Japanischer Staudenknöterich
Art der Gattung Fallopia
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Der Japanische Staudenknöterich (Fallopia japonica (Houtt.) Ronse Decr., Synonyme: Reynoutria japonica Houtt., Polygonum cuspidatum Siebold & Zucc.), auch Japanknöterich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schling- oder Flügelknöteriche (Fallopia) bzw. Staudenknöteriche (Reynoutria) innerhalb der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). In Europa und in Nordamerika zählt diese Pflanzenart zu den problematischen, invasiven Neophyten. Im Jahr 2025 wurde die Art auf die Unionsliste invasiver Arten aufgenommen.[1]

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Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica), typischer Bestand | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Fallopia japonica | ||||||||||||
| (Houtt.) Ronse Decr. |
Beschreibung




Erscheinungsbild
Der Japanische Staudenknöterich ist eine sehr schnellwüchsige (wuchernde), sommergrüne und ausdauernde (halb)krautige Pflanze. Als Überdauerungsorgane bildet er Rhizome, durch die oft dichte, ausgedehnte Bestände entstehen. Im Frühling treibt er aus seinen Rhizomen („Wurzelstöcken“, Erdkriechsprossen), oft nesterweise an „Rhizomköpfen“, neue Stängel („Rameten“), die unter günstigen Bedingungen innerhalb weniger Wochen eine Wuchshöhe von 3 bis 4 Metern erreichen, wobei die Pflanze einen Zuwachs von 10 bis 30 Zentimeter pro Tag erreichen kann. Die anfangs aufrechten, bald aber schräg bis waagerecht überhängenden, kahlen, bambusartigen Stängel sind hohl. Weil zum Hochsommer hin die Wipfel der ungemähten Triebe sich in die Waagerechte neigen und die Laubblätter horizontal ausbreiten, wird der Boden unter solch dichten Beständen dermaßen beschattet, dass selbst Graswuchs abstirbt.
Im Spätjahr zieht die Pflanze ein und die Laubblätter werden gelb, beim ersten Frost sterben alle oberirdischen Teile der Pflanze ab. Die sich weit verzweigenden, bald und von Jahr zu Jahr stärker verholzenden Rhizome überleben den Winter problemlos. Sie reichen, obwohl weitgehend horizontal kriechend, oft bis zu 2 m tief in den Boden. Dort scheinen sie manchmal zusätzlich knollenförmige Speicherorgane zu bilden.
Blatt
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel sowie -spreite gegliedert und 5 bis 20 Zentimeter lang. Der bis 3 Zentimeter lange, kahle Blattstiel steht an einer dünnen Ochrea. Die einfache, mit einer Länge von bis zu 12, selten bis 18 Zentimetern und einer Breite von bis zu 8, selten bis 13 Zentimetern breit-eiförmige, leicht ledrige, raue, stumpfe bis abgerundete oder spitze, zugespitzte bis bespitzte, ganzrandige Blattspreite besitzt einen gestutzten bis spitzen oder leicht herzförmigen Spreitengrund. Die Oberseite ist kahl, die winzigen Haare auf den Blattadern der Unterseite sind ohne Lupe kaum zu sehen.
Blütenstand und Blüte

Der Japanische Staudenknöterich ist, zumindest in Europa, gynodiözisch, das bedeutet, es kommen neben zwittrigen auch rein weiblich blühende Pflanzen vor.[2] Da die Pflanze außerdem selbststeril ist, d. h. Pflanzen (oder genetisch identische Klone) sich nicht selbst befruchten können, kommt es in Europa nicht zur sexuellen Fortpflanzung, Fortpflanzung ist ausschließlich vegetativ, über Rhizom- oder Stängelbruchstücke, möglich. Dies wurde in Nordeuropa, Skandinavien und in Kontinentaleuropa auch genetisch nachgewiesen.[3] Dennoch sind oft Samen auf der Pflanze ausgebildet, die auch keimfähig sind. Dies wird ermöglicht durch Kreuzbefruchtung, selten durch Sachalin-Staudenknöterich, häufiger entweder durch den so gebildeten Hybriden Fallopia × bohemica (Fallopia japonica × Fallopia sachalinensis) oder den nahe verwandten und oft angepflanzten Schlingknöterich (Fallopia baldschuanica).
Im August beginnt der Japanische Staudenknöterich mit der Ausbildung der lockeren, meist rispigen Blütenstände. Diese erscheinen end- oder achselständig, sie sind zusammengesetzt aus vielen kleinen Blütengruppen zu jeweils fünf bis sechs, die jeweils an einem tutenartigen Tragblatt erscheinen. Die kleinen, funktionell eingeschlechtigen und einen bis drei Zentimeter lang gestielten Blüten mit einfacher Blütenhülle enthalten fünf ungleiche, weißliche bis rötliche Blütenhüllblätter. Die äußeren drei davon sind auf der Außenseite gekielt. Die weiblichen Blüten enthalten einen oberständigen Fruchtknoten mit drei gegabelten Narben und kleine Staminodien. Die männlichen Blüten enthalten acht kurze Staubblätter und einen Pistillode. In Europa sind die männlichen Blüten der typischen Form steril, es wird kein Pollen ausgebildet. Nur bei der var. compacta sollen auch fertile männliche Blüten vorkommen.[2]
Es werden kleine, verkehrt-eiförmige und -herzförmige, dreiflügelige und valvenartige Flügelfrüchte mit breiten Flügeln gebildet.
