Jean-François Paschoud
Schweizer Offizier in fremden Diensten
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Jean-François Paschoud (* 7. Januar 1725 in Lutry; † 28. Januar 1783 in Daillens; heimatberechtigt in Lutry) war ein Schweizer Offizier in fremden Diensten.
Leben
Familie
Jean-François Paschoud stammte aus einer angesehenen Waadtländer Familie; sein Vater war Moyse Paschoud, Gerichtsherr und Gouverneur von Lutry, seine Mutter war Antoinette (geb. Cornu); er hatte noch einen älteren Bruder, Françoise Paschoud (* 20. Juni 1722 in Lutry; † 13. Juni 1804 ebenda)[1].
Im Jahr 1760 heiratete Paschoud in England Barbille Marguerite (* 21. Oktober 1735 in Treytorrens; † 1823 in Daillens)[2], Tochter des Pierre-Abram de Treytorrens, der als Leutnant in preussischen Diensten tätig war und später als Ratsherr und Gerichtsschreiber von Cudrefin fungierte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: zwei Söhne und drei Töchter. Die Söhne verfolgten in Indien die militärische Karriere ihres Vaters, während die Töchter in Waadtländer Familien einheirateten und damit ihrer Heimatregion verbunden blieben.
Sein Schwiegersohn war der evangelische Geistliche und Politiker Adolphe Bauty.
Militärische Karriere in Indien
Von 1753 bis 1758 diente Paschoud als Artillerieoffizier in englischen Diensten (siehe Schweizer Truppen in englischen und britischen Diensten#Übersicht der Schweizer Truppen in englischen und britischen Diensten) in Indien. Ab 1757 übernahm er die Position eines Artilleriekommandanten in Bengalen, wo er sich während eines entscheidenden militärischen Konflikts (siehe Schlacht bei Plassey) auszeichnete.
Gemeinsam mit ihm diente unter anderem Noé-Antoine-Abraham Bonjour in Indien.
Zu dieser Zeit hatte der Nawab von Bengalen, Sirājuddaulā, heimlich eine Armee von 100'000 Mann aufgestellt und griff unerwartet die Engländer an, die sich auf einen bestehenden Friedensvertrag verlassen hatten und nur über eine kleine Streitmacht von etwa 4'000 Europäern und 2'000 Sepoys verfügten. Lord Robert Clive, der Oberbefehlshaber der englischen Truppen, zog sich nach Kampfbeginn zurück, da er eine Niederlage für unvermeidlich hielt.
Hauptmann Paschoud erkannte die kritische Situation und unterbreitete Lord Clive einen Vorschlag: Sollte man ihm die vollständige Kontrolle über die Artillerie übertragen, könne er die Armee des Nawab in die Flucht schlagen. Der Plan wurde genehmigt, und Paschouds Führung der Artillerie führte zu einem englischen Sieg. Der gefangene Nawab wurde vor Gericht gestellt und hingerichtet, weil er die Friedensverträge gebrochen hatte.
Die Kriegsbeute wurde unter den Offizieren im Verhältnis zu ihrem Rang aufgeteilt. Als Kommandant der entscheidenden Artillerieeinheit erhielt Paschoud den grössten Anteil und kehrte damit in Wohlstand nach Europa zurück.
Herrschaft Daillens
Nach seiner Rückkehr erwarb Paschoud 1760 von Oberst Sigismond de Weiss[3] die Herrschaft Daillens. 1766 erwarb er zusätzlich von der Erbgemeinschaft de Saussure[4] die Rechte in dieser Gemeinde und wurde damit zum letzten Herrn von Daillens.
Späteres Leben und Vermächtnis
Jean-François Paschoud starb am 28. Januar 1783 im Schloss von Daillens.[5] Seine Ehefrau Barbille Marguerite bewohnte das Schloss bis zu ihrem Tod 1823.
Die umfangreichen Landgüter der ehemaligen Herrschaft Daillens gingen nach Paschouds Tod in die Hände lokaler Landwirte.
Literatur
- Jean-François Paschoud. In: David Martignier, Aymon de Crousaz: Dictionnaire historique, géographique et statistique du Canton de Vaud. Lausanne, 1867. S. 300 (Digitalisat).
- Jean-François Paschoud: dernier seigneur de Daillens. In: Le conteur vaudois, Band 33 Nr. 24 vom 15. Juni 1895 (Digitalisat).
- Gilbert Marion, Barbara Erni: Jean François Paschoud. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 24. November 2009.