Jakob Reeb
deutscher Priester und Politiker (Zentrumspartei), bayerischer Landtagsabgeordneter
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Jakob Reeb (* 24. Mai 1842 in Schifferstadt; † 22. April 1917 in München) war katholischer Priester der Diözese Speyer und Abgeordneter des Bayerischen Landtags in München.



Leben und Wirken
Jakob Reeb stammte aus Schifferstadt; seine Eltern waren einfache Bauersleute. In seiner Heimatgemeinde besuchte er die Volksschule. Der Ortspfarrer Ernst Freiherr von Gagern förderte ihn und weckte in ihm die Berufung, Geistlicher zu werden. In Speyer besuchte Reeb das Bischöfliche Konvikt und das Gymnasium, sein Studium absolvierte er in München. Am 18. August 1867 erhielt er vom Speyerer Bischof Nikolaus von Weis die Priesterweihe. Zunächst Kaplan in Speyer und Landau in der Pfalz, wurde Reeb zum 1. Oktober 1869 Religionslehrer am Humanistischen Gymnasium in Zweibrücken. 1873 übernahm er die Seelsorge am dortigen Zuchthaus. Dort lernte er besonders die Not der jugendlichen Straftäter kennen, die mit erwachsenen Schwerkriminellen zusammengesperrt waren.
Bei der Reichstagswahl 1890 kandidierte er im Reichstagswahlkreis Pfalz (Bayern) 4 erfolglos. Von 1899 bis 1911 hatte der Priester ein Mandat als Zentrums-Abgeordneter im Bayerischen Landtag, gewählt für den Wahlkreis St. Ingbert. Im Parlament setzte er sich nachhaltig für die Trennung von jugendlichen und erwachsenen Strafgefangenen ein. Er befürwortete die Resozialisierung der Jugendlichen und brachte 1902, zusammen mit dem Ministerialreferenten Ferdinand Englert, in Bayern das sogenannte „Zwangserziehungsgesetz“ ein, das für die Jugendlichen weniger auf Bestrafung als vielmehr auf Erziehung abhob. Reeb wurde Landtagsreferent für das Zwangserziehungsgesetz und gründete 1905 den Katholischen Jugendfürsorge-Verein der Pfalz, dessen Vorsitzender er bis zu seinem Tode blieb. Zusammen mit dem späteren Domkapitular Franz Joseph Gebhardt, der – wie Reeb – lange Jahre Strafgefangene pastoriert hatte, initiierte er am 20. September 1905 die Gründung dieses Vereins. Dadurch wurde ein Fürsorgeheim zur Aufnahme gestrandeter Jugendlicher und eine Dachorganisation geschaffen, um entsprechende Jugendliche in aufnahmewillige Gastfamilien hinein zu vermitteln. Den Vorstand bildeten die Initiatoren Jakob Reeb, Franz Joseph Gebhardt und Fritz Claus. Im Vereinsausschuss saßen unter anderem Franziskus von Bettinger und Josef Siben. Aus dem Verein entwickelte sich der Verband der Katholischen Jugendfürsorge, das St. Josephsheim wurde zum Jugendwerk St. Joseph.[1]
Nach seiner Pensionierung übersiedelte Jakob Reeb 1910 nach München, wo er nun auch erster Vorsitzender des bayerischen Landesausschusses für Jugendfürsorge war. Dort starb er 1917. Die Jakob-Reeb-Schule in Landau (Pfalz) ist nach ihm benannt.[2] Neben seiner beruflichen und politischen Tätigkeit war Jakob Reeb geschichtlich interessiert und gehörte 1873 zu den Mitbegründern des Historischen Vereins Zweibrücken.[3] Der Priester trug den Ehrentitel eines königlich bayerischen Geistlichen Rates.
Literatur
- Bistum Speyer: Nachruf, im Oberhirtlichen Verordnungsblatt für das Bistum Speyer, Nr. 11, vom 9. Mai 1917, Seiten 193 und 194 des Jahrgangs
- Nikolaus Moll: Das Landerziehungsheim St. Joseph zu Landau-Queichheim, St. Josefs Verlag, Landau-Queichheim, 1935
- Viktor Carl: Lexikon Pfälzer Persönlichkeiten, 3. Auflage, Hennig Verlag, Edenkoben, 2004, ISBN 3-9804668-5-X, Seite 694
Weblinks
- Jakob Reeb in der Parlamentsdatenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte in der Bavariathek.
- Webseite zur Geschichte der katholischen Jugendfürsorge, mit Kurzbiografie von Jakob Reeb