James Wolfe
britischer General
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James Wolfe (* 2. Januar 1727 in Westerham, Kent; † 13. September 1759 in Québec) war ein britischer General, bedeutend durch seine Rolle bei der Eroberung Kanadas durch Großbritannien. Seine Eroberung der Stadt Québec in der Schlacht auf der Abraham-Ebene am 13. September 1759 war der Wendepunkt in den Franzosen- und Indianerkriegen, der den Briten die Herrschaft über Kanada brachte.

Leben
James Wolfe war Sohn des Offiziers Edward Wolfe (1685–1759) aus dessen Ehe mit Henrietta Thompson (1704–1764) und von frühester Jugend für eine militärische Karriere erzogen, obwohl er ein zierliches und empfindliches Kind war. 1738 zog die Familie nach Greenwich. Bereits als 14-Jähriger trat er 1742 als Second Lieutenant in das Marineinfanterie-Regiment seines Vaters (das spätere 44th Regiment of Foot alias 1st Regiment of Marines) ein. Im Frühjahr 1743 wechselte er als Lieutenant zu Scipio Duroures Infanterieregiment (das spätere 12th Regiment of Foot) und nahm mit diesem am Österreichischen Erbfolgekrieg (1740–1748) gegen die Franzosen teil, wo er 1743 an der Schlacht bei Dettingen beteiligt war und 1744 zum Captain befördert wurde. Danach diente er unter dem Duke of Cumberland im Feldzug von 1745 und 1746 gegen den Aufstand der von Prinz Charles Edward Stuart geführten schottischen Jakobiten, wo er die Schlachten von Falkirk und Culloden erlebte. Nach der Niederschlagung des Aufstands kehrte er auf das europäische Festland zurück, wo er in der Schlacht bei Lauffeldt nahe Maastricht (21. Juni 1747) verwundet und für sein Verhalten im Gefecht gelobt wurde.
1749 erreichte Wolfe den Rang eines Majors. 1750 wurde er als Lieutenant-Colonel Kommandeur seines Regiments. Nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Kriegs (1756–1763, in Nordamerika Franzosen- und Indianerkrieg, 1754–1763) nahm er 1757 an einer misslungenen Landeoperation bei Rochefort (Frankreich) teil und war einer der wenigen Offiziere, die sich bei dieser Aktion auszeichneten. Von 1758 bis 1759 amtierte er als Colonel des 67th Regiment of Foot. Er erregte die Aufmerksamkeit des Premierministers William Pitt, der ihn 1758 zum Brigadier-General befördern ließ und mit General Jeffrey Amherst nach Nordamerika schickte, um die französische Festung Louisbourg auf der Kap-Breton-Insel anzugreifen. Wolfe kommandierte die erste britische Landungswelle trotz des schweren französischen Abwehrfeuers persönlich und spielte in der Folge trotz seines schlechten Gesundheitszustands bei dem Erfolg der Belagerung eine wesentliche Rolle. Laut Amherst schien er überall zu sein, trieb seine Soldaten und sich selbst permanent an und führte sie auch unter schwerstem Feuer persönlich.

Nach der Eroberung von Louisbourg kehrte Wolfe zunächst nach England zurück, wurde aber 1759 als Major-General Oberbefehlshaber einer gegen Québec geschickten Armee. Nach einer erfolgreichen Landung und einer schwierigen, zweieinhalbmonatigen Belagerung, während der er größtenteils schwer krank war, er litt wie sein 1744 daran verstorbener Bruder Edward an Tuberkulose, fand er einen ungenügend gesicherten Zugang auf das Plateau von Québec und konnte einen Teil seiner Armee dorthin bringen. In der folgenden Schlacht auf der Abraham-Ebene gelang es ihm am 13. September 1759, die von Louis-Joseph de Montcalm geführte französische Armee entscheidend zu schlagen. Wolfe wurde während der Schlacht dreimal verwundet, zuletzt tödlich, und starb am 13. September im Bewusstsein seines Sieges. Auch sein Gegner Montcalm wurde tödlich verwundet und starb am folgenden Tag.
Wolfes Leichnam wurde nach England überführt und in der Kirche St Alfege’s nahe seinem Wohnsitz am Croom’s Hill in Greenwich beigesetzt. Im nahe gelegenen Greenwich Park erinnert eine Statue an ihn, ebenso ein Denkmal in der Westminster Abbey.
Wolfes Vater, Lieutenant-General Edward Wolfe, starb am 26. März 1759 im Alter von 74 Jahren, wenige Monate vor seinem Sohn, der an seiner Seite beigesetzt wurde. Wolfes Mutter starb am 26. September 1764 im Alter von 60 Jahren.
Bedeutung

