Javohir Sindarov
usbekischer Schachspieler
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Javohir Sindarov (kyrillisch Жавоҳир Синдаров; russisch Жавохир Синдаров Schawochir Sindarow; * 8. Dezember 2005 in Taschkent) ist ein usbekischer Schachspieler. Seit 2019 trägt er den Titel Großmeister. Im April 2026 gewann er das Kandidatenturnier und wird bei der Weltmeisterschaft 2026 als Herausforderer gegen den amtierenden Weltmeister D. Gukesh um den Titel spielen.
| Javohir Sindarov (2022) | |
| Verband | |
| Geboren | 8. Dezember 2005 Taschkent |
| Titel | Internationaler Meister (2017) Großmeister (2019) |
| Aktuelle Elo‑Zahl | 2776 (Mai 2026) |
| Beste Elo‑Zahl | 2776 (Mai 2026) |
| Karteikarte bei der FIDE (englisch) | |
Schachkarriere
Jugendjahre
Sindarov begann mit vier Jahren Schach zu spielen. Bei den Asienmeisterschaften unter Schülern 2012 gewann er im Blitzschach und wurde im klassischen Turnier Zweiter.[1] Bei den Schüler-Weltmeisterschaften 2014 wurde er in der Altersklasse U9 Sieger im Schnellschachturnier.[2] Im Jahr 2015 erhielt er den Titel Meisterkandidat und gewann im August des Jahres die asiatische Jugendmeisterschaft in der Altersklasse U10.[3]
Im Jahr 2016 trat Sindarov erfolgreich bei den Czech Open in Pardubice auf. In neun Partien erzielte er bei zwei Siegen und sieben Unentschieden fünfeinhalb Punkte. Etwas weniger erfolgreich war Sindarov beim Heimturnier der Tashkent Open im Frühjahr 2017: sechs Siege und drei Niederlagen in neun Partien.[4] Bei den asiatischen Jugendmeisterschaften 2017 gewann er das klassische Turnier der Altersklasse U12 und wurde auch Sieger des anschließenden Blitzschachwettbewerbes.[5] Mit einem vierten Platz im zentralasiatischen Zonenturnier erfüllte Sindarov die letzte Turniernorm zum Titel Internationaler Meister und wurde im Oktober 2017 offiziell mit diesem ausgezeichnet.[6] Bei den U12-Jugendweltmeisterschaften wurde er 2017 Zweiter.
Seine erste Großmeisternorm erreichte er beim Alekhine Memorial im Juni 2018. Der zweite Schritt zum Titel gelang Sindarov im September während der Juniorenweltmeisterschaft 2018.[4] Er erreichte den zweiten Platz und verbesserte dabei seine Wertung auf 2500. Im Oktober 2018 erzielte er beim First Saturday seine dritte Turniernorm und qualifizierte sich damit zum zweitjüngsten Großmeister der Geschichte.[7][8] Der Titel wurde ihm im März 2019 von der FIDE verliehen.
Aufstieg zum Spitzenspieler
Sindarov setzte sich im August 2019 mit zehn Punkten aus zwölf Partien bei der usbekischen Einzelmeisterschaft durch.[9] Bei vorherigen Teilnahmen wurde er 2016 Fünfter,[10] 2017 Neunter[11] und 2018 Dritter im Spitzenturnier.[12] 2020 wurde er nach Niederlagen gegen Shamsiddin Vohidov und Nodirbek Yoqubboyev erneut Dritter,[13] ehe er im Jahr 2021 zum zweiten Mal usbekischer Meister wurde und dabei Shamsiddin Vohidov ebenso wie Nodirbek Abdusattorov und Jahongir Vohidov besiegte.[14]
Über den siebten Platz bei der Asienmeisterschaft 2021 qualifizierte Sindarov sich für den Schach-Weltpokal 2021.[15] Auf Setzlistenplatz 121 sorgte er für eine große Überraschung, als er in der zweiten Runde Alireza Firouzja im Tie-Break besiegte und es bis unter die letzten 32 schaffte, bevor er in der vierten Runde an Kacper Piorun scheiterte.[16] Mit der usbekischen Nationalmannschaft reiste Sindarov zur Schacholympiade 2022 in Chennai. Am dritten Brett kam er zu zehn Einsätzen und gewann mit der Mannschaft Gold. Mit einer Elo-Zahl von 2651 wurde er von der FIDE im September 2022 erstmals unter den 100 besten Spielern der Weltrangliste geführt. Bei der Mannschaftsweltmeisterschaft im November 2022 wurde die usbekische Mannschaft mit Sindarov Zweiter hinter China.[17]
Jahre in der Weltspitze

Im Januar 2023 wurde Sindarov zum Tata-Steel-Schachturnier in Wijk aan Zee eingeladen und spielte dort in der Challengers-Sektion. Mit fünf Siegen, sieben Remis und nur einer Niederlage belegte er abschließend den dritten Platz unter 14 Teilnehmern.[18] Im März 2023 gewann er den Rustam Kasimdzhanov Cup, ein Schnellschachturnier in Taschkent, und besiegte mit Nodirbek Abdusattorov, Alexander Grischtschuk und Şəhriyar Məmmədyarov drei Gegner mit einer Elo-Zahl über 2700.[19] Seine Erfolgssträhne setzte sich im Juni mit dem zweiten Platz im Dubai Open fort.[20] Der usbekische Schachverband nominierte ihn für den Schach-Weltpokal 2023, bei welchem er im August erneut eine Überraschung schaffte und den Setzlistenzehnten Maxime Vachier-Lagrave in der dritten Runde besiegte, bevor er in der vierten Runde gegen Erigaisi Arjun ausschied. Auch beim Qatar Masters Open im Oktober 2023 gelang ihm mit dem vierten Platz ein erfolgreicher Auftritt.[21] Beim FIDE Grand Swiss 2023 wurde Sindarov Achter und konnte seine Elo-Zahl unter anderem dank Siegen gegen Lewon Aronjan und Samuel Sevian auf über 2700 steigern, was zugleich den 35. Platz der Weltrangliste bedeutete.