Chromosomenzahl
Die nach Europa eingeschleppten Pflanzen haben achtfachen Chromosomensatz (octoploid), die Chromosomenzahl ist 2n = 8x = 88. Daneben existieren auch morphologisch unterscheidbare, etwas kleinere Pflanzen, die als var. compacta (Hooker fil.)J.P. Bailey beschrieben wurden, mit tetraploidem Chromosomensatz 2n = 4x = 44. In Japan wurden auch hexaploide Pflanzen, mit sechs Chromosomensätzen, nachgewiesen.[4] Pflanzen mit abweichenden Chromosomensätzen in Europa gehören wohl immer zum Hybriden Fallopia × bohemica, oder seltenen Rückkkreuzungen von diesem mit den Elternarten.[5]
Vorkommen im natürlichen Areal
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Japanischen Staudenknöterichs ist das östliche Asien mit Vorkommen in u. a. Japan, Korea, Teilen Chinas und auf Taiwan.[6] In den meisten Ländern Europas, den meisten Staaten der USA, in Teilen Kanadas und auf Neuseeland ist er heute ein Neophyt.[6]
Die Art ist im Japan verbreitet von Hokkaidō im Norden über Honshū, Shikoku, Kyūshū bis zur Insel Amami-Ōshima im Süden. Sie ist überall sehr häufig an Straßenrändern, Waldsäumen und auf Ruderalflächen. Sie wird auch zur Begrünung angepflanzt, etwa auf neu geschobenen Böschungen.[4] Besonders gut untersucht sind die Vorkommen an den Hängen des Vulkans Fuji. Hier wurde bei dem großen Ausbruch 1707 die Vegetation großflächig zerstört und der Grund von meterdicken Asche- und Schlackenlagen verhüllt. Der Staudenknöterich kolonisiert hier als Erstbesiedler diese wüstenartigen Aschenfelder bis in eine Höhe von 2500 Metern, damit oberhalb der lokalen Waldgrenze. Sie ist hier die häufigste Pflanzenart. Sie bildet etwa kreisförmige Flecken von bis zu 100 Quadratmeter Größe. Jeder geht auf einen oder zwei Mutterpflanzen zurück, die sich, als Klone, vegetativ mittels Rhizomen ausbreiten. Die Mutterpflanzen sind genetisch voneinander verschieden, vermutlich stammt damit jeder Flecken von einer oder zwei aus Samen gekeimten Jungpflanzen ab. Damit überwiegt hier, anders als in Europa, die Fernverbreitung mittels Samen.[7] Die Art ist auch auf anderen Vulkanen Japans auf ähnlichen Standorten weit verbreitet. Die hier wachsenden Staudenknöteriche sind niedrigwüchsiger als Pflanzen des Flach- oder Hügellands. Eine taxonomische Abtrennung ist aber nicht möglich.[4]
Auch in niederen Lagen Japans ist die Art sehr häufig. Im Gegensatz zu den invasiven Vorkommen in Europa oder Nordamerika ist sie in Japan sehr beliebt und gilt als wenig problematisch. Die Art wird heute itadori genannt, es finden sich aber in älteren Werken viele Hundert Lokalnamen. Typische Vorkommen sind, neben Ruderalflächen wie Bahn- oder Straßenrändern, auch Grünländer der Grasart Chinaschilf (Miscanthus sinensis), die entweder gemäht oder beweidet, manchmal auch durch Brennen offengehalten werden. Auch in ruderalen Grasländern des Silberhaargrases (Imperata cylindrica) ist sie häufig, ebenso in jungen Pionierwäldern der Amur-Weide (Salix sachalinensis).[8]
Die älteste Erwähnung des Staudenknöterichs findet sich schon im 8. Jahrhundert, im Geschichtswerk Nihonshoki, Abschnitt über den 18. Kaiser (tenno) Hanzei mit dem Beinamen Tajihi-no Mizuhawake. Dieser habe als Kind Wasser aus einem Brunnen erhalten, in den eine Blüte von tajihi hineingefallen sei. tajihi ist ein alter Name des Staudenknöterichs. Erwähnung findet er auch im Gesetzeswerk Engishiki (von 927 n. Chr.). Dort wird er als eine der Pflanzen genannt, die für die Tafel des Kaisers geeignet seien. Junge Triebe des Staudenknöterichs werden bis heute, oft von Kindern, gegessen, in Notzeiten wurden sie als Notnahrung geerntet. Die getrockneten Rhizome fanden Verwendung in der traditionellen Medizin.[8]
Die Vorkommen in China sind ähnlich den japanischen. Angegeben werden Flußtäler, Feldränder und Berghänge von 100 bis 2000 Meter Meereshöhe.[9]
Obwohl manche Autoren den Trivialnamen „Kamtschatka-Knöterich“ für die Art angeben, gibt es keine Hinweise darauf, dass die Art in Kamtschatka natürlich vorkommt oder vorgekommen ist. Im Standardwerk Flora of Kamtchatka and adjacent islands Band 3 (1930, von Eric Hultén) wird sie nicht erwähnt. Albert N. Steward erwähnt keine Vorkommen in The Polygoneae of Eastern Asia (1930). Im Monumentalwerk Flora of the U.S.S.R (Band 5, V.L. Komarov 1936, übersetzt 1970, S. 535) wird sie nicht für den Russischen Fernen Osten angegeben (ein eingeschlepptes Vorkommen). Auch für die Inselkette der Kurilen gibt es keine Nachweise. Nach Abschätzung des Areals auf klimatischer Grundlage („climatic envelope“-Modell) wäre ausschließlich die Südspitze der Halbinsel klimatisch noch für ein mögliches Vorkommen geeignet.[10]