Wolfe gilt bis heute als einer der brillantesten britischen Generale. In seiner Erscheinung war er klein, dünn und zierlich; sein Charakter hat großes Lob hervorgerufen. Laut seinem Biographen Robert Wright (Lit.: Life of James Wolfe, London 1864) war er „impulsiv, aber nicht unbesonnen, standhaft, aber nicht störrisch, voller Selbstvertrauen, aber anspruchslos und bescheiden, ehrgeizig, aber nicht prahlerisch; großzügig, gastfreundlich und wohltätig, aber nicht extravagant, gerade heraus, aber freundlich, geistreich, aber nicht egoistisch, offenherzig, aber höflich“.
Von seinen Offizieren und Soldaten wurde er verehrt, nicht zuletzt, weil er sich trotz seiner schwachen Gesundheit nicht schonte, alle Härten teilte und sich auch größten Gefahren aussetzte. Sein Enthusiasmus und seine Begeisterungsfähigkeit wirkten ansteckend und in hohem Maße motivierend – einem anderen Historiker zufolge hatte er die Gabe, bei seinen Soldaten die besten Eigenschaften zum Vorschein zu bringen, die sie hatten.
Charakteristisch ist die Anhänglichkeit, die ihm die unter seinem Kommando stehenden schottischen Hochländer entgegenbrachten, gegen die er 1745/46 noch gekämpft hatte. Sein früher Tod im Alter von 32 Jahren war ein unersetzlicher Verlust für die britische Armee, deren Mangel an fähigen Generalen während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges offenbar wurde.
Siehe auch
Literatur
- Robert Wright: Life of Major General James Wolfe. Chapman & Hall, London 1864.
- Francis Parkman: Montcalm and Wolfe. Little, Brown & Co, Boston 1885 (Nachdruck 1964).
- Beckles Willson: The Life and Letters of James Wolfe. Heinemann, London 1909.
- William Templeton Waugh: James Wolfe. Man and Soldier. L. Carrier & Co, Montreal 1928.
- Robin Reilly: The Rest to Fortune. The Life of Major General James Wolfe. Cassell, London 1960.
- Stuart Reid: Wolfe, James (1727–1759). In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; doi:10.1093/ref:odnb/29833 (Lizenz erforderlich), Stand: 4. Oktober 2008.
- Stephen Brumwell: Paths of Glory. The Life and Death of General James Wolfe. McGill-Queen’s University Press, Montreal 2007, ISBN 0-7735-3261-7.
- Wolfe, James. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 28: Vetch – Zymotic Diseases. London 1911, S. 773 (englisch, Volltext [Wikisource]).
Weblinks
- Francis Parkman: Montcalm and Wolfe bei gutenberg.org (englisch)
- Historial Biography: James Wolfe (1727–1759) bei blupete.com (englisch)
- C. P. Stacey: Biography of Famous General James Wolfe bei militaryheritage.com (englisch)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Wolfe, James |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer General |
| GEBURTSDATUM | 2. Januar 1727 |
| GEBURTSORT | Westerham, Kent |
| STERBEDATUM | 13. September 1759 |
| STERBEORT | Québec |