen die Parkinson-Krankheit.

Publikationen (Auswahl)

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • “The Simon effect”: A potent behavioral mechanism. In: Acta Psychologica, 2011, 136, S. 181.
  • The effects of an irrelevant directional cue on human information processing. In: R. W. Proctor; & T. G. Reeve (Hrsg.): Stimulus– response compatibility: An integrated perspective (S. 31–86). Elsevier Science Ltd, Amsterdam 1990, ISBN 978-0-444-88092-5.
  • Mit S. P. Overmeyer: The Effect of Redundant Cues on Retrieval Time. In: Human Factors: The Journal of the Human Factors and Ergonomics Society, 1984, 26 (3), S. 315–321.
  • Mit E. Acosta: Effect of irrelevant information on the processing of relevant information: Facilitation and/or interference? The influence of experimental design. In: Perception & Psychophysics, 1982, 31, S. 383–388.
  • Mit J. V. Hinrichs; J. L. Craft: Auditory S- R compatibility: Reaction time as a function of ear–hand correspondence and ear–response–location correspondence. In: Journal of Experimental Psychology, 1970, 86, S. 97–102.
  • Mit A. M. Small: Processing auditory information: Interference from an irrelevant cue. In: Journal of Applied Psychology, 1969, 53 (5), S. 433–435.
  • Mit A. P. Rudell: Auditory S-R compatibility: The effect of an irrelevant cue on information processing. In: Journal of Applied Psychology, 1967, 51, S. 300–304.
  • Reaction toward the source of stimulation. In: Journal of Experimental Psychology, 1969, 81, S. 174–176.
  • Ear Preference in a Simple Reaction-Time Task. In: Journal of Experimental Psychology, 1967, 75 (1), S. 49–55.
  • Steadiness, Handedness, and Hand Preference. In: Perceptual and Motor Skills, 1964, 18(1), S. 203–206.
  • Mit W. Thurlow; R. S. Lincoln; K. U. Smith: Effects of handedness on tracking accuracy. In: Perceptual & Motor Skills Research Exchange, 1952, 4, S. 53–57.

Literatur

  • Eliot Hazeltine; Toby Mordkoff: Responding to the Source of Stimulus: An Interdisciplinary Conference in Tribute to J. Richard Simon. Iowa City 2008.
  • J. Toby Mordkoff; Eliot Hazeltine: Responding to the Source of Stimulation: J. Richard Simon and the Simon Effect. In: Acta Psychologica, 2011, 136 (2), S. 179–268.
  • Bernhard Hommel: The Simon effect as tool and heuristic, In: Acta Psychologica, 2011, 136 (2), S. 189–202.

Einzelnachweise

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