Jane Arden
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Jane Arden, geboren als Norah Patricia Morris (* 29. Oktober 1927 in Pontypool, Monmouthshire; † 20. Dezember 1982 in Coverdale, North Yorkshire) war eine walisisch-britische Filmregisseurin, Schauspielerin, Singer-Songwriterin und Dichterin der 1950er bis 1970er Jahre.
Leben
Arden war die Tochter von W. T. Morris, einem Metzger in Newport. Die Mutter war eine geborene Jones und Ardens Onkel war der Sänger Gwynn Parry Jones.[1]
Arden studierte Schauspiel an der Royal Academy of Dramatic Art in London und begann Ende der 1940er Jahre eine Karriere im Fernsehen und im Film.[2] Sie trat in einer Fernsehproduktion von „Romeo und Julia“ auf und spielte in zwei britischen Kriminalfilmen die Hauptrolle: Black Memory (1947) unter der Regie von Oswald Mitchell sowie A Gunman Has Escaped (1948) von Richard M. Grey.
In den 1950er Jahren heiratete Arden den Regisseur Philip Saville. Nach einem kurzen Aufenthalt in New York City, wo sie mit dem Schreiben begann, ließ sich das Paar in Hampstead nieder und bekam zwei Söhne, Sebastian and Dominic.[3] Arden schrieb dann mehrere Theaterstücke und Fernsehdrehbücher, von denen einige von ihrem Ehemann inszeniert wurden.[4]
Ende der 1950er Jahre arbeitete Arden mit mehreren führenden Persönlichkeiten des britischen Theaters und Films zusammen. Ihre Bühnenstücke Conscience and Desire und Dear Liz (1954) fanden Beachtung. Ihr komödiantisches Fernsehdrama Curtains For Harry (1955) mit Joan Sims, Bobby Howes und Sydney Tafler wurde am 20. Oktober 1955 vom neu gegründeten ITV‑Netzwerk ausgestrahlt. Co‑Autor war der Amerikaner Richard Lester, Regie führte Saville.
1958 wurde ihr Stück The Party, ein in Kilburn angesiedeltes Familiendrama, am Londoner New Theatre von Charles Laughton inszeniert. Es war Laughtons letzter Auftritt auf der Londoner Bühne und zugleich der erste von Albert Finney.[5] Ardens Fernsehdrama The Thug (1959) verschaffte Alan Bates eine frühe, prägnante Rolle. 1964 trat Arden gemeinsam mit Harold Pinter in In Camera auf, einer Fernsehproduktion von Jean-Paul Sartres Huis Clos unter der Regie von Saville.
Ardens Werk wurde mit ihrem zunehmenden Engagement im Feminismus und in der Antipsychiatriebewegung der 1960er Jahre immer radikaler. Dies zeigt sich besonders ab 1965, beginnend mit dem Fernsehdrama The Logic Game, das sie schrieb und in dem sie selbst die Hauptrolle spielte.[4] The Logic Game, ebenfalls von Saville inszeniert, zeigte auch den britischen Schauspieler David de Keyser, der später erneut mit Arden im Film Separation (1967) zusammenarbeitete. Arden verfasste das Drehbuch; Regie führte Jack Bond. Separation, in Schwarzweiß von Aubrey Dewar gedreht, enthielt Musik der Gruppe Procol Harum.[6]
Arden und Bond hatten zuvor am Dokumentarfilm Dalí in New York (1966) gearbeitet, der den Surrealisten Salvador Dalí und Arden beim Gang durch die Straßen von New York City zeigt, während sie über Dalís Werk sprechen. Der Film wurde 2007 im Rahmen der Dalí‑Ausstellung in der Tate Gallery wieder gezeigt.[7]
Ardens Fernseharbeiten Mitte der 1960er Jahre umfassten Auftritte in Savilles Exit 19, Jack Russells The Interior Decorator sowie in dem satirischen Programm That Was The Week That Was mit Moderator David Frost. Ihre Arbeit im experimentellen Theater der späten 1960er und 1970er Jahre fiel mit einer Rückkehr zum Kino als Schauspielerin, Autorin und Regisseurin oder Co‑Regisseurin zusammen.[4]
Das Stück Vagina Rex and the Gas Oven (1969) mit Victor Spinetti und Sheila Allen war sechs Wochen lang im Londoner Arts Lab ausverkauft.[8] Arthur Marwick bezeichnete es als „vielleicht die wichtigste Einzelproduktion“ an diesem Veranstaltungsort in jener Zeit.[9] Etwa zur gleichen Zeit schrieb Arden das Drama The Illusionist.