Das Jahr 2024 begann mit einem herben Rückschlag für den usbekischen Spieler. Beim neunründigen Aeroflot Open in Moskau stieg er bereits nach der sechsten Runde aus, nachdem er in den letzten beiden Partien verloren und insgesamt bereits über 16 Wertungspunkte eingebüßt hatte.[22] Ähnlich erging es ihm beim Dubai Police Masters im Mai 2024, das er ebenfalls vorzeitig beendete.[23] Zuvor gewann er jedoch noch die usbekische Einzelmeisterschaft 2024, die allerdings in Schnellschachformat stattfand und bei der Sindarov klarer Favorit war.[24] Bei der ersten Auflage des UzChess Cups im Juni 2024 fand er auch im klassischen Schach kurz zur Erfolgsspur zurück und erreichte in einem deutlich stärker besetzten Feld den fünften Platz unter zehn Teilnehmern. Das Schachjahr 2024 bildete für Sindarov ein stetiges Auf und Ab und so erreichte er zwar bei der Schacholympiade in Budapest mit der usbekischen Mannschaft den Bronzerang, konnte selber jedoch in zehn Partien am dritten Brett nur drei Siege beisteuern. Dafür versprach das Jahresende noch einmal die Wende nach oben und so wurde er beim President Cup in Taschkent solider Zweiter mit nur einer Niederlage gegen den Sieger Nihal Sarin.[25] Bei der Schnellschachweltmeisterschaft in New York Ende Dezember wurde er Sechster.[26]
Sindarov gehörte 2025 zu den Teilnehmern mehrerer Freestyle-Chess-Turniere. Im Gut Weißenhaus wurde er im Februar Vierter;[27] in Las Vegas verpasste er im Juli die K.-o.-Phase und wurde Neunter.[28] Im finalen Turnier in Südafrika gewann Sindarov im Dezember das anfängliche Rundenturnier und belegte anschließend den vierten Platz.[29] In der Gesamtwertung der Tour 2025 wurde er Fünfter. Im klassischen Schach machte er abseits der Schachbundesliga erst im Mai seinen ersten Auftritt beim TePe Sigeman & Co Chess Tournament. Mit zwei Siegen und fünf Remispartien sicherte er sich in Malmö den Sieg.[30] Darauf folgte im Juni die zweite Ausgabe des UzChess Cups. Im Rundenturnier lag Sindarov zum Schluss punktgleich mit R. Praggnanandhaa und Nodirbek Abdusattorov, was ein Tie-Break nach sich zog. Eine Niederlage gegen Praggnanandhaa und ein Sieg gegen Abdusattorov hatten den zweiten Platz zur Folge. Nach einer soliden Leistung beim FIDE Grand Swiss 2025 – abgesehen von der Niederlage gegen Iwan Tscheparinow – reiste er zum Schach-Weltpokal 2025 nach Indien. Nach erwartungsgemäßen Siegen in den ersten Runden schlug er in der vierten Runde Yu Yangyi im Tie-Break. Nach dem Sieg gegen Frederik Svane war er im Viertelfinale gegen José Martínez schwer gefordert, setzte sich aber nach sechs Partien durch. Da viele Turnierfavoriten bereits früh ausschieden, traf er im Halbfinale auf seinen Landsmann Nodirbek Yoqubboyev, konnte diesen aber ebenso bezwingen wie im Finale den chinesischen Spitzenspieler Wei Yi. Mit dem Gewinn des Weltpokals qualifizierte er sich zudem für das Kandidatenturnier zur Weltmeisterschaft, welches 2026 zwischen acht Anwärtern bis zum 16. April anstand.
Im Januar 2026 reiste Sindarov zum zweiten Mal nach Wijk aan Zee, nun jedoch zum Masters des Tata-Steel-Schachturniers. Mit vier Siegen und neun Remis blieb er ungeschlagen und wurde mit einem halben Punkt Rückstand Zweiter hinter Nodirbek Abdusattorov.[31] Beim Kandidatenturnier in Zypern startete Sindarov mit einer dominanten Leistung. Er gewann fünf der ersten sechs Partien, darunter auch die Partien gegen die Turnierfavoriten Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura. Nach einem Remis gegen Anish Giri stand Sindarov bereits mit Abschluss der vorletzten Runde als Sieger fest.[32] Mit einer Wertungszahl von 2776 stand er im Mai 2026 auf Platz 5 der Weltrangliste.
Vereine
In der deutschen Schachbundesliga gehörte Sindarov in der Saison 2024/25 mit 14 Einsätzen zum Stammpersonal der Meistermannschaft des Düsseldorfer SK 1914/25. In der Saison 2025/26 tritt er für die OSG Baden-Baden an.[33]
Weblinks
- Nachspielbare Schachpartien von Javohir Sindarov auf chessgames.com (englisch)