Jacques Preiß
französisch-deutscher Jurist und Politiker, MdR
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Jacques Preiß (* 9. November 1859 in Reichenweier; † 7. März 1916 in München) war Jurist, elsässischer Politiker und Mitglied des Deutschen Reichstags.

Leben
Preiß war der Sohn von Jacques Preiß, einem Küfer, und dessen Frau Marie Salomé Frick. Nach Besuch des Gymnasiums in Colmar (1872–1878) studierte er Rechtswissenschaften in Leipzig (1878–1879) und anschließend in Straßburg (1879–1881), wo er die Studentenverbindung Sundgovia gründete, die Elsässern und Lothringern vorbehalten war. 1886 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt in Colmar. Bei der Reichstagswahl 1893 kandidierte er als unabhängiger liberaler Kandidat im Wahlkreis Colmar und gewann diesen mit Unterstützung der offiziellen katholischen Kirche. Am 31. Januar 1895 hielt er im Reichstag eine vielbeachtete Rede, in der er für Elsaß-Lothringen den Status als gleichberechtigter Bundesstaat forderte.[1] In einer weiteren Reichstagsrede vom 27. Februar 1895 verurteilte er den sogenannten Diktaturparagraphen, ein Notstandsgesetz für Elsaß-Lothringen, das der Exekutive weitreichende Machtbefugnisse im Fall von Gefahr für die öffentliche Sicherheit verlieh.[2][3] Im Juni/Juli 1895 gründete er zusammen mit Daniel Blumenthal die Elsass-Lothringische Volkspartei, eine Regionalpartei, welche die Aufhebung des Diktaturparagraphen und den Status eines Bundesstaats für Elsaß-Lothringen forderte.[4]
1897 wurde Preiß im Kanton Kaysersberg dank der Unterstützung von Abt Emile Wetterlé in den Bezirkstag des Oberelsasses gewählt. Weil er sich im Wahlkampf gegen das Programm der Elsass-Lothringischen Volkspartei hinsichtlich der Trennung von Kirche und Staat sowie der säkularen Bildung ausgesprochen hatte, wurde er aus dieser ausgeschlossen. Preiß verblieb bis 1916 als Abgeordneter im Bezirkstag. Aus dem Bezirkstag heraus wurde er 1903 bis 1911 als Delegierter in den Landesausschuss für Elsaß-Lothringen entsandt. Bei den folgenden Reichstagswahlen stützte er sich, obwohl selbst überzeugter Protestant, auf die politisch organisierten Katholiken und den katholischen Klerus und vertrat zunehmend Positionen des politischen Katholizismus (Aufhebung des Jesuitenverbots, Einführung konfessioneller Schulen). 1898 und 1903 wurde er für die Elsaß-Lothringische Landespartei, eine regionalistische katholische Partei, wiedergewählt. Bei der Reichstagswahl 1907 gewann er den Wahlkreis mit Unterstützung des Elsaß-Lothringischen Zentrums.[4][5]
Am 26. Mai 1911 stimmte er, wie die meisten elsässisch-lothringischen Abgeordneten, im Reichstag gegen den Gesetzesentwurf zur Autonomie Elsaß-Lothringens, den er für unzureichend hielt. Am 4. Juni 1911 wirkte er an der Gründung des Nationalbundes mit, eines pro-französischen, regionalistischen Wahlbündnisses, das Katholiken und Liberale zusammenführen wollte. Bei der Landtagswahl in Elsaß-Lothringen 1911 unterlag er als Kandidat des Nationalbunds im Wahlkreis Colmar-Stadt dem SPD-Kandidaten Charles Hindelang. Er verzichtete bei der Reichstagswahl 1912 auf eine erneute Kandidatur.[4]
1913 hielt Preiß Vorträge über Elsaß-Lothringen in Paris und Brüssel. Nach Kriegsausbruch 1914 wurde er aufgrund seiner bekannt pro-französischen Haltung zunächst in Colmar, dann in Tübingen inhaftiert, aus dem Elsass verbannt und in Stuttgart, später in München unter Hausarrest gestellt. 1916 verstarb er in München.[4]

DEPUTE PROTESTAIRE
MORT EN EXIL
1859–1916
Am 10. Juli 1921 wurde in Colmar eine vom Bildhauer Roger Maurice Marx geschaffenes Denkmal von Preiß aufgestellt. Dieses wurde während der deutschen Besetzung des Elsass am 10. Juli 1940 demontiert. Die zu Füßen des Denkmals befindliche weibliche Statue, die das Elsass symbolisieren sollte, wurde ins Musée Bartholdi verbracht. Am 13. Juli 1997 wurde letztere wieder aufgestellt (ohne die ursprüngliche preußische Pickelhaube zu Füßen der Statue, heutige Adresse: 23 rue d’ Agen).[6]
Weblinks
- Jacques Preiß in der Datenbank der Reichstagsabgeordneten
- Biografie von Jacques Preiss. In: Heinrich Best: Datenbank der Abgeordneten der Reichstage des Kaiserreichs 1867/71 bis 1918 (Biorab – Kaiserreich)