Jacob Nufer

führte ersten Kaiserschnitt durch From Wikipedia, the free encyclopedia

Jacob Nufer (* ca. 1470 in Siegershausen † ca. 1520) war ein Schweineschneider (Tierkastrator) aus dem Schweizer Kanton Thurgau. Er soll um das Jahr 1500 in Siegershausen die erste Schnittentbindung (Kaiserschnitt) durchgeführt haben, bei der die Mutter, Elisabeth Alespach, die Operation überlebt hat.

Hintergrund

Zeitgenössische Darstellung eines Kaiserschnitts, Holzschnitt von 1506

Hebammen dieser Zeit war die Technik des Kaiserschnitts bekannt, jedoch durften bis in das frühe 16. Jahrhundert hinein Kaiserschnitte nur an toten Müttern vorgenommen werden. Das Leben der Mütter zu retten und dafür zu riskieren, die Kinder im Mutterleib zu töten, war strengstens verboten.

Überlieferung

Jacob Nufers Kaiserschnitt wurde etwa 80 Jahre nach dem Eingriff vom Schweizer Mediziner Caspar Bauhin überliefert. Demnach lag Nufers Ehefrau schon seit mehreren Tagen in schweren Wehen bei denen ihr mehrere Hebammen und Wundärzte nicht helfen konnten. Um den qualvollen Tod seiner Frau zu abzuwenden, entschloss sich Nufer, in Absprache und mit Einverständnis seiner Frau, und der Billigung des zunächst zögernden örtlichen Prälaten, den lebensrettenden Eingriff selbst zu versuchen. Bei dem Eingriff waren zwei Hebammen mit ihren Wundärzten zugegen, die dem Ehepaar zur Hand gingen. Nufer legte seine Frau auf den Tisch und setzte einen Schnitt, wie er es von den Schweinen kannte und konnte das Kind unbeschadet holen. Die Wunde heftete er mit einer Naht, wie Schuhe genäht wurden. Die Wunde soll ohne Komplikationen verheilt und seine Frau schon im nächsten Jahr – und zwar auf normalem Weg – Zwillinge und danach weitere vier Kinder zur Welt gebracht haben. Das per Kaiserschnitt geborene Kind soll ein Alter von 77 Jahren erreicht haben.[1]

Es wird angenommen, dass Jacob Nufer die für den Eingriff notwendigen anatomischen und hygienischen Kenntnisse durch genaue Beobachtung des Viehs erlangt hatte, mit dem er täglich arbeitete. Wahrscheinlich verfügte er in dieser Hinsicht über mehr Wissen als die Ärzte seiner Zeit.

Die Überlieferung zu den Umständen von Jacob Nufers Kaiserschnitt ist unsicher, da eine schriftliche Aufzeichnung erst 80 Jahre später durch Caspar Bauhin erfolgte und diese nicht durch weitere zeitgenössische Quellen bestätigt sind. Bauhins Bericht wurde häufig in medizinischen Werken zitiert und einige Fachmediziner führen gelegentlich Zweifel an den Begebenheiten an.[1]

Rezeption

In Siegershausen wurde die Jakob Nuferstrasse nach ihm benannt.

Die überlieferten Begebenheiten um Jacob Nufer inspirierten Wolf Serno zu seinem Roman Der Medicus von Heidelberg, in dem Lukas, der Sohn des Schweinekastrator Nufer ein Medicus werden möchte.[2]

Literatur

  • Volker Lehmann: Der Kaiserschnitt des Jacob Neufer. In: Der Kayserliche Schnitt. Die Geschichte einer Operation. Schattauer, Stuttgart 2006, ISBN 3-7945-2494-2, S. 82–83 (google.de).
  • Helmut Stalder: Jacob Nufer. Der Schweinekastrator und sein Schnitt des Lebens. In: Verkannte Visionäre. 24 Schweizer Lebensgeschichten. NZZ Libro, Zürich 2011, ISBN 978-3-03823-715-0, S. 29–33.
  • Felix Rettberg: Die Stunde des Kastrators. 1500 gelingt der erste Kaiserschnitt, den Mutter und Kind überleben. In: Spiegel Geschichte. Nr. 5, 2009, S. 65 (spiegel.de).

Einzelnachweise

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