Ausbreitungsgeschichte in Europa

Diese Pflanzenart wurde um 1825 von Philipp Franz von Siebold als Zier- und Viehfutterpflanze nach Europa gebracht und ebenfalls im 19. Jahrhundert in den USA eingeführt. Der Japanische Staudenknöterich zählt damit zu den sogenannten hemerochoren Pflanzen, die gezielt (ethelochor) eingeführt wurden. Auch in der Forstwirtschaft wurde der Japanische Staudenknöterich gezielt angebaut. Er sollte als Äsungspflanze für Rotwild sowie als Deckungspflanze für Fasane dienen. Der Japanische Staudenknöterich wird als Äsung aber nicht angenommen und ist als Deckungspflanze, auf Grund des Blattfalls im Spätherbst, wenig geeignet. Großzügig an seiner Ausbreitung beteiligt waren die Imker, da der Japanische Staudenknöterich im Frühherbst eine exzellente Bienenweide bietet. In Deutschland gilt das Vorkommen als etabliert, wobei sich die Art weiter expansiv ausbreitet.[11]
Im 21. Jahrhundert findet man den Japanischen Staudenknöterich in Mitteleuropa sowohl in Gärten, wegen seines schnellen und hohen Wuchses als Sichtschutz genutzt, als auch im Freiland wild wuchernd. In der Schweiz ist diese Pflanzenart bis auf das Oberengadin in allen Regionen anzutreffen.[12] Dort wurde er in die Schwarze Liste der invasiven Neophyten der Schweiz aufgenommen und der Freisetzungsverordnung unterstellt.[13][14]
Alle europäischen, und nahezu alle nordamerikanischen Vorkommen der Art gehören nach genetischen Untersuchungen zum selben Haplotyp. In Nordamerika trat, sehr selten, ein zweiter Haplotyp auf. Damit ist die genetische Diversität der neophytischen Vorkommen extrem niedrig, vermutlich gehen tatsächlich alle auf die Einfuhr einer einzigen Mutterpflanze zurück (in Nordamerika: zwei). Der europäisch/nordamerikanische Haplotyp wurde auch in Japan bestätigt, das damit auch genetisch als Ausgangsregion nachgewiesen ist. Im Gegensatz dazu ist in Ostasien (Japan, China und Korea) die genetische Diversität weitaus höher, wobei alle chinesischen Vorkommen eine Klade bilden.[10]
Standort und Vergesellschaftung
Der Japanknöterich gedeiht in Mitteleuropa fast überall; besonders auch auf nassen, grundwassernahen, selbst zeitweise überfluteten, nährstoffreichen, meist kalkarmen, tonigen Kies- oder Schotterböden.[15] Er ist eine unduldsame Pionierpflanze in Gesellschaften der Verbände Alno-Ulmion (Erlen-Eschen-Auwälder) oder Salicion albae (Weichholz-Aue) und bildet eigene Gesellschaften in der Klasse Artemisietea (Beifuß-Gesellschaften).[15] In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern am südöstlichen Fuß des Grünten bis zu einer Höhenlage von 1000 Meter auf;[16] im Südschwarzwald in Multen am Belchen schon seit acht Jahrzehnten in solcher Höhenlage.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt & al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w+ (feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).[17]
Ausbreitungsstrategie

In Europa gehören alle vorkommenden Pflanzen zu einem Klon. Dieser ist selbststeril, es werden keine keimfähigen Pollenkörner gebildet.[3] Ausnahme ist nur die tetraploide Fallopia japonica subsp. compacta, die morphologisch deutlich kleiner ist als die typische Form und insgesamt nur selten gefunden wird.[5] Dennoch werden oft zahlreiche Samen auf Pflanzen gefunden, die morphologisch als Japanischer Staudenknöterich angesprochen worden sind. Diese sind auch keimfähig. Bei genauerer Untersuchung erwies es sich aber in allen Fällen, dass es sich in Wirklichkeit um den Hybriden Fallopia × bohemica, oder um Rückkreuzungen unter dessen Beteiligung, handelt. Der Hybride ist oft verkannt worden und wird auch heute noch oft mit der echten Art verwechselt, so zum Beispiel wurde lange Zeit nicht erkannt, dass er auch in Nordamerika häufig ist. In weiteren Regionen, etwa in Nordeuropa, sind keimfähige Samen des Japanischen Staudenknöterichs in Wirklichkeit Hybriden mit Fallopia baldschuanica, dem Schlingknöterich. Der Hybrid wird Fallopia × conollyana genannt.[18] Feld- und Gewächshausstudien aus dem US-Bundesstaat Massachusetts belegen, dass weibliche Staudenknöteriche in Nordamerika große Mengen keimfähiger Samen hervorbringen und überwinternde Sämlinge im folgenden Frühjahr erneut austreiben können, sodass sexuelle Fortpflanzung zur Ausbreitung beitragen kann.[19] Da die Autoren keine cytologischen Studien durchgeführt haben, ist aber unklar, ob sich ihre Resultate auf reinerbigen Japanischen Staudenknöterich oder auch hier auf hybride Pflanzen beziehen.[5] Untersuchungen an europäischen Pflanzen (aus Tschechien) haben erwiesen, dass Hybridpflanzen auch in Europa in Gewächshausexperimenten zahlreiche lebensfähige Samen hervorbringen. Bei Untersuchungen im Freiland war der Samenansatz geringer, zudem starben die meisten (99 Prozent) der Jungpflanzen bald darauf wieder ab. Ein möglicher Grund könnte die geringe Trockenheitsresistenz der Jungpflanzen sein.[20]
Demnach ist Vermehrung des Japanischen Staudenknöterichs in Europa aus Samen wohl zumindest für hybride Pflanzen möglich, spielt aber auch bei diesen keine große Rolle. In der Regel dominiert die klonale, vegetative Vermehrung völlig. Unter der Bodenoberfläche, in mehreren Schichten übereinander, bildet diese Pflanze horizontale Rhizome („Kriechsprosse“) aus. Der Japanknöterich kann dadurch sehr schnell ausgedehnte und sehr dichte Bestände bilden. Selbst sehr kleine Rhizomfragmente können wieder austreiben; in der Literatur werden Regenerationen aus Rhizomstücken von nur etwa 0,7 g Frischgewicht beschrieben.[21] So besiedeln sie, beispielsweise mit Gartenabfällen oder Baustellenaushub verbracht, rasch einen neuen Lebensraum.[22]
Teile von Wurzelstöcken werden auch vom Hochwasser mitgerissen. Genetisch einheitliche, weil klonale, eingeschlechtige Japanknöterich-Bestände von gut 1 km Länge lassen sich an manchen Fließgewässern aufzeigen; so z. B. im Elsass entlang des Flüsschens Fecht. Die Verschleppung rhizomhaltiger Erde, von Gartenabfällen und von Spross- oder Rhizomfragmenten gilt deshalb als wichtiger Ausbreitungsweg über größere Distanzen.[21] Auch die unteren Stängelabschnitte können sich bewurzeln, wenn sie überflutet oder von Erde bedeckt sind.[23]
Schäden als invasiver Neophyt


Der Japanische Staudenknöterich ist heute in 42 US-Bundesstaaten[24] und sechs kanadischen Provinzen sowie vielen europäischen Ländern verbreitet und kann dort in starkem Maße andere Arten verdrängen und so die Biodiversität gefährden. Untersuchungen an fünf Beständen in Neuengland zeigen, dass befallene Flächen im Mittel rund 60 % weniger Pflanzenarten, dafür aber bis zu doppelt so viel oberirdische Biomasse und Stickstoff aufweisen wie angrenzende, nicht befallene Vegetation.[22] Auch Untersuchungen aus Europa zeigen, dass dichte Staudenknöterich-Bestände nicht nur Pflanzenarten verdrängen, sondern zugleich die Nährstoffverhältnisse der obersten Bodenschicht und die Zusammensetzung von Tiergemeinschaften verändern können.[21] Auch in Australien und Neuseeland wird diese Art als Ärgernis („nuisance“) eingestuft.[25]
Allein im Vereinigten Königreich sind nach Schätzungen etwa eine halbe Million Häuser wegen Knöterichbefalls nicht versicherbar, und die jährlichen Schäden sowie Bekämpfungskosten belaufen sich auf rund 288 Millionen US-Dollar; seine Rhizome können dabei sogar massive Betonfundamente durchdringen und Bauprojekte zum Stillstand bringen.[26]
Eine Studie zeigte, dass Wurzel-Polyphenole, insbesondere Resveratrol, die mikrobielle Nitrifikation im Boden um bis zu 70 % hemmen und damit die Stickstoffverfügbarkeit für konkurrierende Pflanzen weiter verringern.[27]
In Naturschutzgebieten (insbesondere in Auen und an Bachläufen) ist der Japanische Staudenknöterich problematisch, weil er sich aufgrund seiner außergewöhnlichen Wuchskraft und Robustheit erfolgreich gegen die heimische Flora durchsetzt. In Österreich dringt er durch Schüttmaterial bis in die sensiblen Ökosysteme der Almengebiete in Höhenlagen von bis zu 1500 Metern vor. Nach Einstufung des Bundesamts für Naturschutz gehen von der Art gesichert negative Auswirkungen auf naturnahe und naturschutzfachlich wertvolle Flächen, darunter auch FFH-Lebensraumtypen, aus.[11]
Der Japanische Staudenknöterich ist wegen seiner besonderen Widerstandsfähigkeit und Schnellwüchsigkeit als Gartenpflanze erhältlich. Der Zentralverband Gartenbau empfiehlt jedoch den Verzicht auf Fallopia-Arten.[28] In der Schweiz sind der Verkauf, die Vermehrung, die Anpflanzung und die Duldung von Japanischem Staudenknöterich verboten,[29]. Dasselbe gilt in Großbritannien,[30] wo inzwischen mit Japanischem Staudenknöterich bewachsene Grundstücke am Immobilienmarkt deutlich schwerer zu verkaufen sind.[31]
Die Art zählt zu den 100 gefährlichsten Neobiota weltweit.
Mit der Erweiterung der Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung im Juni 2025 wurde der Japanische Staudenknöterich, gemeinsam mit dem Sachalin-Flügelknöterich und dem Bastard-Flügelknöterich, in die Liste invasiver Arten aufgenommen.[1] Damit sind neben der Einbringung in die freie Natur auch das Ausbringen im besiedelten Raum und jegliches Inverkehrbringen per EU-Verordnung europaweit verboten. Kommt die Art auf einem Grundstück vor, kann der Eigentümer zur Bekämpfung verpflichtet werden (§ 40a Abs. 3 BNatSchG[32]).
Verwandte
Etwas seltener findet man den von der Insel Sachalin stammenden, ihm ähnlichen Sachalin-Staudenknöterich (Fallopia sachalinensis), der in ähnlicher Weise kultiviert wird und auch verwildert. Dieser unterscheidet sich vom Japanischen Staudenknöterich durch höheren Wuchs (bis 4,3 Meter), größere, bis zu 30 Zentimeter lange Laubblätter mit deutlich herzförmigem Spreitengrund und grünlichweiße Blütenstände.
Ebenso verbreitet ist die Hybride dieser beiden Arten: Fallopia × bohemica (Syn.: Reynoutria × bohemica, Reynoutria × vivax). Am leichtesten erfolgt die Bestimmung über die Behaarung der Laubblätter: Reynoutria japonica: Blätter unbehaart (bzw. Behaarung nicht mit bloßem Auge erkennbar); Reynoutria sachalinensis: Blattspreite unterseits behaart; Fallopia × bohemica: nur die Blattadern erkennbar behaart. Der Hybrid bildet lebensfähige Samen und gilt in Teilen der Literatur als besonders regenerations- und invasionsfähig; ein systematischer Review fand jedoch keinen schlüssigen Nachweis dafür, dass die Wirksamkeit von Bekämpfungsmaßnahmen verlässlich nach taxonomischer Zugehörigkeit zu unterscheiden wäre.[33]
Bekämpfung

Die Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs ist wegen seiner starken vegetativen Regeneration aus Rhizom- und Sprossfragmenten langwierig; häufig sind mehrjährige Maßnahmenbündel und Nachkontrollen erforderlich.[33][34] Als realistisches Ziel gilt in vielen Fällen nicht die kurzfristige Ausrottung, sondern die Verringerung von Bestandsdichte, Austriebsstärke und weiterer Verschleppung.[21][33] Ein systematischer Review fand für die bis dahin quantitativ auswertbaren Verfahren zwar kurzfristige Rückgänge der Knöterichhäufigkeit, aber keine robuste Evidenz für eine kurzfristige Ausrottung und nur wenige belastbare Langzeitdaten.[33] In einem belgischen Feldversuch führten weder chemische noch mechanische Verfahren innerhalb von ein bis zwei Jahren zur vollständigen Beseitigung der getesteten Klone, obwohl einzelne Verfahren die Bestände deutlich schwächten.[21] Ein groß angelegter britischer Feldversuch mit 19 Behandlungsvarianten über drei Jahre bestätigte, dass keine Variante eine vollständige Ausrottung erreichte.[35]
Prävention, Entsorgung und Hygiene
Vorrang haben Prävention und Eindämmung, insbesondere die Vermeidung der Verschleppung kontaminierter Böden, Rhizomstücke und Schnittgut.[34][36] Schnittgut und kontaminierter Erdaushub dürfen nicht in die freie Landschaft oder in den Kompost gegeben werden; empfohlen werden – je nach lokalen Vorschriften – die thermische Behandlung, Verbrennung oder die Abgabe an zugelassene Anlagen.[34][37] Maschinen und Werkzeuge sind nach Arbeiten am Bestand gründlich zu reinigen; unnötige Bodenbewegungen sind zu vermeiden.[34][37] Diese Vorsichtsmaßnahmen sind besonders wichtig, weil Kontrolleingriffe selbst zur Ausbreitung beitragen können, wenn dabei Rhizom- oder Sprossfragmente verschleppt werden.[21] Zu beachten ist jedoch, dass Pflanzenteile durch ein Abwaschen von Werkzeugen (Schaufeln usw.) in das Abwasser gelangen und so an anderer Stelle (z. B. Flüssen) zu einer weiteren Verbreitung führen können.
Mechanische und physische Verfahren
Reine Mahd oder einmaliges Schneiden schwächt vor allem die oberirdischen Triebe, führt aber in der Regel nicht zu einer nachhaltigen Bestandsbeseitigung.[21][33] Der belgische Feldversuch fand unter den mechanischen Varianten die stärkste Wirkung bei wiederholtem Schnitt in Kombination mit der Pflanzung einheimischer Gehölze, ohne dass dadurch eine Ausrottung erreicht wurde.[21] Mahd oder Schlegeln allein gilt wegen geringer Langzeitwirksamkeit und des Verbreitungsrisikos durch Fragmente als problematisch; die Maßnahme sollte, wenn überhaupt, nur als Teil eines eng begleiteten Maßnahmenbündels erfolgen.[38][39] Beweidung kann ebenfalls eine Bekämpfungsmaßnahme darstellen.[11]
Aushub oder Abtrag kann lokale Bestände reduzieren, ist aber kostenintensiv und birgt ein hohes Verschleppungsrisiko.[37][40] Für die Planung relevant ist die typische Rhizomausdehnung, die – abhängig von der Bestandsgröße – meist innerhalb von 2–4 m vom Sprosszentrum liegt.[41] In dem britischen Feldversuch verbesserte die Kombination aus Aushub und Herbizidbehandlung die Kontrolle gegenüber einer entsprechend terminierten Glyphosatbehandlung allein nicht eindeutig, erhöhte aber Aufwand und Kosten.[35] Abdeckungen mit Geotextilien oder Geomembranen können in Einzelfällen Wachstum unterdrücken, die Evidenz ist jedoch gemischt und die praktische Wirksamkeit hängt stark von vollständiger, lichtdichter und dauerhaft randgesicherter Abdeckung ab.[42][43] Im groß angelegten britischen Feldversuch war eine HDPE-Geomembranabdeckung unter den getesteten Verfahren die am wenigsten wirksame Variante zur Reduktion der gemessenen Bestandsparameter.[35]
Chemische Verfahren
Die wirksamsten Ergebnisse wurden in neueren Feldstudien mit glyphosatbasierten Anwendungen erzielt, wenn der Anwendungszeitpunkt an die jahreszeitliche Verlagerung von Assimilaten in die Rhizome angepasst wurde.[35] Besonders wirksam waren im britischen Versuch eine zweimalige Blattapplikation im Sommer und Herbst sowie eine im Herbst erfolgende Blattapplikation oder Stängelinjektion; keine dieser Varianten führte jedoch innerhalb von drei Jahren zur vollständigen Ausrottung.[35] Der günstige Zeitpunkt erklärt sich dadurch, dass der Rhizomapparat ab dem Sommer zunehmend als Senke für in den oberirdischen Pflanzenteilen gebildete Assimilate wirkt, wodurch systemische Wirkstoffe leichter in aktive Rhizomknospen verlagert werden.[35] Eine bloße Erhöhung der Herbizidmenge verbesserte die Wirkung nicht zuverlässig; entscheidend waren vielmehr geeigneter Wirkstoff, ausreichende Abdeckung, phänologisches Timing und Applikationsform.[35]
Bei der Stängelinjektion wird ein systemisches Herbizid, meist Glyphosat, mit einem Injektionsgerät direkt in die hohlen Stängel des Staudenknöterichs eingebracht, statt es auf die Blätter zu spritzen. Üblicherweise wird nahe einem Knoten injiziert; in Versuchen wurden etwa 1–5 ml je Stängel bzw. in einem großen Feldversuch 3–5 ml unverdünntes Glyphosat je Stängel verwendet. Der Wirkstoff soll anschließend mit dem Assimilatstrom in das Rhizomsystem verlagert werden, weshalb Anwendungen im Spätsommer oder Herbst besonders sinnvoll sind. Die Methode vermindert Abdrift und schont benachbarte Vegetation besser als Spritzungen, führt aber meist nicht allein zur Ausrottung und muss häufig nachkontrolliert oder wiederholt werden.
Stängelinjektionen können die behandelten Sprosse stark schädigen, sind aber nicht automatisch flächig überlegen.[44] In einem Versuch an Fallopia × bohemica verursachten Injektionen nach vier Wochen mehr als 90 % sichtbare Schädigung an den injizierten Sprossen, nach neun Monaten war jedoch in allen Parzellen wieder aktives Knöterichwachstum vorhanden.[44] Die Methode ist außerdem dadurch begrenzt, dass kleine oder beim Einstich aufplatzende Stängel nicht zuverlässig injiziert werden können und nicht injizierte Nachbartriebe kaum mitgeschädigt werden.[44] Im britischen Feldversuch erforderte die Stängelinjektion pro Fläche mehr als das Fünfzehnfache der Glyphosatmenge gegenüber den wirksamen Blattbehandlungen und war arbeitsintensiver.[35] Die Schnitt-Stumpf- beziehungsweise Cut-and-fill-Behandlung war dort trotz noch höherer Wirkstoffmenge nicht wirksamer als geeignete Blattbehandlungen, weil nur ein Teil der aktiven Rhizomknospen erreicht wurde.[35]
Die rechtliche Zulässigkeit von Wirkstoffen, Dosierungen und Applikationsarten richtet sich nach nationalem Recht; in Gewässernähe gelten oft zusätzliche Beschränkungen.[36][37] In Belgien erwies sich Glyphosat im Vergleich der getesteten Wirkstoffe als am wirksamsten, während Fluroxypyr/Aminopyralid-Kombinationen und Triclopyr allein die Bestände nicht ausreichend kontrollierten.[21] Der Zusatz weiterer Herbizide oder physischer Maßnahmen verbesserte im britischen Feldversuch die Kontrolle gegenüber geeigneten glyphosatbasierten Verfahren nicht.[35] Da die Verfügbarkeit und Zulassung einzelner Wirkstoffe regional unterschiedlich ist und sich ändern kann, müssen konkrete Anwendungen immer an die jeweils geltenden Vorschriften angepasst werden.[37]
Integrierte Ansätze
Integrierte Ansätze verbinden Prävention, Eindämmung, mechanische Schwächung, standortgerechte chemische Verfahren und anschließende Kontrolle des Wiederaustriebs.[21][34] Die Forschungslage spricht gegen pauschale Standardrezepte und für standortbezogene Strategien, weil Bestandsgröße, Zugänglichkeit, Schutzstatus, Gewässernähe, Entsorgungswege und rechtliche Vorgaben die geeigneten Maßnahmen stark beeinflussen.[21][33] Langfristige Nachkontrollen sind notwendig, weil Wiederaustrieb aus nicht ausreichend geschädigten oder zunächst dormant gebliebenen Rhizomknospen auftreten kann.[35] Kombinationen wie gezieltes Freilegen oder Teilaushub zur Anregung von Neuaustrieb und anschließende Herbst-Glyphosatgabe können die Behandlungsdauer verkürzen, erfordern aber strikte Hygienemaßnahmen gegen Fragmentverschleppung und sind nicht in jedem Fall anderen Strategien überlegen.[35][45]
Biologische Bekämpfung
Als klassisches Biokontroll-Agens wurde der japanische Blattfloh Aphalara itadori in mehreren Ländern freigesetzt (u. a. seit 2010 im Vereinigten Königreich; seit 2020 in Nordamerika). Die Etablierung im Feld ist bislang inkonsistent; Populationsdichten werden durch einheimische Räuber begrenzt, sodass der bisherige Beitrag zur flächenwirksamen Bestandsreduktion begrenzt bleibt. Forschung und genehmigte Freisetzungsprogramme werden fortgeführt.[46][47] Experimente berichten u. a. von einer Begrenzung der Etablierung durch Prädation; wird der Zugang kriechender Räuber verhindert, steigt das Nymphenüberleben deutlich.[48] In den Niederlanden wurden seit 2020 Freilandfreisetzungen am Hybrid Reynoutria × bohemica begleitet; die Blattflöhe überstanden den Winter, breiteten sich lokal aus und verursachten Blattkräuselungen ohne Nicht-Ziel-Effekte.[49] Ein jüngerer Befund ist die Ausbildung von Blattrollgallen am Hybrid Reynoutria × bohemica mit moderater Wachstumshemmung – besonders bei Besiedelung junger Blätter –, was Freisetzungen kurz nach dem Rückschnitt nahelegt.[50]
Wirksamkeit, Kosten und Umweltwirkungen
Eine vergleichende Lebenszyklusanalyse von sieben Bekämpfungsansätzen zeigte, dass glyphosatbasierte Verfahren in der betrachteten Produktionsphase die geringsten modellierten Umweltwirkungen und die niedrigsten Umsetzungskosten aufwiesen.[40] Geomembranabdeckung und integrierte physikalisch-chemische Verfahren waren in dieser Analyse die kosten- und wirkungsintensivsten Varianten.[40] Die Studie weist zugleich darauf hin, dass solche Bewertungen standort- und zielabhängig interpretiert werden müssen, weil ökologische Risiken nach der Anwendung, Expositionspfade und gesellschaftliche Akzeptanz nicht allein aus Produktionsdaten abgeleitet werden können.[40] Für die Praxis ergibt sich daraus, dass „chemiefrei“ nicht automatisch mit geringerer Umweltbelastung gleichzusetzen ist, wenn großflächige physische Verfahren viel Material, Maschineneinsatz, Transport oder Entsorgung verursachen.[40]
Verwendung

Die jungen Sprosse bis 20 cm Höhe können als Gemüse zubereitet werden. Wenn sie sehr jung sind, können sie sogar roh gegessen werden.[51]
In China und Japan wird die Wurzel medizinisch verwendet.
Die Pflanze enthält in allen Teilen den sekundären Pflanzenstoff trans-Resveratrol, der auf zahlreiche mögliche therapeutische Nutzwirkungen getestet wird. Resveratrol besitzt unter anderem Wirkung als Phytoöstrogen.[52] Die Pflanze wurde in ihrer Heimat Japan seit Jahrhunderten für Heiltees verwendet, die, wie die Pflanze selbst, „Itadori“ genannt werden. Resveratrol gilt als der wahrscheinlichste aktive Bestandteil des Tees. Obwohl der Resveratrol-Gehalt in der Pflanze um mehrere Größenordnungen höher liegt als in roten Weintrauben (einer anderen, viel untersuchten Quelle für Resveratrol), war der Gehalt im Tee nicht höher als in Rotwein; dies wird darauf zurückgeführt, dass er im wässrigen Extrakt Tee stark verdünnt wird.[53]
Staudenknöterich als Neststandort für Singvögel
Bis 2019 wurden in Europa in vier Fällen wissenschaftliche Untersuchungen publiziert über die Nutzung von Staudenknöterich als Neststandort von Singvögeln. In Staudenknöterich wurden Nester von Sumpfrohrsänger, Teichrohrsänger, Heckenbraunelle, Bluthänfling, Neuntöter, Goldammer, Amsel, Mönchsgrasmücke und Gartengrasmücke gefunden. In einem Sumpfrohrsänger-Nest in Staudenknöterich fand man einen jungen Kuckuck. In Japan fand man Nester von Chinarohrsänger (Acrocephalus orientalis), Brauenrohrsänger (Acrocephalus bistrigiceps), Riesenschwirl (Locustella fasciolata), Rubinkehlchen und Maskenammer (Emberiza spodocephala) in ihm. Wegen der Nutzung des Staudenknöterichs als Neststandort dürfen Bekämpfungsmaßnahmen nur außerhalb der Brutzeit stattfinden, damit Bruten geschützter Singvögel nicht vernichtet werden. Der Samen wird von verschiedenen Vogelarten gefressen.[54]
Systematik
Die Art wurde erstbeschrieben durch den niederländischen Naturforscher und Arzt Maarten Houttuyn im zweiten Band seines Werks Natuurlyke historie of uitvoerige beschryving der dieren, planten en mineraalen, volgens het samenstel van den Heer Linnaeus, met naauwkeurige afbeeldingen, erschienen 1777, als Reynoutria japonica. Er beschrieb für die Art gleichzeitig eine neue Gattung: Reynoutria. Hoyttuyn hatte allerdings niemals sein Heimatland zum Pflanzen Sammeln verlassen. Er hatte die Herbarexemplare, auf denen seine Beschreibung beruht, zugesandt erhalten durch den berühmten schwedischen Arzt, Naturforscher und Japanreisenden Carl Peter Thunberg. Thunberg bereiste Japan finanziert über die Niederländische Ostindien-Kompanie, Houttuyn war vermutlich einer seiner Finanziers. Ein Herbarexemplar aus Houttuyns Sammlung, beschriftet in Thunbergs Handschrift, wurde zum Lektotypus der Art bestimmt.[55] Lebende Pflanzen erreichten Europa zuerst 1825, aber fehlbestimmt als Houttuynia cordata, ihre Herkunft war aus China.[56] Hoyttuns Werk wurde von anderen europäischen Naturforschern oft wenig wahrgenommen, da es auf Niederländisch publiziert worden war, was nur wenige beherrschten. Vermutlich deshalb wurde die Art von Philipp Franz von Siebold zusammen mit Joseph Gerhard Zuccarini 1846 in den Abhandlungen der Mathematisch-Physikalischen Klasse der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, als Polygonum cuspidatum, erneut beschrieben. Grundlage waren diesmal Pflanzen, die Siebold selbst in Japan gesammelt hatte. Die Identität beider Arten bemerkte der japanische Botaniker Makino Tomitarō erst 1901.[2]
Über die Gattungszugehörigkeit der Art gab es von Anfang an Streit, der bis heute nicht entschieden ist. Verschiedene Autoren ordnen sie, bis in jüngste Zeit, in die Gattungen Fallopia, Reynoutria oder Polygonum (sensu lato) ein. Protagonisten der dritten Möglichkeit verwenden den Namen Polygonum cuspidatum Siebold & Zucc. weiter, da die Kombination Polygonum japonicum (Houtt.) S.L.Welsh illegitim ist (es gibt mit Polygonum japonicum Meisn. in DC von 1856, heute Persicaria japonica, ein älteres Homonym). Jahrzehntelang war der Originalname Reynoutria japonica weithin akzeptiert und in Europa die gänge Bezeichnung, während viele nordamerikanische und ostasiatische Botaniker an Polygonum cuspidatum festhielten. In einer Gattungsrevision 1998 haben dann zwei Botaniker die alte Gattung Reynoutria als Sektion in die schon länger akzeptierte Gattung Fallopia mit einbezogen,[57] was zunächst fast überall akzeptiert wurde. 2023 legte dann aber eine weitere Arbeitsgruppe, auch gestützt auf genetische Analysen, eine Neubearbeitung der Artengruppe vor, bei der sich ergab, dass Fallopia in diesem Sinne nur dann monophyletisch sei, wenn auch die bisherige Gattung Muehlenbeckia (die Drahtsträucher) mit einbezogen würde. Sie sprachen sich daraufhin dafür aus, die alte Gattung Reynoutria wieder einzusetzen.[58] Darin sind ihnen einige, aber nicht alle Botaniker gefolgt. Der Name Reynoutria japonica findet sich dadurch in älterer oder dann wieder in ganz neuer Literatur.
Hybridogene Artentstehung
Eine neue Wendung ergibt sich durch eine Arbeit von 2025.[59] Den Autoren ist es gelungen, das Genom der Art umfangreich zu sequenzieren. Das war vorher nicht gelungen, da durch den oktoploiden Chromosomensatz und dadurch 88 Chromosomen das Sequenzalignment schwierig ist. Es erwies sich, dass die acht Chromosomensätze aus zwei Teilgenomen bestehen, die jeweils vier Chromsomen beisteuern (also AAAABBBB, für die beiden Teilgenome A und B). Damit erwies sich der Japanische Staudenknöterich selbst als hybridogene Art, der durch die Hybridisierung zweier nahe verwandter Arten, also allopolyploid, entstanden ist. Quelle des A-Subgenoms ist entweder Vielblütiger Knöterich (Fallopia multiflora) selbst oder eine Vorgängersippe mit nächster Verwandtschaft zu dieser Art. Eine rezente Art, die Quelle des B-Subgenoms gewesen sein kann, wurde nicht ermittelt.
Auch der nahe verwandte Sachalin-Staudenknöterich (Chromosomenzahl 2n = 4x = 44) erwies sich als allopolyploid, die vier Teilgenome des tetraploiden Chromosomensatzes hier mit der Struktur AABB. Die Art Japanischer Staudenknöterich ist vermutlich aus dem Sachalin-Staudenknöterich durch Verdoppelung des Genoms (autopolyploid) hervorgegangen, nachdem dieser vorher aus der Hybridisierung zweier getrennter, aber nahe verwandter Knöterich-Arten entstanden war. Es liegt also beim Japanischen Staudenknöterich sowohl Allo- wie auch Autopolyploidie vor, erst Hybridisierung zweier verwandter Arten unter Bildung einer neuen Art mit einer Verdoppelung des Chromosomensatzes, danach eine weitere Verdoppelung bei dieser Art selbst. Die einzelnen Chromosomen beider Teilgenome zeigen fast perfekte Syntenie, während es zwischen beiden Teilgenomen zu tiefgreifenderen Umbauprozessen gekommen ist. Durch die Verdoppelung fast aller Gene sind aber neue Allele hinzugekommen, die eine höhere Evolutionsgeschwindigkeit ermöglicht haben.
Literatur
- Craig C. Freeman, Harold R. Hinds: Fallopia.: Fallopia japonica und Fallopia japonica var. japonica – textgleich online wie im gedruckten Werk, In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 5: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 2, Oxford University Press, New York und Oxford, 2005, ISBN 0-19-522211-3.
Weblinks
- Fallopia japonica (Houtt.) Ronse Decr., Japanischer Flügelknöterich auf FloraWeb.de
- Japanischer Staudenknöterich – Steckbrief und Verbreitungskarte für Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns
- Fallopia japonica bei Missouri Plants.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Website: Blumen in Schwaben).
- Ausführliche Beschreibung der Japanese Knotweed Alliance bei CABI (engl.).
- Japanese knotweed auf invasive.org.
- Zeitrafferfilm zum Wachstum bei BBC.
- Neophyten Erkennen & Bekämpfen – Japanischer Staudenknöterich (Informationsfilm des Kantons Thurgau).