Jacobi-Vermutung
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Die Jacobi-Vermutung in der Mathematik besagt, dass eine Polynomfunktion von einem -dimensionalen Raum in sich selbst, deren Jacobi-Determinante einen konstanten und von null verschiedenen Wert hat, eine polynomielle Umkehrfunktion besitzt. Die Vermutung wurde erstmals 1939 von Ott-Heinrich Keller aufgestellt[1] und von Shreeram Abhyankar als ein Beispiel für eine schwierige Frage in der algebraischen Geometrie, die auch mit wenig Kenntnissen der Differentialrechnung verstanden werden kann, weiter verbreitet.
Die Jacobi-Vermutung ist für eine große Anzahl letztlich fehlerhafter Beweise bekannt. Im Jahr 2026 veröffentlichte Levent Alpöge, Mathematiker bei Anthropic, auf X ein Gegenbeispiel, das die Vermutung widerlegt; es entstand unter Verwendung des Large Language Models Fable 5.[2][3] Eine begutachtete Veröffentlichung liegt bislang nicht vor. Die Jacobi-Vermutung ist Nummer 16 in Smales Liste von mathematischen Problemen für das nächste Jahrhundert.
Jacobi-Determinante
Für eine feste ganze Zahl betrachte Polynome in den Variablen mit Koeffizienten in einem Körper . Dann definiert
wir eine vektorwertige Funktion . Jede auf diese Weise entstehende Abbildung wird als Polynomabbildung bezeichnet.
Die Jacobi-Determinante von wird als Determinante der Jacobi-Matrix definiert:
- ,
dann ist selbst eine Polynomfunktion der Variablen .
Formulierung der Vermutung
Aus der mehrdimensionalen Kettenregel folgt, dass wenn eine polynomiale Umkehrfunktion hat, dann eine polynomiale Umkehrung besitzt, also eine Konstante ungleich Null sein muss. Die Jacobi-Vermutung ist die folgende partielle Umkehrung:
- Der Körper habe Charakteristik 0. Wenn eine Konstante ungleich Null ist, dann besitzt eine Umkehrfunktion , die ebenfalls Polynomabbildung ist.
Laut van den Essen[4] wurde das Problem erstmals von Keller im Jahr 1939 für den Fall von zwei Variablen und ganzzahligen Koeffizienten formuliert.
Die Jacobi-Vermutung scheitert für Charakteristik selbst bei einer Variablen. Die Charakteristik eines Körpers muss, wenn sie nicht null ist, eine Primzahl sein. Das Polynom hat die Ableitung , die wegen konstant 1 ist, aber es hat keine Umkehrfunktion. Allerdings schlug Kossivi Adjamagbo vor, die Jacobi-Vermutung auf Charakteristiken derart zu erweitern, dass man zusätzlich voraussetzt, dass nicht den Grad der Körpererweiterung teilt.[5]
Die Existenz einer polynomiellen Umkehrfunktion ist offensichtlich, wenn nur aus linearen Funktionen besteht, denn dann wird die Umkehrfunktion auch von dieser Gestalt sein. Ein einfaches nichtlineares Beispiel ist
- ,
sodass sich für die Jacobideterminante
ergibt. In diesem Fall existiert die gewünschte Umkehrfunktion, denn obige Gleichungen kann man leicht nach und auflösen:
Aber wenn wir nur leicht abändern zu
dann ist die Determinante
nicht konstant, das heißt die Voraussetzung aus der Jacobi-Vermutung trifft nicht zu. Die Funktion hat zwar immer noch eine Umkehrfunktion:
aber der Ausdruck ist offensichtlich keine Polynomabbildung.
Die Bedingung ist mit dem Satz über die Umkehrfunktion in der mehrdimensionalen Analysis verbunden. In der Tat existiert für glatte Funktionen (und somit insbesondere für Polynome) an jedem Punkt, an dem ungleich null ist, eine glatte lokale Umkehrfunktion. Zum Beispiel hat die Abbildung eine glatte (sogar globale) Umkehrfunktion, aber die Umkehrfunktion ist kein Polynom.
