Jaime Oliveira

osttimoresischer Verwaltungsbeamter in portugiesischen und indonesischen Diensten From Wikipedia, the free encyclopedia

Jaime dos Remédios de Oliveira (* 25. Januar 1937 in Fohorem, Cova Lima, Portugiesisch-Timor; † 13. März 2024 in Dili, Osttimor)[1] war ein osttimoresischer Verwaltungsbeamter in portugiesischen und indonesischen Diensten.

Jaime dos Remedios de Oliveira (2021)

Werdegang

Jaime Oliveira war der Sohn des Krankenpflegers António Luís de Oliveira aus Kametageo (Liquiçá) und Luisa De Araújo aus Coiltada (Ainaro). Mit vier Jahren wurde Jaime von Theresa Silveiro de Oliveira aus Balarwain (Viqueque) adoptiert. Als António Oliveira während der Schlacht um Timor dem australischen Flieger George Sidney das Leben rettete, wurde er, zusammen mit seinem kleinen Sohn, von den Japanern inhaftiert. Jaime wurde von Artur do Canto Resende befreit, der nicht akzeptierte, dass die Japaner auch Kinder bestrafen.

Jaime Oliveira absolvierte die vierte Klasse 1947 am Colégio der Missão do Sagrado Coração de Jesus in Soibada. Es folgte bis 1957 eine Schulausbildung im Bereich Verwaltung und Recht. Von 1969 bis 1970 besuchte Oliveira die Escola Technica Provincia Ultimarino in Lissabon.

1957 begann Oliveira für den Meteorologischen Dienst in Dili und Viqueque zu arbeiten. 1960 wurde er Administrator des Verwaltungsamtes Baguia. Von 1964 bis 1967 folgten Administratorposten in Tilomar und Fatumean, von 1967 bis 1969 in Fatuberlio und Alas und 1972 in Remexio. Noch im selben Jahr erhielt Oliveira das Amt des stellvertretenden Administrators des Kreises Manatuto. Dem folgte 1973 für vier Monate die Position des Vize-Administrators von Same und für sechs Monate von Baucau, wo er dann für drei Monate Interims-Administrator wurde.

Ab 1974 war Oliveira portugiesischer Administrator von Oe-Cusse Ambeno. Als Sympathisant der FRETILIN unterstützte er Mitglieder der Studentenorganisation UNETIM, die von Dili geschickt wurden, um Basisarbeit für die Partei in der Exklave zu betreiben.[2] Bereits am 6. Juni 1975 besetzten die Indonesier die Exklave. Die Soldaten waren als Kämpfer der UDT getarnt.[3] Als die FRETILIN schließlich am 28. November 1975 Osttimor für unabhängig von Portugal erklärte, übernahm bereits am Tag darauf eine indonesisch kontrollierte „Fünfte Kolonne“ in Oe-Cusse Ambeno die Kontrolle.[4][5] Am 13. Dezember organisierte El Tari, der indonesische Gouverneur von Nusa Tenggara Timur, eine offizielle Zeremonie, in der die „Integration“ von Oe-Cusse Ambeno in Indonesien proklamiert wurde und Administrator Oliveira und der portugiesische Militärkommandant José Valente ihre Loyalität zu Indonesien erklärten.[2]

Unter der indonesischen Herrschaft blieb Oliveira (nun als Bupati) bis 1984 weiterhin Administrator von Oe-Cusse Ambeno.[6] Von 1984 bis 1989 war er Bupati des Distrikts Liquiçá. 1987 war Oliveira im Gespräch als Ersatz für Gouverneur Mário Viegas Carrascalão, der beim indonesischen Militär nicht besonders beliebt war.[7]

Von 1989 bis 1997 arbeitete Oliveira als Leiter der Landwirtschaftsabteilung Viehhaltung I der indonesischen Provinzregierung und von 1998 bis 1999 als Sportdirektor für Osttimor. Von 1999 bis 2000 übernahm er für die Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen für Osttimor die Aufgaben als Koordinator für UN-Justizfragen. Bis 2001 arbeitete er als Übersetzer im Justizministerium und 2006 im Büro von Premierminister José Ramos-Horta.

Oliveira verstarb am 13. März 2024 um 2 Uhr morgens im Hospital Nacional Guido Valadares in Dili und wurde von seiner Familie in der Gemeinde Liquiçá beigesetzt.[8] Von Staatspräsident José Ramos-Horta wurde er als jahrzehntelanger Kämpfer gegen den Antikolonialismus gewürdigt.[1]

Sonstiges

Oliveira erhielt 1987 zusammen mit Gouverneur Mário Viegas Carrascalão die indonesische Auszeichnung Kalpataru (Medaille für Umweltschutz und Entwicklung). Am 28. November 2023 bekam er den Ordem de Timor-Leste (Stufe Collar).[9]

Trotz seiner Tätigkeit in der indonesischen Verwaltung weigerte er sich die gesamte Besatzungszeit Indonesisch zu sprechen und verwendete stattdessen weiter Portugiesisch. Drei Anschläge auf sein Leben überlebte er.

Einzelnachweise

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