1970 gründete Arden die radikalfeministische Theatergruppe Holocaust und schrieb das Stück A New Communion for Freaks, Prophets and Witches, das später als The Other Side of the Underneath (1972) verfilmt wurde. Sie führte Regie bei dem Film und trat darin ohne Namensnennung auf; Vorführungen auf Filmfestivals, darunter dem London Film Festival 1972, sorgten für erhebliches Aufsehen. Der Film zeigt den psychischen Zusammenbruch und die Wiedergeburt einer Frau in teils gewalttätigen und schockierenden Szenen; der Schriftsteller und Kritiker George Melly nannte ihn „eine äußerst erhellende Saison in der Hölle“, während der BBC‑Radiojournalist David Will ihn als „einen bedeutenden Durchbruch für das britische Kino“ bezeichnete.[10]
Im Laufe ihres Lebens nahm Ardens Interesse an anderen Kulturen und Glaubenssystemen zunehmend die Form einer persönlichen spirituellen Suche an.[11]
Auf The Other Side of the Underneath folgten in den 1970er Jahren zwei weitere Kooperationen mit Jack Bond: Vibration (1974), von Geoff Brown und Robert Murphy in ihrem Buch Film Directors in Britain and Ireland als „eine meditative Übung unter Verwendung experimenteller Film‑ und Videotechniken“ beschrieben,[11] sowie der futuristische Anti‑Clock (1979), der Ardens Lieder enthielt und in dem ihr Sohn Sebastian Saville die Hauptrolle spielte. Anti-Clock eröffnete 1979 das London Film Festival.[12]
1978 veröffentlichte Arden das Buch You Don’t Know What You Want, Do You? und begleitete die Publikation mit öffentlichen Lesungen und Diskussionen, etwa am 1. Oktober 1978 im King’s Head Theatre in London. Obwohl lose als Lyrik eingeordnet, handelt es sich zugleich um ein radikales sozio‑psychologisches Manifest, vergleichbar „mit Ronald D. Laings Knots. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Arden vom Feminismus zu der Auffassung weiterentwickelt, dass alle Menschen von der“ Tyrannei der Rationalität befreit werden müssten.[11]

In den letzten Jahren ihres Lebens litt Arden unter Depressionen. Sie beging am 20. Dezember 1982 in Hindlethwaite Hall in Coverdale, North Yorkshire, Suizid.[4] Ihr Tod hatte Einfluss auf Bond, der beschloss, die mit Arden entstandenen Filme mehrere Jahre lang unveröffentlicht in einem Labor des National Film Archive aufzubewahren.[12][13]
Arden geriet in Vergessen, Stücke und Filme wurden nicht mehr aufgeführt und es gab keine Neuauflagen ihrer Werke. Das änderte sich erst am Ende der 2010er Jahre, als die Britische Kultur der 1960er und 1970er Jahre wieder in den Fokus der Forschung rückten.[14]
2009 restaurierte und veröffentlichte das British Film Institute ihre drei bedeutendsten, zusammen mit Jack Bond geschaffenen Spielfilme: Separation (1967), The Other Side of the Underneath (1972) und Anti‑Clock (1979). Bond war an den Restaurierungs‑ und Wiederveröffentlichungsprozessen beteiligt; die Veröffentlichungen wurden von Vorführungen der restaurierten Filme im National Film Theatre und im Cube Microplex in Bristol begleitet.[15]
Als Hommage an Arden nahm die experimentelle Musikgruppe Hwyl Nofio um Steve Parry aus Pontypool den Song Anti‑Clock in ihr Album Dark (2012) auf.[16]
Werke
Film
- 1947: Black Memory (Kriminalfilm, Schauspielerin)[17]
- 1948: A Gunman Has Escaped (Kriminalfilm, Schauspielerin)[18]
- 1968: Separation (Film, Drehbuch, Schauspielerin)[19]
- 1972: The Other Side of the Underneath (Film, Drehbuch, Schauspielerin, Regisseurin)[20]
- 1975: Vibration (Kurzfilm, Drehbuch, Co-Regisseurin, Kamera, Schnitt)[21]
- 1979: Anti-Clock (Film, Filmmusik, Co-Regisseurin)[22]
Fernsehen
- 1947: Romeo and Juliet (BBC, Schauspielerin)[23]
- 1955: Curtains For Harry (ITV, Drehbuch)[24]
- 1959: Armchair Theatre: The Thug (ITV-Fernsehserie, Armchair Theatre Series 3 Episode 23, Drehbuch)[25]
- 1964: The Wednesday Play: In Camera (BBC, The Wednesday Play Series 1 Episode 3, Schauspielerin)[26]
- 1965: Six: The Logic Game (BBC, Six Series 1 Episode 5, Drehbuch, Schauspielerin)[27]
- 1965: The Wednesday Play: The Interior Decorator (BBC, The Wednesday Play Series 2 Episode 15, Schauspielerin)[28]
- 1966: Five More: Exit 19 (Fernsehspiel, Five More Series 1 Episode 5, Kommentatorin)[29]
- 1966: Dalí in New York (BBC, Interviewerin)[30]
Autorin
- 1954: Conscience and Desire, and Dear Liz (Theaterstück, Dramatikerin)
- 1958: The Party (Theaterstück, Dramatikerin)
- 1968: The Illusionist (Theaterstück, Dramatikerin)
- 1969: Vagina Rex and the Gas Oven (Theaterstück, Dramatikerin)
- 1971: A New Communion for Freaks, Prophets and Witches (Theaterstück, Dramatikerin)
- 1978: You Don't Know What You Want, Do You? (Experimentelles Schreiben, Polyantric Press, London)[31]
Deutschsprachige Hörspielbearbeitung
- 1959: Die Party – Übersetzung: Friedrich Carlson; Bearbeitung und Regie: Cläre Schimmel (SDR)[32]
Weblinks
- Jane Arden. Internet Movie Database, abgerufen am 21. März 2026.