Jean Curtius
Lütticher Waffenlieferant in spanischen Diensten
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Jean Curtius, auch bekannt als Jean de Corte, Juan Curcio, einfach Curtius (* 1551 in Lüttich; † 12. Juli 1628 in Liérganes) war ein Lütticher Waffenproduzent[1] und Pulverlieferant mit dem Monopol, der spanischen Armee in den Niederlanden Schießpulver zu liefern.

Seinen Namen trägt heute das von ihm erbaute Palais am Maasufer in Lüttich, in dem das Museum Grand Curtius seinen Sitz hat.
Leben
Jean Curtius war der jüngste von vier Brüdern.[2] Ihre katholischen Eltern waren Jacques de Corte, angestellt beim Fürstbischof von Lüttich, und Helwi de Doerne. Der Vater starb sehr früh, die Kinder hatten einen schwierigen Weg. Jean betrieb früh einen Waffenhandel, den er 1579 bei der Belagerung Maastrichts durch Alessandro Farnese erlernt hatte. Schon wohlhabend heiratete er 1574 eine Tochter aus einer reichen Händlerfamilie aus Lüttich, mit der er mehrere Söhne hatte, die später zum Teil in seine Geschäfte eintraten.
Durch die guten Beziehungen stieg er über den Fürstbischof auf zum Generalkommissar für die Waffenlieferungen an die Spanier. Bischof Ernst von Bayern förderte ihn weiter und gab ihm ein Monopol für die Produktion von Salpeter, der für Schwarzpulver gebraucht wurde (1587). Er nutzte die Chance, als Antwerpen und der bisherige dortige Lieferant Jacques le Roy[3] kriegsbedingt ausfielen. Mit günstiger Kohle konnte Curtius billiger produzieren als mit Holzkohle, Schwefel lieferte ihm das Gestein im Lütticher Umland. Er legte zwei große Anlagen von Pulvermühlen an, eine in Lüttich im Schutz der Stadtmauer von Outre-Meuse, am Gravioule-Kanal, der in die Maas mündet (1589), eine andere im Raum Malmedy, wo Bischof Ernst auch noch Abt der Fürstabtei war, die jedoch von niederländischen Trupps zerstört wurde. Curtius setzte sich zum Ersatz 1595 in den Besitz einer Kohlengrube und der Pulvermanufaktur in Chaudfontaine (Vaux-sous-Chèvremont) und schützte sie durch eine kleine Besatzung. Fachleute aus Deutschland und Lothringen lockte er ohne Rücksicht auf die Konfession.

Das verhalf ihm zu ungeheurem Reichtum (neuer „Krösus“, „Fugger“), den er in viele Immobilien wie das Schloss Oupeye (wodurch er ein Seigneur wurde) und in den Bau des Curtius-Palastes in Lüttich anlegte. Auch spendete das Ehepaar viel für die städtischen Kapuziner (seit 1598, daneben wenig später die Englischen Jesuiten), in deren Kirche er begraben werden sollte, einer seiner Söhne trat in den Bettelorden ein. Er verstand es, seine Kunden auch in anderen Staaten zu finden, und schirmte sich durch Verträge und Zölle vor Konkurrenz ab.
Als nach dem Waffenstillstand von 1609 im Achtzigjährigen Krieg zwischen Spanien, Frankreich, England und den Vereinigten Provinzen der Niederlande wirtschaftliche Probleme auftraten, weil Spanien weniger Geld überwies, er der Armee die Salpeterproduktion nicht mehr verkaufen konnte und hohe Schulden aufnehmen musste, wechselte er 1613 an die Biskaya in Spanien, um dort eine ähnliche Gewerbemanufaktur für die spanische Armee aufzubauen. Doch wurde ihm dies dort durch die regionale Obrigkeit verwehrt, sodass er einen anderen Ort mit Tradition in Metallurgie suchte. So kam er nach Liérganes, Kantabrien, wo er zunächst eine Mühle und eine Schmiede errichtete. Er erwarb auch einige Wälder als Rohstoffquelle. Insgesamt scheint die Familie deutliche Vermögensverluste verzeichnet zu haben.

Nach seinem Tod 1628 übernahm Jorge de Bande den Besitz, aus dem eine der größten Waffenschmieden Spaniens in der Nähe von La Cavada entstand, die Real Fábrica de Artillería de La Cavada.[4] Posthum wurde er Ende 1628 von Kaiser Ferdinand II. in den Adelsstand erhoben.
Weblinks
- Curtius, Jean. In: Biographie Nationale. Académie Royale de Belgique, 1977, abgerufen am 16. November 2025 (französisch).
- Jean Lejeune (1914-1979): La formation du capitalisme moderne. Hrsg.: Liège: Faculté de Philosophie et Lettres. 1939, S. 279–304 (uliege.be [abgerufen am 17. November 2025]).