Jan Pieter Krahnen

deutscher Hochschullehrer, Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung From Wikipedia, the free encyclopedia

Jan Pieter Krahnen (* 31. August1954 in Wuppertal) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und war bis 2022 Professor für Kreditwirtschaft und Finanzierung an der Goethe-Universität Frankfurt. Darüber hinaus ist er Gründungsdirektor emeritus des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE in Frankfurt am Main. Er gilt als einer der prägenden Vertreter der finanzwirtschaftlichen Forschung in Deutschland und Europa und hat insbesondere zur Analyse von Bankenkrisen und zur Weiterentwicklung der Finanzmarktregulierung beigetragen.[1]

Leben

Nach einer Banklehre bei der BHF-Bank studierte Krahnen Betriebswirtschaftslehre (Banken, Geldpolitik, Politikwissenschaft) an der Goethe-Universität Frankfurt, wo er 1984 auch promovierte. Vier Jahre später wurde er an der Freien Universität Berlin habilitiert. Nach Anstellungen als Vertretungsprofessor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität zu Köln und als Professor für Finanzwirtschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen folgte Krahnen 1995 einem Ruf an die Goethe-Universität Frankfurt.

Dort übernahm er das Institut für Kapitalmarktforschung und baute dieses über 25 Jahre mit weiteren Kollegen zu dem heutigen Center for Financial Studies CFS[2] aus. 2013 wurde am CFS das Forschungszentrum SAFE (Sustainable Architecture for Finance in Europe) initiiert, das 2020 in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen wurde. Krahnen war Wissenschaftlicher Direktor beider Institute und übergab 2020 die Leitung des CFS an Andreas Hackethal und Rainer Klump[3] sowie 2022 die Leitung von SAFE an Florian Heider[4].

Forschung

Schwerpunkte von Krahnens Forschung sind Banken und Finanzintermediäre, Kreditmanagement und Kreditmärkte. Zentral erforscht er dabei die Gestaltung von Finanzinstitutionen und Finanzprodukten mit Fokus auf die Unternehmenskontrolle, die Ausrichtung von Anreizen und die effektive Regulierung von Banken und Kapitalmärkten. Langfristprojekte befassten sich mit der besonderen Rolle von Hausbankbeziehungen für die Unternehmensfinanzierung in Deutschland, sowie der Rolle von Kreditverbriefungen und deren Anreizstrukturen bei der Erklärung der Weltfinanzkrise 2007–2008.

Krahnens Arbeiten wurden in deutschen und internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht, darunter Review of Economic Studies, Experimental Economics, Journal of Financial Stability oder Journal of Banking and Finance[5]. Er war im Editorial Board der Zeitschriften Journal of Financial Service Research, Journal of Banking and Finance und Journal of Financial Stability. Seit 1999 ist Krahnen Research Fellow des Center for Economic Policy Research (CEPR)[6] und hat dort das Research Policy Network (RPN) European Financial Architecture bis 2025 geleitet.

Öffentlicher Einfluss

Von 2008 bis 2012 war Krahnen Mitglied in der Expertengruppe „Neue Finanzmarktarchitektur“, die im Auftrag der Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der internationalen Finanzmärkte erarbeiten sollte[7]. Die Kommission unter Vorsitz von Otmar Issing (auch: „Issing-Kommission“) legte insgesamt sechs Berichte vor.[8] Ende 2010 wurde Krahnen in den wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums der Finanzen berufen. Von 2011 bis 2016 gehörte er auch dem wissenschaftlichen Beirat der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA in Paris an.

Im Februar 2012 berief EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Krahnen als einziges deutsches Mitglied in eine Expertengruppe der Europäischen Kommission zu Strukturreformen im europäischen Bankensektor. Die elfköpfige Gruppe unter Vorsitz des Präsidenten der finnischen Zentralbank Erkki Liikanen (auch „Liikanen-Kommission“) legte am 2. Oktober 2012 ihren Bericht vor.[9][10] In diesem Bericht, und später in der öffentlichen Debatte, hat sich Krahnen mit dem Kerngedanken des Liikanen Reports befasst: Wiederherstellung von Marktdisziplin im Bankenmarkt durch Stärkung der Eigentümerhaftung (Equity und Bail-in Debt) und Zurückdrängung der impliziten Staatsgarantie für Großbanken.

Einzelnachweise

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