Jacob Fränkel

deutschstämmiger Chasan und Rabbiner, erster Militärrabbiner der USA From Wikipedia, the free encyclopedia

Jacob Fränkel oft auch Jacob Frankel (* 5. Juli 1808 in Grünstadt; † 12. Januar 1887 in Philadelphia) war ein deutschstämmiger Rabbiner. Während des Amerikanischen Bürgerkrieges wurde er der erste offizielle Militärrabbiner der Vereinigten Staaten von Amerika.

Jacob Fränkel, 1. Militärrabbiner der USA
Jacob Fränkel
Nachruf in der Philadelphia Times vom 13. Januar 1887

Leben und Wirken

Fränkel entstammte einer in Grünstadt ansässigen jüdischen Musikerfamilie mit langer Tradition und war der Sohn von Joseph und Dorothe Fränkel.[1] Mit seinen zwei Brüdern unternahm er Konzertreisen, unter anderem ins benachbarte Elsaß. Zunächst wurde Jacob Fränkel, zur Zeit des Rabbiners Leopold Roos, Kantor an der Synagoge in Grünstadt, 1844 wechselte er nach Mainz.[2][3][4] Schließlich wanderte er in die USA aus.

Ab 1848 bis ein Jahr vor seinem Tod war Fränkel Kantor und Leiter der 1795 gegründeten Rodeph Shalom Kongregation in Philadelphia, einer Gemeinde des aschkenasischen Reformjudentums.[5]

Die vielen Soldaten jüdischen Glaubens im Amerikanischen Bürgerkrieg führten zum Wunsch nach Militärrabbinern. Philadelphia war in jenem Krieg ein Zentrum zur Pflege von Verwundeten. Nach Durchsetzung einer Gesetzesänderung, welche die Militärseelsorge auch für Juden ermöglichte, ernannte Präsident Abraham Lincoln am 18. September 1862 Jacob Fränkel zum ersten Militärrabbiner der Vereinigten Staaten von Amerika. Neben seiner regulären Tätigkeit in der jüdischen Zivilgemeinde versah Fränkel dieses neu geschaffene Amt drei Jahre lang, bis zum Ende des Krieges 1865. Er war in dieser Stellung hauptsächlich in den Militärhospitälern der Stadt tätig.

Fränkel starb 1887 in Philadelphia als Witwer und hinterließ zwei Söhne und zwei Töchter.

Rezeption und Erinnerung

Fränkel wird in zeitgenössischen Quellen als ausgezeichneter Tenorsänger von großer Freundlichkeit bezeichnet.

Sein Bruder Isaak Fränkel starb am 20. Dezember 1877 in Grünstadt im Alter von 74 Jahren, nachdem er der dortigen Synagoge über 50 Jahre als Kantor gedient hatte.[6][7]

Rabbi Jacob Fränkel auf dem Heritage Mosaic, Mount Sinai, LA (hinter Abraham Lincoln).

Bei der Torpedierung und Versenkung des US-Kriegsschiffes Dorchester, taten sich 1943 vier amerikanische Feldgeistliche, darunter ein Feldrabbiner, aufopfernd hervor und starben in Erfüllung ihrer Ämter.[8] Im Gedenken daran wurde 2014 von dem amerikanischen Bildhauer Eugene Daub (* 1942) eine Erinnerungsmedaille gestaltet und von der Jewish-American Hall of Fame herausgegeben, die sogenannte Four Chaplains' Medal. Ihre Vorderseite zeigt Jacob Fränkel als 1. Feldrabbiner der US-Armee, die Rückseite die gefallenen Geistlichen von 1943.[9][10]

Im Mount Sinai Memorial Park bei Los Angeles gibt es das sogenannte Heritage Mosaic über jüdische Geschichte in Amerika. Es ist das größte Freilichtmosaik der Vereinigten Staaten. Darauf ist Jacob Fränkel als Feldrabbiner neben Abraham Lincoln abgebildet.[11]

Literatur

  • Henry S. Morais: The Jews of Philadelphia, Philadelphia, 1894, S. 73 u. 74; (Digitalscan)
  • Jonathan D. Sarna, Adam Mendelsohn: Jews and the Civil War, NYU Press, 2011, S. 343–351, ISBN 0-8147-7113-0; (Digitalscan)
  • Lance J. Sussman: Isaac Leeser and the Making of American Judaism, Wayne State University Press, 1996, ISBN 0-8143-2671-4, S. 224; (Digitalscan)
  • Bernhard Kukatzki: Jacob Frankel (1808–1887), ein enger Freund Abraham Lincolns: ein Grünstadter war der erste jüdische Armeegeistliche der USA, in: Pfälzisch-rheinische Familienkunde, Band 16, 2009, S. 638–640; (Findhinweis)
  • David B. Green: The U.S. Army gets its first Jewish chaplain, in: Haaretz vom 18. September 2013; (Digitalansicht)

Einzelnachweise

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