Jane Cumming

Zeugin eines Verleumdungsprozesses; bekannt durch Theaterstück Kinderstunde (1795/6–1844) From Wikipedia, the free encyclopedia

Jane Cumming (verheiratete Tulloch; * 1795/6; † 24. April 1844) war Zeugin eines Verleumdungsprozesses, die durch das Theaterstück The Children's Hour von Lillian Hellman aus dem Jahr 1934 bekannt wurde.[1]

Biografie

Cumming war die Tochter von George Cumming, einem für die Ostindien-Kompanie tätigen Schreiber, und einer unbekannten indischen Mutter.[1] George Cumming war im Alter von achtzehn Jahren nach Indien gereist, um wie zuvor sein Vater und seine Onkel für die Kompanie zu arbeiten.[2] Er war der älteste Sohn von Lieutenant Colonel Alexander Penrose Cumming, 1. Baronet von Gordonstoun und Altyre.[2][1] George verstarb mit nur 26 Jahren.[2]

Cumming wurde entweder Ende 1795 oder Anfang 1796 geboren und erhielt auf Drängen ihres indischen Großvaters den Nachnamen Cumming. George setzte die Beziehung zu ihrer Mutter fort und versprach, ihre Ehre wiederherzustellen und für das Kind zu sorgen.[2]

Als Cumming vier Jahre alt war, informierte George seine Mutter, Lady Helen Cumming Gordon, über Janes Existenz.[2][1] Nach dem Tod ihres Vaters wurde Jane zunächst auf ein christliches Internat in Kolkata geschickt, wo sie das einzige indische Kind war, und anschließend auf eine weitere Schule mit indischen und europäischen Schülern. 1802 wurde Jane nach Schottland auf das Anwesen Gordonstoun geschickt, nachdem der Ehemann von Lady Cumming Gordon, Alexander Cumming Gordon, schwer erkrankt war.[2] Zunächst wurde Jane zur Modistin ausgebildet.[1] Nach dem Tod ihres Mannes zog Lady Cumming Gordon 1807 nach Edinburgh und sah Jane zwei Jahre lang nicht, bis sie – einem Traum folgend – nach ihr schicken ließ und sie als „Tochter der Familie“ legitimierte. Voraussetzung war, dass sie eine neue Mädchenschule besuchte, die von Marianne Woods und Jane Pirie geleitet wurde.[3]

Cumming heiratete 1818 den Schulmeister William Tulloch. Zum Zeitpunkt ihrer Heirat hatte ihre Großmutter ihr 700 Pfund überschrieben. Cumming hatte drei Kinder – George Cumming, Charles Lennox und Eliza Maria Campbell – sowie zwei weitere Kinder, die im Säuglingsalter starben.[3]

Verleumdungsprozess

Cumming besuchte das von Marianne Woods und Jane Pirie geführte Internat in Edinburgh.[4] Am Samstag, dem 10. November 1810, begab sich Cumming in das Haus ihrer Großmutter am Charlotte Square 22,[2] und berichtete ihr, die Lehrerinnen hätten eine sexuelle Beziehung und sie sei häufig aufgewacht, wenn Woods sich zu Pirie in das von ihr, Pirie und Cumming gemeinsam genutzte Bett gelegt habe.[1][5] Jane war die erste Schülerin, die von der Schule genommen wurde; alle anderen verließen sie jedoch innerhalb weniger Tage.[6]

1811 verklagten Woods und Pirie Janes Großmutter wegen Verleumdung.[7][8] Jane sagte im Prozess als Zeugin aus[3] und behauptete, sie sei häufig nachts aufgewacht und habe Woods im Bett von Pirie vorgefunden.[9] Neun Jahre später gelangte der Fall vor das House of Lords, das zugunsten von Woods und Pirie entschied, da die Anschuldigungen als „nicht erwiesen“ galten.[2] Janes Aussage wurde mit dem rassistisch geprägten Argument erklärt; ihre indische Erziehung habe sie mit sexuellem Wissen und Abartigkeiten vertraut gemacht.[6][9][10][11]

Rezeption

Die Geschichte des Gerichtsverfahrens inspirierte das 1934 uraufgeführte Theaterstück The Children’s Hour von Lillian Hellman sowie die spätere gleichnamige Verfilmung The Children’s Hour (1961) unter der Regie von William Wyler, die die Handlung in die Vereinigten Staaten verlegte und mit Audrey Hepburn, Shirley MacLaine und James Garner besetzt war, ebenso wie den Film These Three (1936) mit Miriam Hopkins, Merle Oberon und Joel McCrea.[6] Im Jahr 2026 produzierte Sophie Heldman die Adaption The Education of Jane Cumming, die näher am Original ist.[12][13]

Einzelnachweise

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