Jan Janszoon

Admiral der barbareskischen Piratenflotte, niederländischer Herkunft From Wikipedia, the free encyclopedia

Jan Janszoon van Haarlem, auch bekannt als Murad Reis oder Murat Reis der Jüngere[1] (* um 1570 in Haarlem; † nach 1641 in Marokko), war ein nordafrikanischer Pirat niederländischer Herkunft. Er war der erste Großadmiral der Korsaren der Barbareskenrepublik Bou-Regreg um die Stadt Salé, ab 1623 kurzzeitig ihr Gouverneur und ab 1635/40 Gouverneur von Oualidia in Südmarokko (nördlich von Safi). Jan Janszoon galt als einer der berüchtigtsten Korsaren des 17. Jahrhunderts – der bekannteste der „Salé-Vagabunden“. Die Namensänderung geschah wegen seiner Konversion zum Islam im Jahre 1618.[2]

Leben

Janszoon war ein niederländischer Kaufmann mit Handelsbeziehungen nach Spanien. Obwohl er in den Niederlanden verheiratet war, schloss er in Cartagena eine zweite Ehe, aus der mehrere Kinder stammten. Diese zweite Frau, deren Name unbekannt ist, war möglicherweise Mudejarin oder Moriskin.

1605 erhielt Janszoon einen Kaperbrief, der ihm erlaubte, vor Dunkirken, im Achtzigjährigen Krieg Stützpunkt spanischer Freibeuter, spanische Schiffe aufzubringen. Im Zuge der Reconquista wurden die Morisken 1609 aus Spanien vertrieben. Im selben Jahr beendete ein Vertrag die staatlich sanktionierte Piraterie. Jan führte die Freibeuterei auf eigene Rechnung fort und kaperte spanische und andere Schiffe, wobei er jeweils Flaggen hisste, die seine Opfer in Sicherheit wiegen sollten.[1]

1618 wurde er vor Lanzarote von Korsaren gefangen genommen und nach Algier gebracht, wo er das Schiff von Süleyman Reis übernahm, dem ebenfalls aus den Niederlanden stammenden Führer der algerischen Korsarenflotte. Er trat zum Islam über und nahm den Namen Murad an. Nach dem Friedensschluss zwischen Algerien und Europa im folgenden Jahr verlegte er seinen Stützpunkt nach Salé, wo er zum amīr al-bahr der barbareskischen Piratenflotte aufstieg. Mehrfach kehrte er nach Veere in den Niederlanden zurück, um dort Schiffe reparieren zu lassen, erbeutete Schiffe zu verkaufen, neue Seeleute anzuheuern und Kontakt mit seiner niederländischen Familie zu pflegen.[1]

Im Juli 1621 wurde ein Raubzug an der Küste von Fuerteventura gemeldet. Jan Janszoon soll dort mit zwei Schiffen unterwegs gewesen sein und Siedler der Insel gefangen genommen haben.[3]

1623 ernannte ihn Sultan Mulai Ziden (reg. 1608–1623) zum Gouverneur von Salé. Vermutlich war es keine echte Ernennung des Sultans, sondern nur die Bestätigung einer vollendeten Tatsache, um den äußeren Anschein zu wahren.[4] Der zum Islam übergetretene Holländer erhielt 1624 zur Festigung der Beziehung eine Tochter des Sultans als dritte Frau. Der Verkauf gestohlener Waren, sonstige Handelsgeschäfte und Hafenzölle verhalfen Murad Reis und der Stadt zu großem Wohlstand. Dabei war auch der Sklavenhandel von wirtschaftlicher Bedeutung. Er überfiel Küstenorte und entführte Menschen, um sie in den Barbareskenstaaten als Sklaven zum Verkauf anzubieten. (Robinson Crusoe, Held im gleichnamigen Roman von Daniel Defoe, verbrachte in der Fiktion zwei Jahre in Salé als Sklave von Piraten.[5])

Ab 1627 verschlechterten sich die politischen Verhältnisse für Murad Reis, da die Führung der Kasbah von Salé die unabhängige Republik Bou-Regreg ausrief. Daraufhin verlegte er seine Basis wieder nach Algier und verstärkte seine Piratenzüge auf See.[6] So segelten 1627 zwölf von ihm kommandierte Schiffe nach Island und überfielen mehrere Fischerdörfer an der südlichen Küste. Bessastaðir, den Sitz des dänischen Statthalters in der Nähe von Reykjavík, konnten sie nicht erobern. Von dieser Fahrt kehrte er mit reicher Beute und etwa vierhundert entführten Menschen zurück, darunter auch Frauen und Kinder. Diese Ereignisse werden auf Isländisch als Tyrkjaránið, der türkische Überfall, bezeichnet.[7] Der Pastor Ólafur Egilsson wurde wenig später freigelassen, um Lösegeld einzutreiben. In Kopenhagen berichtete er König Christian IV. von den Ereignissen.[8] Alle anderen wurden in Nordafrika in die Sklaverei verkauft. Einige der Entführten konnten 1636 mit Unterstützung des Königs freigekauft werden und nach Island zurückkehren. Darunter war Guðríður Símonardóttir von den Westmännerinseln, die den Pastor Hallgrímur Pétursson heiratete, der die Heimgekehrten wieder mit der isländischen Sprache und dem christlichen Glauben vertraut machen sollte.

1635 wurde Murad Reis von Malteser Rittern gefangen genommen. Nach fünfjähriger Gefangenschaft auf Malta gelang ihm bei einem Korsarenüberfall die Flucht und er kehrte nach Algier zurück. Der Sultan ernannte ihn zum Gouverneur von Oualidia. Anlässlich des Besuchs seiner 1596 geborenen Tochter Lysbeth aus seiner ersten Ehe ist er im August 1641 zum letzten Mal erwähnt.[1]

Anthony Jansz van Salee

Einer der Söhne aus der zweiten Ehe war vermutlich Anthony Jansz van Salee, der 1629 als Seemann aus Cartagena in Amsterdam an Bord seines Schiffes heiratete und mit seiner Frau nach Neu Amsterdam zog. Dort legte er einen Obstgarten an, in dem die ersten bekannten Kirschbäume der Neuen Welt wuchsen. Nach zehn Jahren musste er das Gebiet des heutigen Manhattans nach einem Streit verlassen und siedelte sich in Gravesend auf Long Island an, wo sein Land noch hundert Jahre später als Turk's plantation bezeichnet wurde. Später war er als Kaufmann tätig.[9]

Verarbeitung

Im Jahr 2009 tourte das Bühnenschauspiel Jan Janszoon, de blonde Arabier durch die Niederlande. Es wurde von Karim El Guennouni geschrieben und basiert auf Janszoons Leben als Pirat.[10]

Literatur

Commons: Jan Janszoon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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