Ergebnisse
Stuart Sui-Sheng Wang bewies die Jacobi-Vermutung für Polynome vom Grad 2.[6] Hyman Bass, Edwin Connell und David Wright zeigten, dass der allgemeine Fall aus dem Spezialfall folgt, bei dem die Polynome vom Grad 3 sind, oder noch genauer, vom kubisch homogenen Typ, was bedeutet, dass sie die Form haben, wobei jedes entweder null oder ein homogenes Polynom vom Grad 3 ist.[7] Ludwik Drużkowski zeigte, dass man weiter annehmen kann, dass die Abbildung vom kubisch linearen Typ ist, was bedeutet, dass die von null verschiedenen Kuben homogener linearer Polynome sind.[8] Es scheint, dass Drużkowskis Reduktion der derzeit vielversprechendste Weg ist. Diese Reduktionen führen zusätzliche Variablen ein und sind daher für festes nicht anwendbar.
Edwin Connell und Lou van den Dries zeigten, dass, wenn die Jacobi-Vermutung falsch ist, auch ein Gegenbeispiel mit ganzzahligen Koeffizienten und Jacobideterminante 1 existieren muss.[9] Folglich ist die Jacobi-Vermutung entweder für alle Körper der Charakteristik 0 wahr oder für keinen. Für eine feste Dimension ist sie wahr, wenn sie für mindestens einen algebraisch abgeschlossenen Körper der Charakteristik 0 gilt.
Sei der Polynomring und die -Unteralgebra, die von erzeugt wird. Für ein gegebenes ist die Jacobi-Vermutung genau dann wahr, wenn .
Keller (1939) bewies den birationalen Fall, das heißt, wenn die beiden Körper und gleich sind. Der Fall, in dem eine Galoiserweiterung von ist, wurde von Andrew Campbell für komplexe Abbildungen[10], im Allgemeinen von Michael Razar[11] bewiesen und davon unabhängig auch von David Wright.[12] Tzuong-Tsieng Moh überprüfte die Vermutung für Polynome vom Grad höchstens 100 in zwei Variablen.[13][14]
Michiel de Bondt und Arno van den Essen[15][16] und Ludwik Drużkowski[17] zeigten unabhängig voneinander, dass es ausreicht, die Jacobi-Vermutung für komplexe Abbildungen vom kubisch homogenen Typ mit symmetrischer Jacobi-Matrix zu beweisen, und zeigten weiter, dass die Vermutung für Abbildungen vom kubisch linearen Typ mit symmetrischer Jacobimatrix über jedem Körper der Charakteristik 0 gilt.
Die starke reelle Jacobi-Vermutung besagt, dass eine reelle Polynomabbildung mit überall nichtverschwindender Jacobideterminante eine glatte globale Umkehrfunktion hat. Das ist äquivalent zur Frage, ob eine solche Abbildung topologisch eine eigentliche Abbildung ist, in welchem Fall sie eine Überlagerung einer einfach zusammenhängenden Mannigfaltigkeit und daher invertierbar ist. Sergey Pinchuk konstruierte zweidimensionale Gegenbeispiele vom Gesamtgrad 35 und höher.[18]
Es ist bekannt, dass die Dixmier-Vermutung die Jacobi-Vermutung impliziert.[7] Umgekehrt wurde von Yoshifumi Tsuchimoto[19] und unabhängig davon von Alexei Belov-Kanel und Maxim Kontsevich[20] gezeigt, dass die Jacobi-Vermutung für Variablen die Dixmier-Vermutung in Dimensionen impliziert. Ein in sich geschlossener und rein algebraischer Beweis dieser letzten Implikation wurde auch von Kossivi Adjamagbo und Arno van den Essen[21] gegeben, die in derselben Arbeit auch bewiesen, dass diese beiden Vermutungen äquivalent zur Poisson-Vermutung sind.
Gegenbeispiel
Im Juli 2026 gab Levent Alpöge eine Polynomabbildung an, welche die Voraussetzung der Vermutung erfüllt, jedoch nicht injektiv ist und daher keine Umkehrfunktion besitzen kann. Sie ist durch
gegeben und besitzt die konstante Jacobi-Determinante . Wegen
nimmt an drei verschiedenen Stellen denselben Wert an und ist folglich nicht injektiv. Beide Eigenschaften lassen sich durch Differentiation und Einsetzen unmittelbar nachrechnen.[2]