Jacques Bergé

flämischer Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Jacques Bergé (auch Bergeer; Berger; Bergier; Vergé; * 14. Mai 1696 in Brüssel; † 16. November 1756 ebenda) war ein flämischer Bildhauer und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der südniederländischen Plastik des 18. Jahrhunderts. In seinem Werk verband er flämische Tradition mit französischen und italienischen Einflüssen.[1]

Der Mord an Abel durch Kain (Terracotta, entstanden zwischen 1737 und 1739). Musée de la Ville de Bruxelles

Leben

Jacques Bergé wurde 1696 als Sohn von Louis Bergé in Brüssel geboren. Bevor er sich der Bildhauerkunst widmete, arbeitete er als Küster und Soldat und trat für kurze Zeit in ein Kloster ein. Ab 1714 nahm er als Gasthörer am Unterricht des Bildhauermeisters François Delphier teil. Vermutlich im Jahr 1715 zog er nach Paris, um bei Nicolas Coustou seine Lehrzeit zu absolvieren. Von 1717 bis 1719 hielt er sich in Rom auf, wo er möglicherweise zeitweise bei Pierre Legros arbeitete. Nach seiner Rückkehr wurde Bergé 1722 als Jacques Bergé zugelassen und schrieb sich im selben Jahr in die Académie de sculpture et peinture in Brüssel ein. Von 1737 bis zu seinem Tod gehörte er deren Direktion an. Im Jahr 1745 unternahm er eine weitere Reise nach Paris. Zu seinen Schülern zählten Jacques de Coninck, Anton van Uyttem und Marcus Fremaux. Jacques Bergé starb am 16. November 1756 in Brüssel.[1]

Werk

Sterbender Gladiator (1735). Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique

Aus der frühen Schaffenszeit Jacques Bergés sind keine Arbeiten bekannt. Das erste überlieferte Werk ist das Kalksteinrelief mit der Darstellung der Justitia am Giebel des Brügger Gerichtshofes aus dem Jahr 1725. Bergé arbeitete überwiegend für kirchliche Auftraggeber. Sein umfassendstes Projekt war die Ausgestaltung der Prämonstratenserabteikirche vom Park in Heverlee, an der er von 1728 bis Ende der 1730er Jahre tätig war. Er schuf den Hochaltar, den Tabernakel, das Chor- und das Beichtgestühl einschließlich der Kanzel, die Wandverkleidungen sowie diverse Heiligenfiguren und einen Sarkophag mit allegorischen Figuren der Zeit, des Todes, der Hoffnung und des Glaubens. Mit der Figur des heiligen Augustinus aus dem Jahr 1732 in der Abtei vom Park knüpft Bergé durch den ausschwingenden Kontrapost mit bewegter Gewandung an Berninis gleichnamige Heiligenfigur aus den Jahren 1660 bis 1663 in St. Peter in Rom an. Die meisten seiner Arbeiten zeigen jedoch eine moderatere Formensprache, in der sich der Einfluss des eleganten, frühklassizistischen französischen Ideals erkennen lässt.[1]

Kanzel für die Abteikirche von Ninove (1742). Unten ist die Bekehrung des heiligen Norbertus in einer Höhle dargestellt. Im Jahr 1807 wurde die Kanzel in die Sint-Pieterskerk in Leuven überführt

Das von 1743 bis 1745 geschaffene Grabmal für den Bischof Jan Baptist de Smet in der Kirche St. Bavo in Gent ist hingegen ein typisches Werk aus den südlichen Niederlanden. Es zeigt eine an italienischen Sarkophagen nach dem Vorbild Sansovinos orientierte, halb aufgerichtete Haltung des Verstorbenen sowie eine Gestik, die auf französische Vorbilder wie Girardon verweist. Zu den expressivsten Arbeiten Bergés gehört der Verwundete Gladiator aus dem Jahr 1735 im Musée Royaux des Beaux-Arts in Brüssel, der seine Auseinandersetzung mit der Antike bezeugt.[1]

Mit der Kanzel für die Prämonstratenser von Ninove schuf Jacques Bergé ein spätes Beispiel der sogenannten Naturkanzel im flämischen Stil. Dabei verknüpfte er Elemente der Kanzeln in der Kirche Notre-Dame de la Chapelle von Pierre-Denis Plumier (1721, Brüssel) sowie in der Klosterkirche Leliendael von Michiel van der Voort dem Älteren (1723, Mechelen).[2] Sein Spätwerk gipfelt im imposanten Minervabrunnen auf dem Grand-Place du Sablon in Brüssel (1752–1756), der sich an Figuren von Lemoyne und Coustou anlehnt. Neben Stein- und Holzskulpturen fertigte er zahlreiche Terrakotta-Modelle, von denen nur einige wenige erhalten sind.[1]

Figurengruppe mit Minerva (1751). Place du Grand-Sablon, Brüssel

Skulpturen von Jacques Bergé befinden sich unter anderem im Musée Royaux des Beaux-Arts, im Musée de la Ville de Bruxelles/Museum van de Stad Brussel und im Musée Art & Histoire/Museum Kunst en Geschiedenis in Brüssel, in der Onze-Lieve-Vrouw Hemelvaartkerk in Ninove sowie im Victoria and Albert Museum in London.[1]

Literatur

  • Bergé, Jacques. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 3: Bassano–Bickham. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1909.
  • Paul Fierens: Chaires et Confessionaux baroques. Brüssel 1943.
  • Saskia Durian-Ress: Das barocke Grabmal in den südlichen Niederlanden. In: Aachener Kunstblätter. Bd. 45, 1974.
  • Jacques Bergé, Brussels beeldhouwer 1696–1756. Löwen 1978.
  • Elisabeth Dhanens: De Onze-Lieve-Vrouwkerk te Ninove. Gent 1980.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
Commons: Jacques Bergé – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI