Jasnaja Poljana (Kaliningrad)

früher Trakehnen, Dorf im Rajon Nesterow, Oblast Kaliningrad, Russland From Wikipedia, the free encyclopedia

Jasnaja Poljana (russisch Ясная Поляна, deutsch Trakehnen (bis 1945 zwei Landgemeinden: 1) Trakehnen und 2) Groß Trakehnen, das 1929 in eine Landgemeinde umgewandelte Gut Trakehnen) ist eine Siedlung in der russischen Oblast Kaliningrad. Sie gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Nesterow im Rajon Nesterow.

Schnelle Fakten Geographische Lage ...
Siedlung
Jasnaja Poljana
(Groß) Trakehnen

Ясная Поляна
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Bevölkerung 702 Einwohner
(Stand: 1. Okt. 2021)[1]
Zeitzone UTC+2
Postleitzahl 238012
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 000 054
Geographische Lage
Koordinaten 54° 34′ N, 22° 27′ O
Jasnaja Poljana (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Jasnaja Poljana (Kaliningrad) (Europäisches Russland)
Lage im Westteil Russlands
Jasnaja Poljana (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Jasnaja Poljana (Kaliningrad) (Oblast Kaliningrad)
Lage in der Oblast Kaliningrad
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Im Jahr 1732 gründete Friedrich Wilhelm I. von Preußen hier das Königliche Stutamt Trakehnen, um alle namhaften Gestüte Ostpreußens in einem einzigen großen Gestüt zu vereinigen.

Geographische Lage

Die Ortschaft liegt im historischen Ostpreußen, am rechten Ufer der Rodap, unweit der Rominter Heide, etwa 17 Kilometer ostsüdöstlich der Stadt Gussew (Gumbinnen).

Ortsname

Der Ortsname Trakehnen leitet sich von dem litauischen oder altpreußischen Wort trakis= „Lichtung, Brandstätte“ ab. Die russische Bezeichnung bedeutet ebenfalls helle Lichtung.

Geschichte

Trakehnen östlich der Stadt Königsberg i. Pr. und ostsüdöstlich der Stadt Gumbinnen auf einer Landkarte von 1908

Die beiden eigenständigen Landgemeinden Trakehnen und Groß Trakehnen gehörten im Jahr 1945 zum Kreis Ebenrode im Regierungsbezirk Gumbinnen der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.[2] Die Landgemeinde Groß Trakehnen war aus dem Gutsbezirk Trakehnen hervorgegangen.

Gut Trakehnen

Gleich im nordwestlichen Anschluss an das Dorf Trakehnen (s. u.) folgte das Hauptvorwerk des preußischen Hauptgestütes Trakehnen, des zentralen staatlichen Zuchtbetriebs für die Pferderasse Trakehner.

Der Gutsbezirk Trakehnen gehörte seit 1874 zum Amtsbezirk Trakehnen im Landkreis Stallupönen,[3] dem auch noch die Landgemeinde Iszledimmen angehörte. Am 10. Oktober 1884 wurde diese aufgelöst, da sie für das Gestüt aufgekauft worden war. Im Jahr 1900 wurden die Güter Bajohrgallen, Birkenwalde, Burgsdorfshof, Danzkehmen, Gurdszen, Kalpakin und Taukenischken als Vorwerke an das Gut Trakehnen angeschlossen. Im Jahr 1910 hatte der so vereinigte Ort 1691 Einwohner.[4] Am 30. September 1929 wurde der Gutsbezirk Trakehnen in die Landgemeinde Groß Trakehnen umgewandelt und hatte im Jahr 1933 1540 Einwohner.[2] Im Jahr 1938 wurden die Vorwerke Bajohrgallen in Goltzfelde, Danzkehmen in Oettingen, Gurdszen[5] in Schwichowshof, Kalpakin in Königseichen und Traukenischken in Belowsruh umbenannt.

In Trakehnen fanden jährlich die große Pferdeauktion, das Trakehner Jagdreiten und im Herbst Querfeldeinrennen statt.[6]

Trakehnen (Dorf)

Das Dorf Trakehnen gehörte seit 1874 als Landgemeinde zum Amtsbezirk Enzuhnen im Landkreis Stallupönen.[7] Im Jahre 1910 hatte der Ort 498 Einwohner,[4]

Demographie

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung bis 1945 vor und nach Umwandlung des Guts in eine eigenständige Landgemeinde
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782königliches Stutamt mit acht Feuerstellen (Haushaltungen) und königliches Dorf mit 15 Feuerstellen, eingepfarrt zu Entzuhnen[8]
18180457königliches Dorf, Vorwerk und Landgestüt mit 300 Einwohnern und königliches Bauerndorf mit 157 Einwohnern, zum Kirchspiel Enzuhnen gehörig[9]
18520678davon 333 im Dorf Trakehnen und 345 im Vorwerk Trakehnen[10]
18670862am 3. Dezember, davon 500 in der Landgemeinde und 362 im Gutsbezirk (Hauptgestüt)[11]
18710679am 1. Dezember, davon 506 in der Landgemeinde (sämtlich Evangelische) und 373 im Gutsbezirk (365 Evangelische, fünf Katholiken und drei sonstige Christen)[11]
18850818am 1. Dezember, davon 505 in der Landgemeinde (496 Evangelische, neun sonstige Christen) und 313 im Gutsbezirk (309 Evangelische, vier sonstige Christen)[12]
18900807am 1. Dezember, davon 490 in der Landgemeinde und 317 im Gutsbezirk[13]
18950924am 2. Dezember, davon 523 in der Landgemeinde (522 Evangelische, eine katholische Person) mit einem Gesamtflächeninhalt von 313,9 Hektar und 401 im Gutsbezirk (394 Evangelische, sieben Katholiken) mit einem Gesamtflächeninhalt von 546,7 Hektar[14]
19102189am 1. Dezember, Dorf und Gutsbezirk, mit einer Bahnmeisterei und einem königlichen Hauptgestüt, davon 498 in der Landgemeinde und 1691 im Gutsbezirk[15][16]
19330508[2], nach Umwandlung des Gutsbezirks Trakehnen in die neue Landgemeinde Groß Trakehnen
19390501[2]
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Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Bevölkerungsentwicklung der neuen Landgemeinde Groß Trakehnen bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
19251754am 16. Juni, Gutsbezirk Trakehnen mit einem Gesamtflächeninhalt (am 1. April 1927) von 2727 Hektar und 48 Ar,[17] 1929 Umwandlung des Gutsbezirks in eine Landgemeinde
19331540Landgemeinde[2]
19391519Landgemeinde[2]
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Jasnaja Poljana

Landwirtschaftsschule

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die beiden Landgemeinden Groß Trakehnen und Trakehnen von der Roten Armee besetzt und nach Beendigung der Kampfhandlungen zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion verwaltet. Nach der Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner erfolgte die Wiederbesiedlung durch Russen, wie im restlichen sowjetisch verwalteten Teil Ostpreußens, nur spärlich.

Im Jahr 1947 erhielt Groß Trakehnen den russischen Namen Jasnaja Poljana und Trakehnen den russischen Namen Diwnoje.[18] Gleichzeitig wurden beide Orte in den Dorfsowjet Tschkalowski selski Sowet im Rajon Nesterow eingeordnet. Die im Jahr 1900 zum Gut Trakehnen hinzugekommenen Vorwerke gehörten offenbar in der Folge nicht mehr zu Jasnaja Poljana.[19] Ob es ein eigenständiges Diwnoje in dieser Form vor Ort wirklich gegeben hat, muss zunächst offenbleiben. Heute wird mit Diwnoje der ehemalige Wohnplatz Bahnhof Trakehnen bezeichnet. Jedenfalls gehört das ehemalige Dorf Trakehnen gemäß der verfügbaren Karten spätestens seit Ende der 1960er Jahre mit zu Jasnaja Poljana. Etwa in den 1970er Jahren war Jasnaja Poljana selber Verwaltungssitz des Tschkalowski selski Sowet. Von 2008 bis 2018 gehörte der Ort zur Landgemeinde Iljuschinskoje selskoje posselenije, von 2019 bis 2021 zum Stadtkreis Nesterow und seither zum Munizipalkreis Nesterow. Die Einwohnerzahlen von Jasnaja Poljana bei den drei letzten Volkszählungen in den Jahren 2002, 2010 und 2021 betrugen 955, 997 und 702.

Im Dorf sind noch wenige Häuser aus deutscher Zeit erhalten Die Anlagen des Gestüts sind weitestgehend verfallen. Im ehemaligen Landstallmeisterhaus (Schloss Trakehnen) sowie dem ehemaligen Reitburschenhaus befindet sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Schule. Durch die Schüler und Lehrer der Schlossschule werden die Geschichte des Ortes sowie des Hauptgestütes Trakehnen in einem kleinen Museum gepflegt und auf Nachfrage der Öffentlichkeit vorgestellt. Pferdezucht wird direkt am Standort nicht mehr betrieben. Jedoch befindet sich zum Beispiel in Majowka (dem früheren Landgestüt Georgenburg) eine Pferdezucht.

Kirche

Bei seiner vor 1945 überwiegend evangelischen Bevölkerung war Gut bzw. Groß Trakehnen in das Kirchspiel Enzuhnen (1938–1946 Rodebach) eingegliedert und gehörte zum Kirchenkreis Stallupönen (1938–1946 Ebenrode) der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.[20]

Zu sowjetischen Zeiten kam das kirchliche Leben zum Erliegen. Erst in den 1990er Jahren entstand in Jasnaja Poljana selbst eine kleine evangelische Gemeinde, die sich in Ermangelung eines eigenen Kirchengebäudes in einem Privathaus trifft. Sie gliederte sich der Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland an. Das zuständige Pfarramt ist das der Salzburger Kirche in Gussew (Gumbinnen).[21]

Verkehr

Jasnaja Poljana ist zu erreichen über die Kommunalstraße 27K-183, die bei Diwnoje (Bahnhof Trakehnen) von der Föderalstraße A 229, der ehemaligen deutschen Reichsstraße 1 (heute auch Europastraße 28) abzweigt.

Diwnoje ist auch die nächstgelegene Bahnstation an der Bahnstrecke Kaliningrad–Tschernyschewskoje (Königsberg–Eydtkuhnen/Eydtkau), dem Endstück der früheren Preußische Ostbahn, heute zur Weiterfahrt nach Litauen und ins russische Kernland.

Söhne und Töchter des Ortes

Siehe auch

Literatur

  • Trakehnen, Dorf und Gutsbezirk, rechts der Rodap, Kreis Stallupönen, Regierungsbezirk Gumbinnen, Provinz Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Trakehnen (meyersgaz.org).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 470–471 (Google Books).
  • Wolfgang Rothe, ORTSATLAS TRAKEHNEN – Das Hauptgestüt, seine Vorwerke und das Dorf. Eine siedlungsgeschichtliche Dokumentation. Selbstverlag, gebunden, 560 S. mit 4 Seiten Nachtrag und Rezensionen, über 1000 Fotos, Karten, Dokumente, Abbildungen, Tabellen, Luftbild-Aufnahmen; Rezension von G. Turner; 2011

Einzelnachweise und Anmerkungen

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