Jacqueline Pardon
französische Widerstandskämpferin
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Jacqueline Marie Juliette Pardon (* 4. September 1921 in Paris; † 16. Januar 2009 ebenda) war eine französische Widerstandskämpferin und Gründungsmitglied der Widerstandsbewegung Défense de la France.
Leben und Wirken im Widerstand
Jacqueline Pardon wurde am 4. September 1921 in Paris geboren und wuchs in einer bürgerlichen, katholisch geprägten Familie auf; ihr Vater war Industrieller. Sie besuchte das religiöse Collège Notre-Dame-de-Sion in Paris und war Mitglied der Jeunesse étudiante chrétienne (JEC, dt. etwa Christliche Studentenjugend).[1]
Als Philosophiestudentin an der Sorbonne lernte sie Robert Salmon (1918–2013) und Philippe Viannay (1917–1986) kennen. Die beiden Freunde hatten 1940 die Widerstandsbewegung Défense de la France gegründet; Pardon gehörte zu deren ersten Mitgliedern. Obwohl sie nicht an den politischen Entscheidungen der Bewegung beteiligt war (die den Männern vorbehalten waren), fungierte sie als Generalsekretärin der gleichnamigen Untergrundzeitung Défense de la France. Deren erste Ausgabe wurde im August 1941 in den Kellern der Sorbonne-Universität gedruckt und erreichte mit 450.000 Exemplaren im Januar 1944 die höchste Auflage der Untergrundpresse während der deutschen Besetzung Frankreichs. Pardon war gemeinsam mit Hélène Viannay und anderen Frauen nicht nur für den Druck, sondern auch für die die Effizienz und Sicherheit der Verteilung der Zeitung verantwortlich.[2] Sie war zudem an der Herstellung gefälschter Papiere beteiligt und rekrutierte neue Mitglieder, darunter Anfang 1943 Geneviève de Gaulle, die Nichte von General Charles de Gaulle.[1][2]
Nach dem Verrat durch einen Spitzels wurde Jacqueline Pardon am 20. Juli 1943 zusammen mit etwa 40 weiteren Mitgliedern des Netzwerks, darunter Geneviève de Gaulle und der blinde Schriftsteller und Widerstandskämpfer Jacques Lusseyran – ihr zukünftiger Ehemann –, von der „Französischen Gestapo“ festgenommen und im Gefängnis Fresnes inhaftiert. Im Dezember 1943 wurde sie freigelassen, blieb aber unter polizeilicher Beobachtung und konnte deshalb ihre Arbeit für die Untergrundzeitung nicht fortsetzen.[3]
Kurz vor der Befreiung Frankreichs von der NS-Herrschaft nahm Pardon ihre Tätigkeit im Widerstand wieder auf und wurde Stellvertreterin von Claude Monod (1917–1945), dem die Dachorganisation der Widerstandsgruppen (FFI) das Kommando über die Region D (Burgund und Franche-Comté) anvertraut hatte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte sich Pardon 1945 in den Konzentrationslagern Bergen-Belsen und Neuengamme an der Suche nach französischen Deportierten und ihrer Rückführung nach Frankreich.[1]
Nachkriegszeit
Am 20. September 1945 heiratete Jacqueline Pardon in Paris Jacques Lusseyran, mit dem sie drei Kinder hatte; die Ehe wurde 1954 geschieden. Anschließend leitete sie von 1954 bis 1965 als kommerzielle Direktorin die Familienbetriebe Le lit Pardon (Pardon-Bettenfabriken).
Von 1965 bis 1969 wirkte sie als Berichterstatterin (rapporteur) im VI. Plan der Kommission Éducation-Culture und bildete am Centre de Formation des Journalistes (CFJ) die erste internationale Gruppe aus, unter anderem mit Journalisten aus Québec. Ab 1971 arbeitete sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1986 im französischen Kulturministerium (Département des Enseignements artistiques, Mission de développement culturel, École du Louvre).
Pardon war in verschiedenen Vereinigungen ehemaliger Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfer aktiv. Sie war Mitglied des Direktionskomitees des Vereins Défense de la France und gehörte dem Verwaltungsrat der Organisationen A.D.I.R. (Anciennes Déportées et Internées de la Résistance), A.E.R.I. (Association pour des Études sur la Résistance Intérieure) und O.N.A.C. (Office National des Anciens Combattants) an. Zudem war sie Mitglied des Verwaltungsrats der Tageszeitung France Soir, die aus der ehemaligen Widerstandszeitung Défense de la France hervorgegangen war. Sie engagierte sich stark für den Schreibwettbewerb Concours national de la résistance et de la déportation – einen nationalen Wettbewerb für junge Franzosen zum Thema Résistance und Deportation – dessen Pariser Jury sie lange Jahre vorstand.[1]
Kurz vor ihrem Tod wirkte Pardon am Dokumentarfilm Défense de la France: histoire d'un journal et d’un mouvement clandestins von Joëlle Van Effenterre mit, der 2009 bei L’Harmattan erschien und die Geschichte der Untergrundbewegung und ihrer Zeitung Défense de la France behandelte.[4]
Jacqueline Pardon starb am 16. Januar 2009 im Alter von 87 Jahren in Paris.[1] Posthum wurde 2012 ein Interview mit ihr in der Reihe Parcours de résistants als DVD-Video veröffentlicht.
Literatur
- Thomas Wieder: Jacqueline Pardon, résistante au sein du mouvement Défense de la France. In: Le Monde. 28. Januar 2009 (französisch, online).
- Corinna von List: Frauen in der Résistance 1940–1944: der Kampf gegen die >Boches< hat begonnen! Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76913-8.
Dokumentarfilme
- Défense de la France: histoire d’un journal et d’un mouvement clandestins. Regie: Joëlle van Effenterre, mit Jacqueline Pardon und anderen. L’Harmattan vidéo, Paris 2009; DVD, 86 min., OCLC 758335758.
- Parcours de résistants. Volume 3. Mémoire et espoirs de la Résistance, Paris 2012, DVD, 94 min., OCLC 793472972.
Auszeichnungen und Ehrungen
Weblinks
- Video-Interview mit Jacqueline Pardon auf YouTube mit ausführlichem Skript (44:47 min., französisch)
- Pardon Jacqueline. In: memoresist.org. Abgerufen am 10. Dezember 2025 (französisch, mit Foto von Jacqueline Pardon als junge Frau).
- Foto von Jacqueline Pardon in hohem Lebensalter
- „Les Femmes dans la Résistance“ auf der Website der französischen Regierung (französisch)
- Link zur Ausgabe der Untergrundzeitung Défense de la France vom 20. Mai 1943